Ein Artikel der Redaktion

Hagener Bildhauer Gewers 84 Jahre Ein Lebenswerk in Stein gemeißelt

Von Barbara Müller | 27.04.2011, 14:30 Uhr

In diesen Tagen feiert Bernhard Gewers seinen 84. Geburtstag. Weit über die Grenzen des Osnabrücker Landes hat er sich als Bildhauer, Architekt, Restaurator und Gestalter von Chorräumen in Kirchen einen Namen gemacht. Zeugnis seiner Schaffenskraft legen allein in Hagen Kirche, Kirschesserin bei der Volksbank, Erntedankfrau in Gellenbeck oder das Gösmann-Denkmal an der dortigen Grundschule ab. Auch der aus Marmor gearbeitete St. Martin in einer Nische der Ehemaligen Kirche ist in Hagen ein Begriff. Heute lebt Bernhard Gewers krankheitsbedingt zurückgezogen in seinem Haus in Nachbarschaft zum Bürgerhaus in Natrup-

Seine Visitenkarte ist bereits die Haustür: Die senkrechten und waagerechten Linien auf dem Türgriff aus platiniertem Aluminium sind so etwas wie sein Markenzeichen. „Hier sind sie allerdings lediglich architektonische Fantasie“, erklärt Bernhard Gewers, „ die etwas Festes, Konstruktives darstellt.“

Bevor er vor rund 50 Jahren in Hagen heimisch wurde, hat er eine wahrlich gediegene Lehrzeit absolviert: Innerhalb von 13 Jahren ließ er sich zum Steinmetz ausbilden, besuchte anschließend verschiedene Kunstakademie, bevor er in Darmstadt ein sechsjähriges Studium als Diplom-Ingenieur abschloss. „Diese meine Lehrjahre habe ich nur einmal für die Meisterprüfung als Steinmetz unterbrochen.“

Schon bald machte er sich einen Namen bei der Gestaltung von Chorräumen. „In Kirchen von Wilhelmshaven über Berlin bis Hannover und Ruhrgebiet schuf ich Altäre, Leuchter und Lesepulte. Die meisten aus Sandstein.“ Unter den zwölf aus diesem Material ist ihm die Kirche St. Martinus in Hagen eine der liebsten. „Auch wenn ich weiß, dass nicht alle meine Begeisterung teilen.“ Genauso ehrlich lässt er die vielen Kunstwerke aus Beton Revue passieren: „Bei Beton ist nicht die letzte Präzision zu erreichen. Ich wusste es wohl, aber immer wieder haben mich die verantwortlichen Architekten aus Kostengründen gedrängt, diesen Werkstoff zu verwenden.“ Einhellig war bei diesen Arbeiten das Lob für die beiden riesigen Stelen im Warendorfer Gymnasium, die Betonplastik auf dem Schulhof in Recklinghausen oder das Ehrenmal in Bad Bentheim: „Da spielten andere Gesichtspunkte eine Rolle, sodass es nicht in erster Linie auf Präzision ankam.“

Gern erinnert er sich auch an eine Arbeit in seiner Heimatstadt Vreden an der holländischen Grenze: „Der Steinblock war so riesig in den Ausmaßen, dass ich meinen Auftrag, ein Ehrenmal zu schaffen, an Ort und Stelle im Steinbruch ausführen musste.“ In guter Erinnerung ist ihm auch der Brunnen aus Bronze und Stein in der Uni Münster geblieben, der einem sonst tristen Freiplatz ein Gesicht gegeben hat. „Die Fantasiepflanzen, mit denen ich ihn versehen habe, sehe ich noch vor mir.“

Hauptsächlich Engel

Dass der Hagener Künstler aber vor allem auf kirchliche Kunst spezialisiert war, macht seine Wohnung in Natrup Hagen deutlich: Sammlerstücke wie Bilder, Zeichnungen und Kupferstiche und hauptsächlich Engel in allen Größen und Ausmaßen aus verschiedenen Jahrhun-derten leisten ihm Gesellschaft. Großen Raum nimmt auch der gut zwei Meter große Evangelist Johannes aus Sandstein ein. Gewers: „Der stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ich fand ihn auf einer Reise bei einem Händler irgendwo in Norddeutschland.“ Der Ausdruck großer Bescheidenheit und Frömmigkeit haben dem Hagener besonders gefallen. Allerdings war der fromme Mann arg lädiert: „Hier kamen mir meine Erfahrungen als Restaurator zugute. Die Schreibfeder in seiner Hand und einige andere hervorstehende Stellen waren dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, sodass ich mit Freuden selbst Hand anlegen konnte.“ Er ging so geschickt zu Werke, dass keinerlei Unterschiede zwischen Original und reparierten Stellen zu erkennen sind. „Was hier zu sehen ist, stellt allerdings nur eine kleine Auswahl dessen dar, was ich im Lauf der Jahre zusammengetragen habe. Die wertvollsten Stücke müssen aus Sicherheitsgründen unter Verschluss bleiben.“

Ein wenig merkwürdig mutet allerdings innerhalb all der edlen Kunstwerke eine Kuh an, die er selbst aus Sandstein schuf. „Sie ist mein Plädoyer für ein zu Unrecht unterbewertetes Tier. Sie schreit im wahrsten Sinn zum Himmel, weil alles, was sie für die Menschheit tut, zumindest in unseren Breiten so wenig Anerkennung findet.“ So hat Gewers ihr wenigstens in seiner Wohnung ein Denkmal gesetzt.