Erinnerung an Hindernisse Vor 40 Jahren bekam Hagen eine neue Kirche

Von Werner Barthel

<em>Auch nach 40 Jahren noch Hand in Hand:</em> Josef Ahrens, Peter Gausmann, Bernt Droste und Hubert Große Kracht. Foto: Egmont SeilerAuch nach 40 Jahren noch Hand in Hand: Josef Ahrens, Peter Gausmann, Bernt Droste und Hubert Große Kracht. Foto: Egmont Seiler

Hagen. Dass Bürgermeister und Architekt sich wegen des Baus einer Kirche vor Gericht verantworten mussten, gehört mit zu den Episoden, die sich um den Neubau der Hagener Martinuskirche vor 40 Jahren ranken.

Lebendig wurde dieses bedeutungsschwere Geschehen bei einem Treffen der Verantwortlichen aus Kirche, Politik und Wirtschaft, die 1972 das Aussehen der neuen Kirche geprägt haben und gleichzeitig das Schicksal der ehemaligen Kirche besiegelten. Diese Zusammenkunft gehörte zu einer Reihe von Terminen, an denen die Feier zum 40-jährigen Bestehen der Martinuskirche vorbereitet werden soll.

Hubert Große Kracht war vor 40 Jahren Bürgermeister in Hagen. Der 88-Jährige erinnerte sich noch sehr genau: „Schicksal der alten, zu klein gewordenen Kirche und Neubau der neuen gehörten damals wie heute eng zusammen.“ Obwohl Beschaffenheit und beschränktes Platzangebot der ehemaligen dringenden Handlungsbedarf signalisierten, war der Neubau lange Zeit umstritten. „Dabei ging es in erster Linie um das Schicksal der alten Kirche“, sagt Hubert Große Kracht, „die Vorstellungen der Hagener reichten von Totalabriss - wegen eines dringend erforderlichen Parkplatzes - bis zum Teilabriss, bei dem nur der Turm stehen bleiben sollte.“

Dass es ganz anders kam, ist vor allem einigen nachdenklichen und hartnäckigen Hagenern zu verdanken -und der Firma Diekmann, so Altbürgermeister Große Kracht. „Obwohl er von mir bereits den Auftrag zum Totalabriss bekommen hatten, zu dem der Rat sich nach langem Hin und Her durchgerungen hatte, verschleppte Reinhold Höcker von der Firma Diekmann die ihm übertragene Aufgabe mehrere Tage, bis die angesprochene Minderheit sich endgültig durchgesetzt und den Ratsbeschluss kippen konnte.“ Die ehemalige Kirche blieb erhalten und konnte sich im Lauf der vergangenen Jahre nach umfassender Renovierung zu einem kulturellen Mittelpunkt für Konzerte und Ausstellungen entwickeln.

Als dieses Problem endlich aus der Welt war, nahm man zügig den Neubau in Angriff. Aber kaum war der erste Spatenstich im Jahr 1972 getan, stand den Verantwortlichen neuer Ärger ins Haus: Sowohl Bürgermeister Große Kracht als auch Architekt Bernt Droste mussten sich vor Gericht verantworten. Ihr Vergehen: Ein übereifriger Dorfpolizist hatte festgestellt, dass der Neubau mehrere Tage zu früh begonnen worden war. „Es kam tatsächlich zu einer rechtskräftigen Verurteilung“, erzählt der 86-jährige Kirchbauspezialist Droste, „die Gemeinde Hagen musste 400 DM Strafe zahlen, ich als Hauptverantwortlicher 800 DM.“

Architekt, Bürgermeister und Pastor sieht man nach wie vor den Stolz an, wenn sie von dem gelungenen Bauwerk sprechen. Für Droste war es damals wichtig, im Kirchneubau die hügelige Landschaft am Fuße des Borgbergs zu spiegeln, „die Landschaft aufzunehmen und jederzeit gegenwärtig zu machen“. Für Pastor Josef Ahrens ist es die räumliche Gestaltung, die einen Ort vielfältiger Begegnung ermöglicht. Erinnert wurde in diesem Kreis an die Worte von Bischof Helmut Hermann Wittler, dessen Worte nach der Einweihung der Kirche allen in lebhafter Erinnerung sind: „Wenn ich nicht Bischof wäre, würde ich Pastor in dieser Kirche sein wollen.“

Im Lauf der zurückliegenden 40 Jahre hat der Zahn der Zeit so manche Renovierungsarbeit erforderlich gemacht. So musste bereits nach wenigen Jahren die Bedachung erneuert werden. „Vor sechs Jahren haben wir eine Beschallungsanlage einbauen lassen, die uns eine hervorragende Akustik beschert hat“, zählt Pastor Ahrens auf. Auch der „Unterbau der Kirche“, der Treffpunkt also, ist völlig neu konzipiert und nach modernen Gesichtspunkten von Architektur und Technik umgestaltet worden. „So wie Leben sich verändert und entwickelt, soll auch die Kirche ihr Aussehen ständig erneuern“, sagt Pastor Ahrens, „deswegen sind wir weit davon entfernt, die Hände in den Schoß zu legen.“ Dem ist nur noch hinzufügen, dass augenblicklich die Beleuchtung in der Martinuskirche ausgetauscht wird. Das geschieht in drei Bauabschnitten. Die ersten beiden sind bereits abgeschlossen. Bliebe nur noch zu klären, wo die vier Modelle geblieben sind, die die Architekten, die am Ausschussverfahren beteiligt waren, seinerzeit anfertigten. Der Kirchenausschuss zur Vorbereitung des Kirchenjubiläums würde sie gar zu gern der staunenden Nachwelt präsentieren. Bislang sind alle Spuren im Sande verlaufen.


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