Weinbruderschaft Fünf Mediziner und ein Psychologe bauen in Hagen Wein an


Hagen. Schönes Wetter, gemeinsames Grillen und ein edler Tropfen Weißwein – das dachten sich auch fünf Kinderärzte und ein Psychologe aus Osnabrück, die am Rande von Hagen ihren eigenen Wein anbauen. Seit mehr als zwölf Jahren betreiben die Akademiker ihr ungewöhnliches Hobby und freuen sich in diesem Jahr über die besonders gute Ernte.

„Immer nur arbeiten darf nicht sein, wir müssen auch mal was Schönes machen“, sagte Frank Brewe vor mehr als zwölf Jahren zu seinen Kollegen am Kinderhospital Osnabrück. Kurzerhand entschloss sich der Mediziner gemeinsam mit seinen Freunden, eine Pferdewiese am Rande von Hagen zu pachten, um selbst Wein anzubauen – für den Eigenbedarf, versteht sich.

Dass es sich dabei keinesfalls um eine Schnapsidee handelt, lässt sich mit Blick auf die 0,2 Hektar große Anbaufläche schnell feststellen. Die Hobby-Winzer betreiben den Weinanbau höchst professionell und erledigen jeden Arbeitsschritt selbst, auch wenn in den Anfangsjahren nicht alles reibungslos lief, wie Stephan Theiling zu erkennen gibt. „Ehrlich gesagt hatten wir anfangs keine Idee, was uns wirklich erwartet. Keiner von uns hatte vorher mit dem Weinanbau etwas zu tun“, so der Psychologe.

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Weinanbau aus Leidenschaft

Davon ließen sich die Mediziner nicht abschrecken, zogen zunächst einen Zaun um die Wiese und setzten erste Jährlinge ein, um verschiedene Reben zu züchten. Mehrere Jahre wuchsen und gediehen die Pflanzen fortan, bis 2009 der erste Tropfen hergestellt werden konnte. Auch wenn das erhoffte Ergebnis („Das schmeckt ja wie Katzenpipi“) zunächst nicht überzeugen konnte, gaben die sechs Männer keineswegs auf. „Am Anfang haben wir sehr viele Fehler gemacht, aber auch sehr viel gelernt“, so Stephan Theiling.

Mit Unterstützung eines befreundeten Winzers, der an der Mosel sein Handwerk ausübt, wurde der Weinanbau zunehmend professionalisiert und mit viel Leidenschaft und angereichter Expertise zu einem wahren Erfolg. In diesem Jahr konnten die passionierten Weintrinker erstmals mehr als 1,2 Tonnen an Ernte einfahren und voraussichtlich zwischen 800 und 1000 Flaschen Wein für den Eigenbedarf gewinnen.

Unterstützung der ganzen Familie

Angebaut werden vor allem Riesling-verwandte Tropfen wie Solaris oder Phoenix, was unter anderem auf die klimatischen Bedingungen zurückzuführen ist. Dabei beginnt mit der Ernte Anfang Oktober die eigentliche Arbeit erst richtig, bis im Frühjahr des kommenden Jahres der gewonnene Wein abgefüllt werden kann. Alleine die Hauptphase des Gärprozesses nimmt gut zwei Wochen in Anspruch. „Eigentlich war der Weinanbau eine verrückte Idee. Wir nehmen uns gerne Mal auf die Schippe. Nichtsdestotrotz haben wir auch den Anspruch professionell zu sein“, sagt Frank Brewe und schmunzelt.

Dass der Weinanbau mehr ist als nur Zeitvertreib und Ausgleich vom stressigen Arbeitsalltag zeigt sich auch an der Vereinsstruktur der „Weinbruderschaft St. Martinus zu Hagen “, wie sich die sechs Hobby-Winzer selbst bezeichnen. Einmal monatlich treffen sich die sechs Mitglieder um bei einem Gläschen Weißwein gemeinsame Wochenenden oder Erntefeste zu organisieren oder um alle zwei Jahre ein Weinfest zu veranstalten, zu dem Freunde, Familien und Verwandte herzlich eingeladen werden.

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