Schüler ausgezeichnet Europatag in Osnabrück zum Thema Plastikmüll


Osnabrück. 176 Plastiktüten verbraucht jeder EU-Bürger im Jahr. Wie man diese Zahl reduzieren kann, darüber diskutierten der Europapolitiker Tiemo Wölken (SPD) und lokale Initiativen auf dem Europatag der Region im Osnabrücker Rathaus.

Der Europatag findet einmal jährlich abwechselnd in Stadt und Landkreis Osnabrück statt. Mit der Veranstaltung erinnert die Region Osnabrück an die Grundsteinlegung der Europäischen Union vor 67 Jahren, als der französische Außenminister Robert Schuman die gemeinsame Verwaltung der deutschen und französischen Kohle- und Stahlwirtschaft verkündete. Schwerpunkt in diesem Jahr war das Thema Plastikmüll. „Plastik ist ein sehr wichtiges Thema“, erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Hätte Martin Luther seine 95 Thesen in einer Plastiktüte nach Wittenberg transportiert und diese dort weggeworfen, hätte sie sich erst heute vollständig abgebaut. Die Ozeane seien voller Plastikmüll, der von Fischen aufgenommen wird, die wiederum von Menschen verspeist werden. „Wir schädigen nicht nur die Umwelt, wir schädigen auch uns selbst“, meinte Griesert.

Abfall als Rohstoff

„Der Klimawandel geht die Menschen europaweit etwas an“, erklärte Tiemo Wölken, Abgeordneter des Europaparlaments und Mitglied des Umweltausschuss. Inzwischen gebe es deutlich mehr Plastik in den Meeren als Plankton. Die EU habe das Ziel, den jährlichen Plastiktütenverbrauch pro EU-Bürger auf 40 Tüten im Jahr 2025 zu senken. Außerdem habe die Union die Weichen gestellt, damit Abfall als Rohstoff betrachtet und so weit wie möglich wiederverwertet wird. Ziel sei es, dass 2030 nur noch fünf Prozent des Abfalls auf Mülldeponien landet.

Plastiktüten zu Grabe getragen

Im Anschluss stellte sich Wölken gemeinsam mit dem Projekt „Unplastic Billerbeck“ und Initiative „Plastiktütenfreies Osnabrück“ der Ursulaschule den Fragen von NOZ-Redakteurin Stefanie Adomeit. Mit „Unplastic Billerbeck“ hatten sich Thomas Nufer und Dirk Schubert das Ziel gesetzt, den Plastiktütenverbrauch in dem westfälischen Ort um 30 Prozent zu senken. Dazu riefen sie einige ungewöhnliche Aktionen ins Leben, wie die symbolische Beerdigung von Plastiktüten oder die Figur des „Mr. Unplastic“, der diese einsammelt. „Wenn es nicht solche verrückten Geschichten gibt, dann wird es nicht wahrgenommen“, erklärte Nufer. Am Ende sank der Verbrauch, auch bedingt durch das große mediale Interesse, um 60 Prozent.

Schüler recyclen Plastiktüten

Ungewöhnliche Aktionen sind auch Bestandteil von „Plastiktütenfreies Osnabrück“, wie Annabel Joerges und Jona Abt erklärten. So verspeisten die Ursulaschüler symbolisch Plastiktüten auf dem Nikolaiort und taten so, als würden sie an der Mahlzeit sterben. Derzeit arbeitet die Initiative an der Produktion von haltbaren Taschen aus alten Plastiktüten. Sie waren sich mit den anderen Diskussionsteilnehmern einig, dass Papiertüten und Baumwolltaschen keine Alternative zu Plastiktüten sind, da sie ebenfalls die Umwelt belasten. Besser sei eine Kombination aus Stoff und recycltem Plastik.

Schulwettbewerb

Zum Abschluss verkündeten Griesert, Wölken und der Vorsitzende der Europa-Union im Kreisverband Osnabrück Günter Harmeyer die Gewinner des 64. Europäischen Schulwettbewerbs. Der dritte Platz über 200 Euro ging an das Gymnasium Bad Essen, das ein Bild gefertigt hatte, in dem Bilder europäischer Geschichte die Grenzen des Kontinents umrahmen. Den zweiten Platz über 300 Euro belegten die Sozialpädagogik- und Sprachförderklassen des Berufsschulzentrums am Westerberg. Sie gestalteten einen Baum aus Puzzlestücken, auf dem Flüchtlinge ihre Eindrücke von Deutschland festhielten. Der erste Platz über 500 Euro ging an Leon Aschemann (17) von der Angelaschule, der im Rahmen seiner Seminararbeit eine Frage-und-Antwort-Spiel über Europa entworfen hatte.


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