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Lengerich soll sich beteiligen Hagen ist Vorreiter beim Thema Windenergie

03.06.2014, 18:43 Uhr

Als erste Kommune im Landkreis hat die Kirschgemeinde in der vorletzten Maiwoche eine Beteiligung am geplanten „Erneuerbare Energien“-Vorzeigeprojekt Wehlos (Windenergie Holding Landkreis Osnabrück GmbH & Co KG) des Kreises auf den Weg gebracht.

Einstimmig ist vom Hagener Rat der Beschluss für eine Beteiligung der Stadtwerke Lengerich (SWL) in Höhe von bis zu sechs Prozent an der Gesellschaft gefasst worden. Bürgermeister Peter Gausmann: „Sonst bestätigen wir als Rat nur die Beschlüsse der Stadtwerke Lengerich, an denen wir mit 6,8 Prozent beteiligt sind. Aber heute sind wir als Kommune einmal Vorreiter.“

Die Kosten sind aus Gausmanns Sicht überschaubar. Als Gesamtinvestitionssumme ein Betrag von 100 Millionen Euro vorgesehen, der zu mindestens 51 Prozent vom Landkreis und seiner „Enkelinnengesellschaft“ Ener-GOS sowie bis zu 49 Prozent von den sieben Energieversorgern in der Region (Stadtwerke Osnabrück, Stadtwerke GMHütte, Stadtwerke Bramsche, SWL, Strom- und Gasversorgung Versmold, TEN, E-Genossenschaft Hasbergen) und „bestimmten Kommunen“ getragen werden soll.

Der Landkreis macht etwas Druck: Bis Ende Juni soll die Gründung der Wehlos-Gesellschaft Konturen annehmen. Das Beteiligungsangebot an die Energieversorgungsunternehmen (EVU), das eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent vorsieht, ist auch bis Ende des zweiten Quartals befristet. Die vorgesehene Beteiligungsquote der sieben EVUs als Kommanditisten der Wehlos-Holding beträgt jeweils drei Prozent. Da noch nicht klar ist, ob sich tatsächlich alle Energieversorger beteiligen, hat der Hagener Rat den Lengericher Stadtwerken empfohlen, sich gegebenenfalls mit bis zu sechs Prozent zu beteiligen.

Bei einer vorgesehenen Eigenkapitalquote von 25 Prozent bedeuten drei Beteiligungspunkte pro Energieversorger einen Beitrag von 750000 Euro. Für Hagen würde das aufgrund seines Anteils von 6,8 Prozent an den Stadtwerken Lengerich eine anteilige Summe von um die 50000 Euro ausmachen.

Der Ratsbeschluss ist notwendig, da sich die SWL ohne eine Zustimmung der Gremien der Mitgliedskommunen nicht an der zu gründenden Wehlos-Gesellschaft beteiligen könnte. Zwar verfügt die Gemeinde Hagen über keine ausgewiesenen Windvorranggebiete, wie Bürgermeister Gausmann auch im Rat deutlich gemacht hat. Jedoch bietet sich hier aus seiner Sicht die Chance, über eine Beteiligung an der Wehlos ohne eigenen Geldabfluss sowie ohne großes Risiko die Nutzung von Windenergie zu fördern.

Im Hagener Gemeinderat gab es ausnahmslos Zustimmung für die Beteiligungspläne. Ilka Pötter erklärte für die CDU-Fraktion: „Wir stimmen zu, auch für eine Beteiligung von bis zu sechs Prozent, weil wir den Einsatz erneuerbarer Energien vorantreiben wollen.“

Die Sozialdemokraten im Hagener Rat machten aber auch kritische Anmerkungen. Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Plogmann: „Sechs Prozent können für die SWL auch teuer werden. Das würde bei einer Eigenkapitalquote von 25 Prozent insgesamt eine Investition von bis 1,5 Millionen Euro bedeuten.“ Derzeit seien weder die konkreten Projekte noch die zu erwartende Wirtschaftlichkeit bekannt.

Er bedauerte ebenso wie sein Fraktionskollege Reinhard Wittke, dass aufgrund des Zeitdrucks keine Gelegenheit bestanden habe, das Thema im Finanzausschuss mit SWL-Vertretern zu diskutieren. Wittke: „Wir wollen der Energiewende nicht im Wege stehen, aber die Wehlos ist ein mit heißer Nadel gestricktes Projekt.“ Der Landkreis sei auch im Vergleich zu den ersten Plänen inzwischen schon zurückgerudert und habe die ursprünglich vorgesehene Investitionssumme von 500 auf jetzt 100 Millionen Euro Investitionssumme reduziert.

In Hasbergen kommt das Thema Wehlos-Beteiligung Ende Juni in den Gemeinderat.

In GMHütte hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke das Thema bereits diskutiert, aber es sind vor einer Beschlussfassung noch einige Fragen zu klären. Dazu findet in der kommenden Woche ein Gespräch mit dem Landkreis statt. Anfang Juli steht die Wehlos-Beteiligung dann wieder im Aufsichtsrat auf der Tagesordnung.