Küsse für die Tanten Plattdeutsches Theater der Kolpingsfamilie Hagen

Zum Fototermin haben sich fast alle Mitspieler während einer Probe auf der Bühne im Gasthaus Stock versammelt. Eine willkommene Pause zu dem turbulenten Geschehen, in das sie ständig eingebunden sind. Ganz rechts steht Spielleiterin Elisabeth Schönhoff. Foto: Werner BarthelZum Fototermin haben sich fast alle Mitspieler während einer Probe auf der Bühne im Gasthaus Stock versammelt. Eine willkommene Pause zu dem turbulenten Geschehen, in das sie ständig eingebunden sind. Ganz rechts steht Spielleiterin Elisabeth Schönhoff. Foto: Werner Barthel

Hagen. Eine gute Nachricht für alle, die es gar nicht abwarten können, die Theatergruppe der Hagener Kolpingsfamilie wieder in Aktion zu erleben: Seit Anfang Oktober probt sie den nächsten plattdeutschen Schwank. Premiere ist am 7. Januar 2017, der Kartenvorverkauf beginnt am Nikolaustag.

Der Titel: „Söüte för de Tanten“. Was hochdeutsch in diesem Fall „Küsse für die Tanten“ bedeutet, verspricht einen Theaterabend mit unterhaltsamen Szenen.

Probenanspannung und Vorfreude

Anspannung und Konzentration sind bei der Probe an diesem Dienstagabend fast mit den Händen greifbar. Gerade setzen sich die Mitglieder der Theatergruppe der Hagener Kolpingfamilie mit einer Schlüsselszene aus dem dritten Akt auseinander. Einige direkt beteiligte Spieler haben sich um einen Tisch versammelt. Sie diskutieren Auswirkungen und turbulente Geschehen der letzten Tage. Die anderen, die später dazu stoßen, sitzen oder stehen links und rechts der Bühne und warten ungeduldig, in den Text vertieft und nervös mit dem Fuß wippend, auf ihren Einsatz. Einzig ruhender Pol scheint Spielleiterin Elisabeth Schönhoff zu sein.

Lachend ledig leben

Es wird wieder viel zu lachen geben bei dieser Komödie von Erika Elisa Karg, die von Heino Buerhoop ins Plattdeutsche übersetzt wurde. Drei Tanten stehen im Mittelpunkt. Sie als absolut gestrig zu bezeichnen, wäre eine glatte Untertreibung. „Sie führen ein sparsames Leben“, verrät Elisabeth Schönhoff, „und sind aus Überzeugung ledig.“ Einziger Höhepunkt in ihrem eintönigen Dasein sind die Semesterferien an den Unis und Hochschulen. Dann besucht sie ihr heiß geliebter Neffe Timo.

Verhängnisvolle Feuerstühle

Als dieser endlich erscheint, verschlägt es seinen Tanten den Atem: Er hat erstmalig Freundin Heike im Schlepptau. Beide sind mit ihren Motorrädern angereist. Was die Tanten allerdings nicht wissen dürfen. Sicherheitshalber stellen sie die Maschinen im Schuppen von Nachbar Fritz ab. Nichtahnend, dass damit Unheil und Chaos ihren Lauf nehmen.

Eine Spur Krimi

Für die drei Tanten, ohnehin schon um Fassung ringend, droht eine Welt zusammen zu brechen. Werden Heike und Timo doch bald verdächtigt, die beiden Bösewichter zu sein, die mit ihren Motorrädern die hiesige Bank ausgeraubt haben. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die folgenden urkomischen Verwicklungen mit all den obligatorischen Missverständnissen auszumalen. So erhält der zum Schreien komische Schwank noch den Touch einer Kriminalkomödie.

Hochdeutsch erst im Kindergarten

Zehn Personen sind diesmal beteiligt. Die meisten von ihnen stehen schon seit Jahren auf der Bühne im Saal von Stocks Gasthaus, wo auch alle Aufführungen stattfinden. Plattdeutsch ist ihnen gewissermaßen mit in die Wiege gelegt worden. Denn Plattdeutsch war den bewährten Mitstreitern wie Albert Schönhoff, Monika Börger oder Werner Kemper auch Muttersprache. Erst im Kindergarten und Schule lernten sie, hochdeutsch zu sprechen.

Mühsam die Familientradition erhalten

Von solchen Voraussetzungen können Ricarda Ehrenbrink und Bruder Raphael nur träumen. „Wir setzen zwar eine Familientradition fort, da Vater und Großvater in dieser Truppe bereits mitspielten“, erzählt Ricarda, die in diesem Jahr ihr Bühnendebüt gibt, „aber im Unterschied zu ihnen mussten wir die plattdeutsche Sprache erst lernen.“ Folglich suchten sie Hilfe bei Gretel Koopmann, die ebenfalls lange Jahre die Theatergruppe verstärkt hatte. Mindestens einmal pro Woche hocken die Drei dann zusammen und lernen die plattdeutschen Rollen der Geschwister Ehrenbrink. Zusätzlich zu den zwei wöchentlichen Proben.

Während ihnen aus Liebe zum plattdeutschen Spiel kein Opfer zu groß erscheint, stoßen andere genau an diesem Punkt an ihre Grenzen. Elisabeth Schönhoff: „Viele würden gern mitmachen, führen aber vielfältige Belastungen als Grund für ihre Absage ins Feld und sagen ab. Nur gut, dass es immer wieder Nachwuchskräfte wie die Ehrenbrinks gibt, die helfen, die Lücken zu stopfen.“


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