Ein Zelt als Clubheim Tennisabteilung der Spielvereinigung Niedermark wird 40

Von Werner Barthel

Am Fuße des Butterbergs in der Hagener Niedermark werden seit 40 Jahren gelbe Filzbälle mit Tennisschlägern gejagt. Foto: Werner BarthelAm Fuße des Butterbergs in der Hagener Niedermark werden seit 40 Jahren gelbe Filzbälle mit Tennisschlägern gejagt. Foto: Werner Barthel

Hagen. Schon seine Lage würde so manchen Verein vor Neid erblassen lassen: Am Fuße des Butterbergs, inmitten von sattem Grün und Wald, ist die Tennisabteilung der Spielvereinigung Niedermark zu Hause. Am 26. August feiert sie 40-jähriges Bestehen.

Ein Stück Wald musste gerodet werden, bevor die ersten zwei Plätze angelegt werden konnten. Von der Planung bis zum ersten Spatenstich vergingen trotzdem Monate, in denen die Gründergeneration vor allem eine Frage beschäftigte: Werden wir auch genügend Interessierte finden, die unser Vorhaben unterstützen und mittragen?

An erster Stelle kam Fußball

Denn die Mehrheitsverhältnisse in der Niedermark ließen nur einen Schluss zu: Erst kommt König Fußball, dann Tischtennis, und dann lange nichts mehr. Dass die Verfechter des weißen Sports nicht die besten Karten hatten, machte bereits der sonntägliche Frühschoppen deutlich: Während die Fußballer in Scharen das Gasthaus „Matzken“ ansteuerten, verloren sich lediglich einige bekennende Tennisfans bei Tobergte. Um sicher sein zu können, keine Bruchlandung erleben zu müssen, brachte man ein Schild in der Gaststätte an. „Wer hat Lust zum Tennisspielen?“, hieß es darauf. Und gleich daneben konnten sich Interessierte auf einer Liste eintragen.

Erfolg dank deutscher Tenniswunder

Als endlich die 40-Personen-Marke geknackt war, ging man ans Werk. Ein fünfköpfiger Ausschuss wurde gewählt, der dann mit dem Vorstand alle weiteren Vorbereitungen zu treffen hatte. Im Januar 1977 erfolgte die Bestätigung dieser neuen Abteilung im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Spielvereinigung Niedermark. Im Laufe desselben Jahres wurden die ersten beiden Plätze fertiggestellt. Bereits die ersten Jahre bewiesen, dass alle Unkenrufe im Vorfeld unnötig waren. Boris Becker und Steffi Graf sei Dank.

Expansion nötig

Aber nicht nur der Tennisboom sorgte für reichlich neue Mitglieder. Auch einige Freunde aus der Tischtennisabteilung ließen sich nicht lange bitten. Schließlich beherrschten sie Vor- und Rückhand. Und damit waren schon fast alle Voraussetzungen erfüllt, auch auf dem Tennisplatz bestehen zu können. Es lief so gut, dass 1980 der Bau zwei weiterer Tennisplätze in Angriff genommen wurden.

Vom Zelt in die Oberliga zum Clubhaus

Ja, inzwischen platzte die Anlage schon fast aus allen Nähten. Und das darf man getrost wörtlich verstehen: Zwei Zelte, als provisorisches Clubhaus genutzt, wurden nacheinander verschlissen und schließlich durch eine Blockhütte ersetzt. Keines der etwa 250 Mitglieder störte sich daran. Schließlich ging es in erster Linie um das Tennisspiel. Und der Erfolg gab ihnen Recht: Um die Jahrtausendwende wurde gar der Aufstieg in die Oberliga geschafft.

1989 war es endlich soweit: Ein schmuckes Clubhaus mit sanitären Einrichtungen, praktischen Umkleideräume nebst großzügigem Clubraum ersetzte die Blockhütte.

Auch heute nehmen fünf bis sieben Mannschaften an den Punktspielen, den sogenannten Medenspielen, teil. An zwei Tagen in der Woche steht ein Tennislehrer zu Verfügung, um Anfänger mit der Praxis vertraut zu machen und Fortgeschrittenen die letzten Fehler auszutreiben.

Schlagabtausch mit Ivanisevic

Eines Tages schnupperten die Tennisspieler aus der Niedermark sogar an der exklusiven internationalen Tennisszene. Bei einem Turnier wurde man bei einem ungewöhnlichen Namen aufmerksam: Da war doch tatsächlich beim Gegner ein Spieler namens Ivanisevic vermerkt. Er war an Nummer eins im Team des TC Falkenberg aufgeführt. Nachfragen brachten schnell die Erklärung: Es war nicht Goran Ivanisevic, sondern sein Onkel Zoran. Bereitwillig erzählte er, dass er seinen Neffen Goran im Alter von neun Jahren dem weißen Sport näher gebracht hatte. Entsprechend respektvoll begegnete der Niedermärker Gerd Peters dem Mann mit dem berühmten Namen im Spitzenspiel- und konnte am Ende über einen glatten Zwei-Satz-Sieg jubeln. Schließlich konnte Peters künftig erzählen, er habe Ivanisevic in einem wichtigen Match geschlagen.

Gesellig in Erinnerungen schwelgen

Die Herren der Tennisabteilung genießen von Anfang an einen ganz besonderen „eigenen Tag“, den Seniorenabend. Sie treffen sich immer donnerstags, spielen zwei Doppel, um sich anschließend bei einem gepflegten Bier eine Bratwurst schmecken zu lassen, die zwischendurch auf den Grill gelegt wird.

Und natürlich kommt man irgendwann ins Schwärmen von alten Zeiten: „Kannst du dich noch an die Aufschlag-Gang erinnern?“, beginnt einer, woraufhin all die „Schlachten“ und Touren dieser Truppe ins Alte Land oder nach Leipzig lebendig werden. Sogar das „Ostfriesenabitur“ habe man erfolgreich in Wittmund absolviert.

Ortsrivalitäten gehören auf den Platz

Höhepunkte waren und sind nach wie vor neben den Clubmeisterschaften die Freundschaftsspiele mit befreundeten Vereinen. Hoch geht es auch beim jährlichen Bürgermeisterpokal her. Wenn es dann gegen die Obermark geht, werden auch die letzten Reserven mobilisiert. Dann kommt die alte Rivalität zwischen den beiden Ortsteilen wieder hoch. Aber nach den Spielen ist alles vergessen, und man sitzt gemütlich noch die eine oder andere Stunde beisammen.

Runder „Geburtstag“ am Wochenende

Jetzt freuen sich alle auf das Jubiläum am kommenden Samstag, 26.August. In der Tennisanlage „Im Stern“ wartet ein abwechslungsreiches Programm auf Mitglieder und Gäste. Ab 15 Uhr besteht die Qual der Wahl: Ein Fußball-Tennisturnier lockt ebenso wie eine Trainingsdemonstration mit den Trainern Ali und Matze. Dann kann auch noch der Tennisspielpass erworben werden. Das Abendprogramm leiten die Ansprachen des Bürgermeisters, des 1. Vorsitzenden und des Abteilungsleiters ein, bevor es zum Grill-Büffet von und mit dem Restaurant „Zum Forellental“ geht. Schließlich lädt das „Team Budenzauber“ zum Tanz. In den Pausen bieten die „4 non drum“ einige Einlagen. Sie kommen in ungewöhnlicher Instrumentierung daher: So setzen sie neben Gesang, Bass, Gitarre und Saxophon auch Mundharmonika und Akkordeon ein, verzichten jedoch auf Schlagzeug.


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