Sänger trifft Slammer Kleinkunstabend „Musik trifft Wort“ im Hagener Zeitlos


Hagen. Der eine ist ein junger Musiker, der andere ein erfahrener Wortakrobat: Unter dem Titel „Musik trifft Wort“ kamen Singer/Songwriter Christian Falk und Poetry Slammer Achim Leufker im Hagener Zeitlos zusammen und boten einen so kontrastreichen wie unterhaltsamen Abend.

Organisiert wurde der Abend von Michael, Karin und Fabian Meldau, die unter dem Titel „Bock auf...“ regelmäßig Konzerte in Hagen veranstalten. Ursprünglich hatte die Familie auch ein Konzert mit dem Bremer Musiker Christian Falk durchführen wollen. Angesichts der eher schwermütigen Natur von Falks Liedern kam ihnen die Idee, zusätzlich Poetry Slammer Achim Leufker einzuladen, dessen humoristische Qualitäten Michael Meldau bei Auftritten in der Osnabrücker Lagerhalle kennengelernt hatte: „Die Leute wollen ja auch unterhalten werden.“ Geboren war das Format „Musik trifft Wort“.

Familiäres Leid

Abwechselnd trugen die beiden Künstler ihre Texte beziehungsweise Lieder vor. Den Anfang machte Leufker, der in seinen an Stand-Up-Comedy erinnernden Slams sein hartes Los als Ehemann und Vater beklagte. Während er seine Frau einfach nur nicht versteht, gehen die Konflikte mit seiner Tochter tiefer: „Sie ist beängstigender als Nordkorea.“ Schon im Kindergarten sei sie in der Godzilla-Gruppe gewesen und beim Versteckspielen habe er sie zur Entspannung einfach mal ein paar Stunden nicht gefunden.

Böse Sprüche

Daneben beschäftigte den 56-jährigen Rheinenser vor allem das Alter. Dass man alt werde, merke man unter anderem daran, dass die Leute einem zu den neuen Krokodillederschuhen gratulieren, obwohl man barfuß ist. Mit dem Vorschlag seiner Frau, Sport zu machen, um fit zu bleiben, kann sich Leufker aber auch nicht anfreunden. Keine Sportart sagt ihm zu. Schwimmen etwa sei gar kein Sport, sondern „ein Weg sich vor dem Ertrinken zu retten“. Das Publikum johlte bei Leufkers von Wortspielen geprägten Texten, die brüllend komisch und oft auch herrlich böse waren, darunter Sprüche wie „Kinder sind wie Lavalampen: Lustig anzuschauen, aber nicht besonders helle“.

Beruf: Melancholiker

Der Bremer Musiker Christian Falk bildete mit seinen nachdenklichen Liedern den größtmöglichen Kontrast zu Leufkers Texten. „Ich bin hauptberuflich ein melancholischer deutschsprachiger Singer/Songwriter“, erklärte der 29-Jährige, „deshalb bin ich berufsbedingt sehr viel traurig.“ Falks Akustiklieder sind manchmal düster und reduziert, dann wieder laut und stürmisch. In „Immer die Anderen“ etwa setzt er sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinander, in „Europa“ singt er gegen die Arroganz der Mächtigen an. Besonders bewegend war „Salzwasser“, in dem Falk über den Tod des Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi singt. Mit „Farbe“ hatte er aber tatsächlich auch ein fröhliches und leichtfüßiges Stück im Programm.

Spaß auf und vor der Bühne

Auch wenn nur etwa 30 Zuschauer ins Zeitlos kamen, das Publikum fand sichtlich Gefallen an Leufkers Komik und Falks vielseitigen Liedern. Aber auch die Künstler selbst schienen ihren Auftritt zu genießen – so trat Leufker erst nach einer Zugabe und zwei „Betthupferln“ ab. Einen Tipp für den Heimweg hatte er natürlich auch: „Bestellen Sie beim Pizzabringdienst um die Ecke eine kleine Margherita zu sich nach Hause und fahren Sie einfach mit.“


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