Für alte und notleidende Menschen Thuiner Schwestern wirken seit 110 Jahren in Hagen

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Hagen. Mit einem Erinnerungsstein auf dem Martinusfriedhof will die katholische Kirchengemeinde dem Wirken der Thuiner Franziskanerinnen in Hagen gedenken. Die Geschichte des St. Anna-Stifts ist eng mit der Arbeit der Ordensschwestern verbunden. Am Sonntag soll der Stein nach einem Dankgottesdienst gesegnet werden.

Man schrieb das Jahr 1906 und Pfarrer Antonius Tappehorn wandte sich in seiner Not an die Mutter Oberin der Kongregation in Thuine. Die ursprünglich vom Kirchenvorstand gefassten Pläne, in Hagen ein Krankenhaus errichten zu wollen, waren am finanziellen Aufwand gescheitert, doch die Frage nach der Versorgung der alten, notleidenden Menschen des Kirchspiels blieb weiter offen. Man wolle, so der Pfarrer, eine ambulante Station einrichten, die diese Aufgabe übernähme und bat die Oberin um die Entsendung einiger Schwestern des Ordens.

Ordensfrauen im Wirtshaus

„Als Unterkunft für sie hatte man Räume bei der Witwe Anna Stock in der Dorfstraße gefunden, einem Wirtshaus. Darüber war die Oberin zunächst nicht glücklich, schickte dann aber doch drei Ordensschwestern“, berichtet Karl Große Kracht, Kuratoriumsvorsitzender des St. Anna-Stifts. Der eben erst pensionierte Leiter der Angelaschule in Osnabrück hat einen Stapel Unterlagen und Dokumente auf dem Tisch liegen, die Grundlage für eine Denkschrift über die Geschichte des Anna-Stifts und der dort tätigen Thuiner Franziskanerinnen sind.

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Krankenhaus-Hoffnungen zerschlagen

Das Projekt Krankenhaus hatten die damaligen Gründerväter nach Ankunft der Schwestern erst einmal in eine Warteschleife gelegt. „Die Ordensfrauen hatten kräftig zu tun“, so Große Kracht, da sie Patienten in der Ober- und der Niedermark zu versorgen hatten. Bischof Hubertus Voß, der 1910 zu einem Firmbesuch in Hagen weilte, hatte zwar seine Hoffnung darüber ausgedrückt, sie ihre Tätigkeit bald in einem Krankenhaus ausüben zu sehen, doch spätestens der Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 machte dies erst einmal zunichte.

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Von der Kneipe zum St. Anna-Stift

1925 endete dann das „Provisorium in der Kneipe“, wie Große Kracht es nennt. Die Nonnen bezogen ein Schwesternhaus an der Natruper Straße. Seinen Namen erhielt es nach der Schutzheiligen und Patronin der Anna Stock und ist als St. Anna-Stift noch heute eine Institution im Ort. Obwohl eigentlich als Schwesternhaus gedacht nahmen die Thuiner Schwestern dort alte Leute auf und pflegten sie. Zehn Jahre später kam der erste Anbau, und nach Kriegsende wurde es „sozusagen hintenrum zum Krankenhaus“, was es 1948 dann auch offiziell wurde.

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Engagierte Schwestern

Aus den anfangs drei Ordensschwestern wurden in den 1960er Jahren 14, die sich im Krankenhaus um Patienten, aber auch im Kindergarten als Leiterinnen oder als Seelsorgehelferinnen in der Gemeindearbeit hervortaten. Noch heute sind vielen Hagenern die Namen der Thuiner Schwestern Limperta und Lucretia bekannt. Kaum jemand, der ihnen nicht als Patient im Krankenhaus oder beim Besuch von Verwandten im Altenheim begegnet ist. Einer Gesetzesänderung folgend erfuhr das Krankenhaus Ende der 1970er Jahre eine Nutzungsänderung und wurde 1981 als Altenheim eingeweiht. Gleichzeitig feierte man das Jubiläum 75 Jahre Thuiner Schwestern in Hagen.

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Ein Denkmal für selbstloses Wirken

„Sie sind seit mehr als 100 Jahren hier präsent, waren immer hoch angesehen“, weiß nicht nur Karl Große Kracht. Noch wirken Ordensfrauen in Hagen, Peregrina und Johanna Maria und seit Donnerstag Schwester Hildeburg, die neu eingetroffen ist. Kirchengemeinde, das Kuratorium des St. Anna-Stifts, der Heimatverein und andere haben sich nun dafür stark gemacht, den Thuiner Ordensfrauen für ihr selbstloses Wirken einen Erinnerungsstein zu setzen. Das wird am Sonntag nach einem Dankgottesdienst in der Martinuskirche auf dem Friedhof an der Grabstelle Lucretia und Limperta geschehen.


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