Heilsame Stille Hagenerin geht zum Schweigen in die Wüste

Meine Nachrichten

Um das Thema Hagen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hat „Schweigend in der Wüste“ ihre innere Unruhe besiegt – Sabine Flatau las in der „Vineria im Greenhouse“ aus ihrem gleichnamigen autobiografischen Buch. Foto: Petra PieperHat „Schweigend in der Wüste“ ihre innere Unruhe besiegt – Sabine Flatau las in der „Vineria im Greenhouse“ aus ihrem gleichnamigen autobiografischen Buch. Foto: Petra Pieper

Hagen. Sabine Flatau hatte und hat ein aufreibendes Berufsleben und ein ausfüllendes Familienleben. Die selbstständige Physiotherapeutin mit eigener Praxis fühlte irgendwann, dass es genug sei mit der ständigen Bereitschaft für andere. „Ich hatte mich selbst völlig aus dem Blick verloren, kannte meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr – es drohte der Burnout“, berichtete sie anlässlich einer Lesung aus ihrem autobiografischen Buch „Schweigend in der Wüste“.

Wie Flatau für sich die Lösung fand, erfuhren rund 30 interessierte Zuhörer in der „Vineria im Greenhouse“, wo Inhaber Thomas und Roswitha Lorenz die Gäste passend zum Thema mit einem „Wüstenteller“ bewirteten. Statt eines Eintrittsgelds wurde um eine Spende für die in Afrika tätige Organisation „Archemed –Ärzte für Kinder in Not e.V.“ gebeten.

Reden übers Schweigen

Da die Autorin bereits gute Erfahrungen mit Schweige-Wochenenden im Kloster Ohrbeck gemacht hatte, nahm sie, als sie per Zufall auf das Angebot stieß, die Herausforderung einer 14-tägigen Schweige-Reise in die Sahara an. Fast drei Stunden lang erzählte Sabine Flatau, nicht ohne schauspielerisches Talent, von den äußeren Bedingungen ihrer Abenteuerreise und ihren emotionalen Befindlichkeiten. Die Akklimatisierung im Camp, die Sicherheitsvorkehrungen gegen Sand, Sonne, Wind, Skorpione und Vipern, die Begegnung mit Dromedaren und schließlich das Bestehen der eigentlichen Schweigewoche – allein, im Einzelzelt, in einem Dünental –, das alles faszinierte die Zuhörer sehr.

Konzentration aufs Wesentliche

Es ging aber um mehr: Es war eine spirituelle Reise mit Gebet und Meditation, ein „Schweige-Retreat“, also ein Rückzug in die eigene Innerlichkeit . Ziel war es, durch den freiwilligen Verzicht auf Sprechen und durch Achtsamkeit gegen sich selbst innere Ruhe zu finden, zu erkennen, was im eigenen Leben ins Ungleichgewicht geraten ist und neue Kraft zu schöpfen. Als eine Art Katalysator kann dabei die extreme Natur der Wüste gelten, die die Besinnung auf das Wesentliche geradezu erzwingt.

Sich selbst begegnen

„Bei einem Schweige-Wochenende in Deutschland können Sie schummeln und einfach mal zwischendurch zum Einkaufen gehen“, machte Flatau den Unterschied klar, „aus der Wüste aber kommen Sie nicht weg.“ Man könne einfach nicht vor sich selbst davonlaufen, sei gezwungen, sich selbst zu begegnen. Sie habe viel nachgedacht, auch geweint und gebetet und die „unvorstellbare Schönheit der Wüstennatur“ genossen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so tief berühren würde.“

Erwartungen und Enttäuschungen

Die deutsche Reiseleiterin, ausgebildete Körpertherapeutin und Retreat-Guide, betreute jede der neun Teilnehmerinnen individuell. In den täglichen halbstündigen Einzelgesprächen bekam jede die Denkanstöße und geistigen Impulse, die ihr guttaten. Lebensthemen nennt sie Sabine Flatau. Es gab zum Beispiel einen Tag der Dankbarkeit, an dem sie sich fragte: „Wem bin ich dankbar? Auch mir selbst?“ oder einen Tag des Vergebens, an dem sie überlegte: „Kann ich mir und anderen Fehler vergeben? Sie eher als Erfahrung sehen?“ Auch mit enttäuschten Erwartungen galt es zurechtzukommen. Dass es an Ostern drei Tage mit Regen, Sturm und bedecktem Himmel gab, machte Flatau missmutig: „Ich hatte mir blauen Himmel vorgestellt.“ Letztlich wurde sie aber nach dem Unwetter mit wunderschön blühendem Ginster belohnt.

Zeit für sich

Sie habe in diesen Tagen ihr Herz wiederentdeckt, resümierte Flatau. Und das Schreiben. Die herrlichen Erinnerungen seien ihr bis heute präsent. In ihrem Alltag nehme jetzt die Kreativität größeren Raum ein, sie genieße viel häufiger mal etwas Zeit für sich. Und wenn es doch einmal zu hektisch werde, trete sie innerlich einen Schritt zurück und nehme die „Wüstenperspektive“ ein. Dann bekämen die Dinge gleich ein anderes Gewicht.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN