Innere Funke sprang über Martinus-Chor Hagen glänzte mit geistlicher Musik

Von Frank Muscheid

Stimmgewaltig und detailverliebt präsentierte sich der Martinus-Chor in Hagen. Foto: Frank MuscheidStimmgewaltig und detailverliebt präsentierte sich der Martinus-Chor in Hagen. Foto: Frank Muscheid

Hagen. In Top-Form dem Publikum in der Ehemaligen Kirche präsentiert hat sich der Martinus-Chor bei seinem Sonntagskonzert. Populäre geistliche Musik in Vollendung gaben Chorleiter Josef Berger und seine grandiosen Sängerinnen und Sänger.

„Drum singe, wem Gesang gegeben“ heißt es auf der Website des Chors mit 79 aktiven Mitgliedern. Das taten sie – meist nach den genialen Chorsätzen von Berger, die Klassikern der geistlichen Musik ein zusätzliches Moment durch den mächtigen Chorkörper gaben. Und dabei auch noch so feine Details mit allen Mitteln geübter Stimmkraft herausarbeiteten. Viel Arbeit steckte hörbar in den zwölf mal ruhig treibenden, mal vorwärts stürmenden Werken. Und ganz viel Spaß.

Tongewordene Euphorie

„Freut euch alle“ von Johann-Sebastian Bach in der Bearbeitung von Ulrich Zimmer eröffnete programmatisch den vor Euphorie sprühenden Konzert-Reigen. Schon hier bestach die präszise Rhythmusarbeit und die Fähigkeit, sich notengenau eine kontinuierliche Steigerung bis ins Finale zu erarbeiten. Josef Berger begeisterte durch fantastische Pianobegleitung und Übergänge, die Chor und Zuhörerschaft ein Atemholen verschafften. Berger als Taktgeber an den Tasten statt am Taktstock, das funktionierte wunderbar.

Klaviatur der Steigerung

„Nimm mich in deine Arme, o Herr“ transportierte grandios die kontemplative Tiefe des ursprünglichen Gebets von Ignatius von Loyola. Es schwebte im Chorsatz von Berger zwischen Sopran, Alt, Tenor und Bass – schwer, aber auch fließend und fliegend. „Jerusalem“ von Naomi Schemer war ein perfektes Beispiel, wie es dem Martinus-Chor immer wieder gelang, aus einem pointierten, feinen Pianoeinstieg heraus eine strikte Dramaturgie bis zum letzten Ton durchzuhalten – prägnant, hochmelodisch und aufeinander eingesungen. „Niemand als du Herr“ von Andy Park ging sanft aber stetig voran, mit sich mit- und gegeneinander dynamisch vervollständigenden Gesangsthemen. Alle Teile des Chors fungierten als perfekte kontrapunktische Echos. „Du bist erhoben“ von Twila Paris und „Jesus dein Licht“ von Graham Kendrick setzten diese abwechslungsreiche Gefühls-Achterbahnfahrt zwischen geborgenem Dahintreiben und unbändiger Energie fort.

Geistlich, tragend und beschwingt

Besonderer Höhepunkt war das zweisprachig gesungene „Ich verherrliche meinen Gott“ oder „Budem prasdnowatj“, das mit russischem Herzschlag schnell zum Mitklatschen bis ins frenetische Finale anregte. Ein schöner Kontrast zu der sehr majestätisch-feierlichen Musik war dann das beschwingte „Zirkuslied“, dass mit Musik des Telgters Peter Jansen die Freiheit des bunten Zirkusvolkes feierte. Und mit dem „Irischen Segenswunsch“ schickte ein durchgängig triumphal aufsingender Martinus-Chor das beeindruckte Publikum auf den Heimweg. In Konzertlänge zu hören sein wird der Ausnahme-Chor wieder am 28. Dezember zum Weihnachtssingen in der St. Martinus-Kirche.


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