Familien-Treffen mit Patricia Kelly-Fans strömen von weither nach Hagen

Von Andreas Wenk

Die Bühnenpräsenz von Patricia Kelly reicht von ungehemmter Bewegungsfreude bis zu  minimalistischen Gesten einer Porzellan-Spieluhr-Ballerina- Foto: Thomas OsterfeldDie Bühnenpräsenz von Patricia Kelly reicht von ungehemmter Bewegungsfreude bis zu minimalistischen Gesten einer Porzellan-Spieluhr-Ballerina- Foto: Thomas Osterfeld

awen Hagen. Familientreffen zum Weihnachtskonzert von Patricia Kelly und Band. Ungebrochen der Mythos der musizierenden Kelly-Family. Obwohl Patrica Kelly kurz vor Schluss erklärt, „wir sind und waren niemals eine perfekte Familie und hatten genauso Probleme wie andere auch“, als gefühltem Familienanhang ist den Fans kein Aufwand zu groß, kein Weg zu weit.

Angela ist aus Stuttgart angereist, sie hat die Karten zum Geburtstag von ihren Kölner Freundinnen bekommen. Andrea, Fan und Patricias Fahrerin, kommt ebenfalls aus Köln, weiß, dass die ersten Besucher bereits um 12 Uhr vor der Kirche gewartet haben. Sie weist auf eine Gruppe nahe der Bühne, die sie von anderen Auftritten kennt und die aus den Niederlanden angereist ist. Das von Christiane Hüsing organisierte Konzert ist bereits seit Oktober ausgebucht.

Von Klassik bis Jazz

Entsprechend hoch die Erwartungen des bunt gemischten Publikums, die allesamt nicht enttäuscht wurden. „Es ist ein Ros entsprungen“ gleich als zweiter Stelle, nach eigenem Bekunden eines ihrer Lieblingslieder, bietet ihr die Plattform, ihre Stimme klassisch auszureizen. Doch ihre Bandbreite reicht in mehreren Sprachen bis hin zum Jazz. Nicht erst mit ihrer angerappten Version von „Kommet Ihr Hirten“ mit einfühlsamem Percussion-Solo von Lukas Maile rockt sie die Kirche.

Ein durchgängiger Stil? Fehlanzeige. Es ist die bunte Mischung aus Rock, Pop, Klassik und Jazz, aus ungehemmter Bewegungsfreude und minimalistischen Gesten einer Porzellan-Spieluhr-Ballerina, die es fast unmöglich macht, den Abend stilistisch zu verorten. Das Kelly-Phänomen dabei: Alles wirkt gleichermaßen authentisch. Ob höchste Stufe der Bühnenprofessionalität oder entwaffnend offen und vielseitig? Das Urteil der Fans ist eindeutig. Sie klatschen mit, sie singen mit und halten sich zurück, wenn Patricia Kelly darum bittet.

Kellys nächste Generation

So im Fall ihrer Nichte Lilian, Tochter ihres Bruders Joey. Lilian ist der Überraschungsgast des Abends. Und Tante Patricia gibt die Auflage der Eltern weiter, Lilian bitte nicht zu filmen oder zu fotografieren. Die Bühnendynastie ist auf dem Sprung in die nächste Generation, ohne ihre Kinder ungebremst ins Rampenlicht zu zerren.

„Alle Kinder brauchen Freunde“, singt Lilian und setzt ebenso selbstbewusst, gekonnt und anrührend ein musikalisches Zeichen der Familienbande, während sich Papa Joey im Abseits hält. Standing Ovation für Lilian und als Zeichen der Hoffnung, dass die Familien-Saga weiter geht.

Bekennende Christin

Als Reminiszenz an den Vater, die von ihm so geliebten Weihnachtsklassiker „White Christmas“ oder „Winter Wonderland“. Patricia Kelly bekreuzigt sich als bekennende Christin schließlich und kniet vor dem Altarbild der Ehemaligen Kirche nieder und dankt dem Publikum für die jahrelange Treue und den Erfolg:

„Verdient haben wir ihn nicht, aber wir nehmen ihn gerne an.“ Selbst diese viel zitierte Formel wirkt von Herzen kommend und die Video-Teams mögen den einen oder anderen Besucher gestört haben, die überwiegende Mehrheit dürfte eher dem Erscheinen des Films entgegenfiebern. Erwähnt werden sollte noch, dass der Reinerlös dem „Verein zur Förderung behinderter Menschen“ zugute kommt.