Vortrag von Dua Zeitun KAB Hagen diskutiert über Rolle der Frau im Islam

Von Danica Pieper

Dua Zeitun sprach im Hagener Pfarrheim über die Rolle der Frau im Islam. Foto: Danica PieperDua Zeitun sprach im Hagener Pfarrheim über die Rolle der Frau im Islam. Foto: Danica Pieper

Hagen. Auf Einladung der Hagener KAB sprach Dua Zeitun im Pfarrheim über die Rolle der Frau im Islam. Die Projektreferentin für interreligiösen Dialog erklärte die Hintergründe der Verschleierung und wandte sich deutlich gegen religiösen Extremismus.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Hagener KAB mit Katrin Großmann vom Generalvikariat Osnabrück eine Bildungsveranstaltung zum Thema Islam durchgeführt. Einige Fragen seien jedoch noch offen geblieben, erklärte der Vorsitzende Rainer Apke – vor allem, was die Rolle der Frau im Islam betrifft. Großmann empfahl der KAB daraufhin, Kontakt zu Dua Zeitun aufzunehmen. Zeitun arbeitet an der Katholischen Landvolkhochschule in Oesede als Projektreferentin für interreligiösen Dialog, studiert islamische Theologie in Osnabrück und sucht den Kontakt zu muslimischen Jugendlichen, um einer Radikalisierung entgegenzuwirken. Zeitun ist gebürtige Aachenerin, ihre Eltern kamen aus Syrien nach Deutschland.

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Kopftuch tragen ist Gebot

Zunächst sprach Zeitun über die fünf Säulen des Islam: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten im Ramadan, die Armensteuer und die Pilgerreise nach Mekka. „Sie sehen, das Kopftuch gehört nicht dazu“, meinte Zeitun. Grundlage für das Tragen des Kopftuchs bildet Sure 24, Vers 31. Dort heißt es unter anderem, dass Frauen ihren Schmuck nicht offen zeigen sollen. Unter den Gelehrten sei es Konsens, dass dies bedeute, dass Frauen ihre Haare bedecken sollen. „Das ist ein Gebot“, erklärte Zeitun. Nichtsdestotrotz müsse das Tragen des Kopftuchs aus freien Stücken geschehen. Und: „Wenn eine muslimische Frau kein Kopftuch trägt, ist sie trotzdem Muslima“, meinte Zeitun. Es sei Mainstream im Islam, dass Gesicht, Hände und Füße gezeigt werden dürften. Für eine Vollverschleierung gebe es keine theologische Grundlage.

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Thema Extremismus

Ursprünglich hatte Zeitun auch über Speisevorschriften sprechen wollen, die Diskussion driftete jedoch schnell in Richtung Islamismus. Ein kleiner Teil der etwa 40 Besucher konfrontierte die Referentin wiederholt mit Themen wie Zwangsheirat oder so genannten „Ehrenmorden“. Zeitun erklärte, dass dies keine islamischen Phänomene seien. Kinderehen etwa gebe es auch in bildungsfernen, nicht-islamischen Gesellschaften: „Es ist eine Mentalität, eine Kultur“, so die Referentin. Auch die Vorstellung, dass Terroristen im Paradies mit Jungfrauen belohnt werden, habe mit dem Islam nichts zu tun: „Die Gelehrten lehnen das ab.“ Zeitun kritisierte, dass in den Medien vor allem extremistische Strömungen im Mittelpunkt stehen. Die Mehrheit der Muslime sei gemäßigt und gerade bei den Jüngeren gebe es viele, die sich für einen Dialog der Religionen einsetzten: „Sie verdienen es, gehört zu werden.“

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Frauenbild in der Entwicklung

Das Frauenbild im Islam sei in der Entwicklung, erklärte Zeitun. Liberale Strömungen seien jedoch in der Minderheit, weshalb es auf absehbare Zeit keine weiblichen Imame geben werde: „Da sind wir katholisch“, meinte sie augenzwinkernd. Zum Abschluss der zweistündigen Veranstaltung plädierte Zeitun dafür, dass sie sowohl die Geschlechter als auch die Religionen auf Augenhöhe begegnen. Dem konnte das Publikum nur zustimmen.

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