Gute Stimmung und viel gelernt Mit Kindern entspannter durch den Hagener Alltag


Hagen. „Quark & Co. – mit Kindern entspannter durch den Alltag“, hieß ein Vortrag, den Antje Dangschat bei der Eltern-Kind-Gruppe in der Christopherus-Kita in Hagen hielt. Die Kita leitet Manuela Krampf und begleitet Karin Möller von der Katholische Erwachsenenbildung Osnabrück (KEB).

Die Sinne der Eltern schärfen, wollte die Ergotherapeutin und Systemische Beraterin Antje Dangschat bei ihrem Besuch der Eltern-Kind-Gruppe in Hagen. Denn ihr Ziel war: „Dass die Erwachsenen eine andere innere Haltung bekommen, andere Prioritäten setzen und ihre Kinder anderes sehen“, erklärte Dangschat.

Alle sieben Sinne

Kinder lernten vor allem in Alltagshandlungen, erklärte Dangschat den anwesenden Müttern und Leiterinnen von Kita- und/oder Eltern-Kind-Gruppen. Daher wollte sie zunächst wissen, was zum Alltag der Kinder gehört. Und die Mütter zählten auf: spielen, bewegen, essen, schlafen, die Welt entdecken, kuscheln und schaukeln. Da zudem Kinder „mit allen Sinnen“ lernen, aber viele Erwachsene selbst nicht alle sieben Sinne auf Anhieb nennen könnten, machte Dangschat mit ihren Zuhörerinnen nun den Test.

Im Turnraum der Kita forderte sie diese auf, sich jeweils an das entsprechende Körperteil zu fassen, und rief dann: „Sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen, sich aufrecht halten und spüren.“ Die Augen und Ohren, der Mund und die Nase sowie die Haut als Organ des Fühlens waren schnell definiert. „Sich aufrecht halten bezieht sich auf das Gleichgewichtsorgan, die Schnecke im Ohr“, erklärte Dangschat und betonte: „Spüren ist nicht dasselbe wie fühlen.“ Sinnesorgan des Fühlens sei die Haut, und das des Spürens sei der Muskelapparat, also Muskeln, Sehnen und Gelenke.

Mit dem Körper lernen

Als Nächstes konnten alle Frauen mithilfe von verschieden großen und schweren Bällen selbst nachvollziehen, was Kinder anhand ihres Muskelapparates durch Bewegen und Fühlen lernen können: zum Beispiel die Größe eines Gegenstandes im Vergleich zum eigenen Körper erfassen sowie Gewicht und Festigkeit definieren.

„Die Informationen bekommen wir durch die Sinne, aber unserer Wahrnehmung ist das, was das Gehirn aus diesen Informationen macht“, erläuterte Dangschat. Und die Frauen in der Christopherus-Kita machten bei den nächsten Übungen schnell die Erfahrung: Das Auge kann uns täuschen. „Deshalb sind Erfahrung und Bewegung wichtig: Kinder müssen sich viel bewegen und alles anfassen, weil sie die Dinge noch nicht mit den Augen erfassen können“, so Dangschat: „Der Körper lehrt das Auge sehen, wie die Welt ist.“

Praxis und Theorie

Die Hagenerinnen wiederum lernten, dass Bewegung und das „bewusste Erfahren des Körpers“ nicht nur für die körperliche Entwicklung von Kindern wichtig ist: „Räumliche Orientierung erarbeiten sich Kinder über den Körper, Gucken reicht nicht“, so Dangschat. Die Buchstaben „d, b, q und p“ hätten beispielsweise die gleiche Form und seien daher für Kinder schwer auseinanderzuhalten. Alleine die Richtung mache den Unterschied. Und wie sich Richtungen unterschieden, würden Kinder beispielsweise durch hochklettern und springen lernen.

„Das, was wir beim Aufkommen auf dem Boden spüren, merken sich Kinder“, erklärte Dangschat und verdeutlichte durch das Springen vom nächsten Stuhl, was sie meinte. Krampf wiederum berichtete, wie einem Kind das Schreiben des Buchstabens „s“ leichter fiel, nachdem es mit einem Bobycar viele Kurven gefahren war und so die richtige Bewegung mit dem ganzen Körper erlebt habe.

Aha-Erlebnis

Am Ende des Abends zeigten sich die Mütter gebührend beeindruckt, von dem, was ihre Kinder alles schon konnten: Alleine ruhig stehen zu können, sei zum Beispiel „eine Monsterleistung“. Eine Mutter stellte fest: „Mein Kind klettert immer überall rauf und will runter springen, das finde ich eigentlich nicht so toll.“ Doch nach diesem Abend wisse sie, wofür das gut sei. Und eine andere gab den Tipp: „Wenn meine Kinder vom Sofa springen, dann lege ich einen Sitzsack davor, dann fallen sie weich.“ Dangschat ergänzte: „Wenn ich etwas nicht will, suche ich nach einer Alternative, damit das Kind eine bestimmte Erfahrung trotzdem machen kann.“


Die Katholische Erwachsenenbildung Osnabrück (KEB) unterstützt Eltern-Kind-Gruppe wie diese der katholischen Kirchengemeinde in Hagen, die regelmäßig Veranstaltungen für Familien und insbesondere Eltern organisiert. Weitere Informationen im Internet unter https://www.keb-os.de/Page/Detail.aspx?id=12477 oder telefonisch unter 0541/35868-79.

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