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Cavendish ist nicht zu schlagen – Spektakulärer Schlussakkord bei der Radsport-WM Mit Bronze kann Greipel gut leben

25.09.2011, 16:31 Uhr

Als die Nationalhymne seines Erzrivalen Mark Cavendish erklang, strahlte sogar der geschlagene André Greipel in der Herbstsonne von Kopenhagen über das ganze Gesicht. Mit einem unnachahmlichen Kraftakt hatte sich der bullige Sprinter auf dem steilen Kongevejen um einen Wimpernschlag die Bronzemedaille im WM-Straßenrennen gesichert. Schier endlose sechs Minuten grübelte die Jury über dem Zielfoto, ehe das Urteil fiel: Greipel ist Dritter, nicht der Schweizer Fabian Cancellara.

„Ich habe eigentlich gleich gesehen, dass ich Dritter war. Deswegen war die Warterei nicht so schlimm“, sagte der gut gelaunte Greipel. Der deutsche Kapitän stand diesmal nicht mit leeren Händen da und freute sich somit auch über den dritten Platz hinter dem unantastbaren Cavendish und dem Zweiten Matthew Goss: „Wir hatten die Chance, Weltmeister zu werden, sind aber auch mit Bronze zufrieden.“

Udo Sprenger, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), war nach dem Finale furioso sogar ganz aus dem Häuschen. „Das war herausragend. Ein irres Finale. Wir hatten nur noch wenige Fahrer in der Gruppe. Das war ein phänomenaler Sprint von André“, sagte Sprenger. Greipel schraubte die WM-Bilanz des BDR auf zwei Gold- und drei Bronzemedaillen.

Gepasst hat es vor allem beim Schlussakkord der Titelkämpfe bei Volksfeststimmung und 250000 Zuschauern. Greipel sah am 700 Meter langen und sieben Prozent steilen Kongevejen schon wie der große Verlierer aus, ehe er von weit hinten aus dem Feld noch auf Platz drei schoss.

Bereits lange bevor die Post abging, hatte Greipel durch einen Sturz im Feld in Tony Martin, Bert Grabsch und Andreas Klier drei immens wichtige Helfer verloren. Dementsprechend zufrieden war man im deutschen Lager. „Durch den Sturz mussten wir unseren Plan ändern. Wir haben Bronze gewonnen und nicht Gold verloren“, befand der sportliche Leiter Jan Schaffrath.

Danilo Hondo, der neben Marcel Sieberg Greipels Bodyguard war, war voll des Lobes für den Sprinter: „Gegen Cavendish zu verlieren ist keine Schande. Das war ein regulärer Sprint Mann gegen Mann.“

Der unwiderstehliche Cavendish wurde vom „stärksten Team des Rennens“ (Hondo) perfekt aus allen Rangeleien rausgehalten und avancierte zum ersten britischen Weltmeister seit Tom Simpson 1965.

Erst auf den zweiten Blick zufrieden war auch Junioren-Fahrer Rick Zabel nach seiner Weltmeisterschafts-Premiere mit dem fünften Platz. „Wären wir drei Sekunden früher auf die Zielgerade eingebogen, wäre noch mehr drin gewesen“, meinte der 17-jährige Sohn von Sprintlegende Erik Zabel. Am Ende blieb ihm hinter den drei Ausreißern nur der zweite Platz im Sprint des Hauptfeldes. Weltmeister wurde der Franzose Pierre-Henri Lecuisinier.