zuletzt aktualisiert vor

Kritik am Turbokapitalismus Salvadorianer berichtet bei KAB St. Martinus Hagen

Von Andreas Wenk

Unterstützt die Aveniat-Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks: Manuel de Jesús Morán Hidalgo mit Übersetzerin Inés Klessenbauer und Mittelamerika-Referentin bei Adveniat. Foto: Andreas WenkUnterstützt die Aveniat-Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks: Manuel de Jesús Morán Hidalgo mit Übersetzerin Inés Klessenbauer und Mittelamerika-Referentin bei Adveniat. Foto: Andreas Wenk

awen Hagen. „Wir müssen die Fehler nicht nur bei anderen suchen, sondern auch bei uns“, forderte Manuel de Jesús Morán Hidalgo in St. Martinus die Mitglieder und Gäste der Katholischen-Arbeitnehmer-Bewegung Hagen auf. Die hatte zur Präsentation eines Aussteigerprojektes für Jugendliche aus deren kriminellen Milieu in El Salvador eingeladen. Heraus kam eine Generalabrechnung Moráns mit den Auswüchsen eines Turbokapitalismus, nicht nur in Lateinamerika.

Morán ist Caritas-Direktor der Diözese Santa Ana und wart auf Einladung der katholischen Kirche in Deutschland, um die Adveniat-Weihnachtsaktion „Faire Arbeit. Würde. Helfen“ zu unterstützen. Bei seinem Vortrag und im Gespräch mit den Besuchern sparte Morán nicht mit Kritik, auch an der Kirche. Er selbst habe viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um innerhalb der Kirche und der Caritas faire Löhne durchzusetzen. Lange habe es geheißen „Was willst Du? Du arbeitest für Gott, der Dich ernährt.“ Auch Kirchenvertreter und Gewerkschafter gehörten in Mittel- und Südamerika vielfach zu einer korrupten Elite, die Arbeiter ausbeuten.

Widerspruch von Katholiken

Dagegen forderte Morán Widerspruch von Katholiken und berichtete von einem anderen Projekt, das ihm offenbar sehr am Herzen liegt. Dabei geht es darum, angehende Führungskräfte auszubilden, um ihnen den Weg zu Gott zu weisen. Viele Aufsteiger würden ihre Herkunft vergessen und später die schlimmsten Ausbeuter. Deshalb forderte Morán Mut zu Ehrlichkeit, zum Widerstand und dazu, sich für andere einzusetzen, auch wenn dadurch der eigene Job Gefahr gerate. Bei diesen Worten hält es den lebhaft berichtenden, aber diszipliniert auf Übersetzungspausen wartenden Morán nicht mehr auf dem Stuhl. Plötzlich spricht und gestikuliert er im Stehen.

Morán beschränkt sich allerdings nicht auf die Kritik an den Verhältnissen. Immer wieder lässt er seine Religiosität als seelische Stütze durchblicken. Das gelte aber nicht nur für ihn persönlich: „Ohne den Glauben würden sich viele Menschen umbringen oder an Traurigkeit sterben“, so Morán. Durch Hungerlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen verlören viele Menschen ihre Würde. Eigentlich bräuchten sie Antidepressiva. Doch Präparate, die in Europa 20 Euro kosteten, seien in Lateinamerika nur für 127 Dollar zu haben. Und das bei einem monatlichen Mindestlohn von 90 Dollar.

Vorbild Papst

Von Kirchenvertretern verlangt Morán, das Evangelium nicht nur zu predigen, sondern zu leben. Als Vorbild nannte er Papst Franziskus, an anderer Stelle auch Romero, den 1980 ermordeten Erzbischof von San Salvador. Kirche und Gläubige bräuchten „Hirten mit Stallgeruch, die nicht leben wie die Prinzen, sondern nah bei den Menschen sind.“ Was hierzulande daraus zu lernen sei? „Besinnt Euch auf Eure Möglichkeiten“, gab Morán den Besuchern mit auf den Weg.