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Plattdeutsches Theater Gagfeuerwerk zündet Beifallsstürme in Gellenbeck

Von Horst Troiza | 15.02.2016, 15:25 Uhr

Grandios, was die Theatergruppe des MGV Sudenfeld bei der Premiere des Lustspiels „Olles ute Riege“ abgeliefert hat. Das plattdeutsche Stück um ein Tête-à-Tête zweier Angehöriger konkurrierender politischer Parteien begeisterte auf voller Linie. Vor 180 Zuschauern im neuen Lokal „Platzhirsch“ zündeten die Darsteller ein Feuerwerk an Gags und ernteten Beifallsstürme.

Hagen scheint sich zu einer Hochburg des plattdeutschen Theaters zu entwickeln. Nachdem vor Wochen noch die Theatergruppe der Kolpingfamilie St. Martinus mit der Premiere von „Dat is Chefsaake“ einen großen Erfolg landete, zogen nun die Sudenfelder nach. Auch sie boten mit ihrem Lustspiel um eine Leiche eine fabelhafte Unterhaltung, die sich durch gelungene Gags und eine hervorragende Leistung der Darsteller auszeichnete.

Eröffnung mit Ständchen

Bevor sich der Vorhang hob, waren aber erst die Sänger des MGV Sudenfeld am Zug, die in jedem Jahr die Theaterpremiere mit einem Ständchen eröffnen. Die Gegenwart des Chores war besonders für den Kindergarten St. Marien von Wert, denn dessen Leiterin Manuela Niemeier nahm aus den Händen des 2. Vorsitzenden des MGV, Ansgar Glasmeyer, einen Scheck in Höhe von 1234 Euro entgegen, die anlässlich eines Chortreffens des Sängerkreises Hüggel zusammengekommen waren.

Anschließend wurde die Bühne Schauplatz eines nahezu dreistündigen Spektakels der besonderen Art. Ausgangspunkt war ein zärtliches Stelldichein zwischen einem Minister und der Sekretärin der Opposition in einem Hotel. Angefangen bei den Täuschungen der jeweiligen Ehepartner bis hin zum Servierwagen mit Schampus und Austern hatten die beiden alles bestens geplant. Bis auf eine Kleinigkeit: In ihrem Zimmer „hing“ bereits jemand rum – eine Leiche.

Politiker mit Leiche

Das gab den Startschuss für einen denkwürdigen Parforce-Ritt über die Zwerchfelle der 180 Zuschauer im Saal. Es folgte nun Gag auf Gag, die Verwicklungen, fester Bestandteil einer Komödie, nahmen von Minute zu Minute zu. „De Polizei raupen“, das kam für Minister Willms („Du kannst auck Dickie to me seggen“) nicht in Frage. Als mit allen Wassern gewaschener Politiker war er vertraut mit allen Winkelzügen. Selbst wenn er damit die Karre immer tiefer in den Dreck fuhr, Hauptsache, an seiner Weste blieb kein Schmutz hängen.

Es waren unter anderem die Seitenhiebe ans Politik-Milieu, die das Publikum immer wieder zum Auflachen brachten. Hendrik Kiffmeyer in der Rolle des Willms stand nahezu pausenlos auf der Bühne, ohne auch nur einmal in seiner Darstellung die Intensität zu verlieren. Benno Markmeyer als sein Adlatus Martin, der „Mann fürs Grobe“, lieferte ebenso überzeugend den ängstlichen Gegenpart. Karin Hülsmann als Politiker-Geliebte war erschüttert über die Entwicklung des geplanten Seitensprungs und Hartmut Vorwald als Kellner ging als Profiteur aus der Situation hervor.

Weitere Rollen übernahmen Marion Glasmeyer als Hoteldirektorin, Julia Schönebeck und Martin Plogmann als betrogene Ehepartner und Manuel Dierker als Leiche. Mechtild Plogmann und Melinda Glasmeyer wechseln sich bei den Aufführungen in der Rolle der Schwester Anna ab. Im Hintergrund sind Elke Sandkämper (Souffleuse), Elke Buller (Maske) und Wilfried Hülsmann (Technik) aktiv.

Perfekte Spielleitung

Ein großes Lob ist den beiden Spielleiterinnen Maria Herkenhoff und Monika Waltermann auszusprechen. Sie haben ein Lustspiel mit tollen Einfällen perfekt in Szene gesetzt, rasant und niveauvoll. Kein Wunder, dass es am Ende mit Beifallstürmen gefeiert wurde.