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Hagen Aus Spaß wurde Ernst

31.07.2009, 22:00 Uhr

Nächtliche Überfälle auf ein Zeltlager gehören einfach dazu. Ohne die Attacken meist befreundeter Gruppen wäre diese Form der Ferienfreizeit nur der halbe Spaß. Im St.-Martinus-Mädchenzeltlager in Dinklage wurde die eigentlich als freundschaftliche Balgerei gedachte nächtliche Aktion aber übertrieben. Mehrere Kinder mussten zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden, eine Zwölfjährige wurde dort nach Tritten in Bauch- und Rippengegend behandelt.

„Wir werden hier definitiv nichts bagatellisieren. Wir hatten viel Spaß, aber eben auch diesen Zwischenfall, bei dem Kinder verletzt wurden“, sagt Marion Gövert, Jugendpflegerin in St.Martinus. Es gelte nun den Vorfall aufzubereiten. Allerdings sei weder der Überfall in diesem Jahr noch der im vergangenen Jahr ein „Naziüberfall“ gewesen, wie teilweise zu hören sei.

Die „Überfäller“ wie die Spaßangreifer im Zeltlagerdeutsch genannt werden, seien überwiegend bekannt gewesen, so Gövert. Fünf der nächtlichen Besucher, die mit zweifelhaftem „rechten“ Ruf angekündigt worden seien, hätten bei dem Überfall unter besonderer Beobachtung gestanden. „Wir haben den Überfall in dem Moment abgebrochen, als wir sahen, dass sich einige nicht an die Regeln gehalten haben“, erläutert Gövert das Geschehen.

Zu spät, findet Harald Höfling, dessen Tochter bei der Aktion Tritte in Bauch und Rippen bekam. Während sich Gövert vorsätzliches Handeln in diesem Fall nur schwer vorstellen kann („Abschließend kann ich das allerdings nicht beurteilen.“), geht Höfling zumindest bei den Fußtritten von einer ganz bewussten Aktion aus. Höfling kritisiert den Vorfall und fordert Konsequenzen für die kommenden Zeltlager, gleichzeitig will er die Lagerleitung aber auch nicht verurteilen. „Es ist gut, dass sich Jugendliche ehrenamtlich für diese Lager engagieren und die Verantwortung auf sich nehmen“, zollt Höfling den Verantwortlichen bei aller Kritik auch Respekt.

Was passiert sei, sei passiert. Nun gehe es darum zu überlegen, wie in Zukunft Zwischenfälle dieser Art vermieden werden könnten. Denn auch nach Höflings Meinung gehören die nächtlichen Überfälle zu einem richtigen Zeltlager einfach dazu. Da nach der älteren Tochter im vergangenen Jahr in diesem Jahr nun Höflings jüngere Tochter betroffen war, drängt der dreifache Vater aber auf Konsequenzen.

Die wollen Gövert und das Leitungsteam in zwei bis drei Monaten präsentieren. „Die Überfälle sind ein Highlight für die Kinder, denen wir damit einen Spaß bereiten wollen. Wir gehen davon aus, dass die Überfäller auch mit dieser Intention auf den Platz kommen“, sagt sie. Dies soll aber kein genereller Freispruch für die nächtlichen Gäste sein. Sie und das Leitungsteam wollen nun nach Wegen suchen, wie die Überfälle ohne Auswüchse gestaltet werden können. Die Ergebnisse der Diskussionen sollen zeitnah der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta ermittelt zwar noch gegen unbekannt, ob es aber zu strafrechtlichen Konsequenzen kommt, ist fraglich. Sprecher Frank Soika: „Solche Prügeleien erfüllen den Tatbestand der Körperverletzung.“ Mithin sei ein Ermittlungsverfahren notwendig. Der Ausgang sei aber nach derzeitigem Stand ungewiss.

Unter dem Strich bleibt bei allen Beteiligten der Willen, dass das Mädchenzeltlager nicht generell in Verruf kommen darf. Dazu gehört auch, dass die zum Teil überzogenen Gerüchte, die in Hagen kursieren, gestoppt werden .