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Von drei Vierteln der Hagener gewähltMit Dreiviertel der Stimmen Bürgermeisterwahl in Hagen: Gausmann mit Erdrutsch-Sieg

Von Hauke Petersen | 11.09.2011, 22:46 Uhr

Hagen hat Peter Gausmann zu seinem neuen Bürgermeister gewählt. Der unabhängige, von der CDU nominierte Noch-Kämmerer feierte einen Erdrutsch-Sieg: Er holte 74,47 Prozent der Stimmen, der einzige Gegenkandidat Reinhard Wittke (SPD) nur 25,53 Prozent.

Peter Gausmann steht am Kopf der Treppe zum Ratssitzungssaal und springt. Einmal, wie einst Hans Rosenthal bei „Dalli Dalli“. „Wir sind der Meinung, das war spitze.“ Dieser Rosenthalsche Satz hätte sehr gut zu dem Ergebnis gepasst, das der 50-jährige Gausmann an diesem Abend eingefahren hat. Drei Viertel aller Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 67,78 Prozent: Das ist deutlich. Hagen will Gausmann als neuen Verwaltungschef.

Nachdem der Applaus der fast 200 Besucher – viele davon sehr jung – nach mehreren Minuten langsam verklingt, setzt Gausmann an: „Es gab zwei Möglichkeiten: Wenn ich verloren hätte, hatte ich vor, um 20.15 Uhr zu Hause zu sein zum Tatort. Aber eigentlich hatte ich heute keine Lust auf Tatort.“ Direkt danach verkündete Gausmann den neuen Plan: „Es gibt gleich ein schönes Pilsken. Ich glaube, ich habe es verdient.“ Es blieb unklar, ob er damit das Wahlergebnis oder nur die Aussicht auf das Erfrischungsgetränk meinte.

Der Felsbrocken ist vom Herzen, nun kommen die herzlichen Glückwünsche. Erst der offizielle von Noch-Amtsinhaber Dieter Eickholt, dann wird in fast 20 Minuten die Schlange der Gratulanten bedient.

Gausmann verzieht sich kurz in das Raucherzimmer des Rathauses und gönnt sich ein Zigarillo. „Mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet.“ Er habe einfach nur gewinnen wollen, „aber ich freue mich riesig, dass es so deutlich geworden ist“.

Gausmann blickt zurück: „Sechs Monate Wahlkampf sind eine lange Zeit.“ Er sei in dieser Zeit aber nicht einmal vehement angegangen worden vom politischen Gegner.

Druck rausnehmen

20 Jahre war Gausmann Kämmerer. „Dieter Eickholt und ich haben gut zusammengearbeitet“, sagt er. Nun wird er die Gesamtverantwortung über die Verwaltung übernehmen. Was macht er anders? „Ich bin ein ganz anderer Mensch.“ Das könnte sich auch auf die Stimmung im Rat auswirken, mit der es nicht immer zum Besten stand. „Ich werde versuchen, den Druck rauszunehmen.“ Sachthemen sollen wieder in den Vordergrund rücken.

Doch nicht in dieser Nacht. Gausmann verabschiedet sich wieder in den Ratssitzungssaal. Es wird nur eine Durchgangsstation bleiben. Nebenan, bei Stock, wartet ein Fass Bier auf Leerung. Es wird wohl nicht bei dem einen bleiben, bei der Fangemeinde.