„Kaufhaus“ nicht nur für Eisenwaren Als es in Hagen Schrauben noch in der Kneipe gab

Von Werner Barthel

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Hagen. Vor über 100 Jahren hat Wilhelm Röwekamp am Ortsausgang Hagens in Richtung Bad Iburg seinen Eisenwarenhandel gegründet. Enkel Klemens Kleinheider hat diese Tradition bewahrt und das Angebot um Fahrräder und Rasenmäher erweitert.

In diesen Tagen beginnt für Klemens Kleinheider die Saison: Jede Menge Fahrräder und Rasenmäher warten darauf, inspiziert, repariert oder einfach nur fitgemacht zu werden. „Mein täglich Brot im Augenblick“, lacht der 60-Jährige, „ich muss aufpassen, dass ich nicht zuviel Geräte auf einmal annehme.“ Nein, über Arbeit kann der Hagener sich nicht beklagen. Seine Geschäftsstrategie hat sich ausgezahlt: „Ich verkauf nur, was ich auch reparieren kann. Und das honoriert der Kunde.“

Alles für Garten und Hobbykeller

Er verschweigt auch nicht, dass er mit zwei weiteren Vorteilen punkten kann: Sein Warenlager verfügt über jeden Artikel, den „man“ im Garten oder im Hobbykeller benötigt. Das beginnt bei Mausefalle und Holzschuhen und hört bei Handwerkszeug, Schmieröl und Schrauben noch lange nicht auf. „Der Kunde muss sich darauf verlassen können, dass er hier alles findet“, lautet sein Credo, „und wenn tatsächlich mal ein Artikel ausverkauft sein sollte, ist innerhalb kürzester Zeit Ersatz beschafft.“

Von einem anderen Vorteil hat Klemens Kleinheider früher allerdings mehr profitiert. Die Rede ist von seiner kleinen Kneipe, die er gemeinsam mit Ehefrau Bernadette betreibt. „Noch vor zehn, fünfzehn Jahren war diese Gastwirtschaft eine wahre Goldgrube“, erinnert er sich, „und das meine ich gar nicht in Bezug auf den Umsatz.“ Es war vielmehr so, dass die geöffnete Kneipe auch dann noch Kunden, auf der Suche nach irgendeinem speziellen Werkzeug, anzog, als die regulären Geschäfte längst geschlossen hatten. Und was lag da näher, als das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden? „Früher“, so räumt der Hagener Geschäftsmann ein, „ hätten es manche auch übertrieben. Da machten sich der eine oder andere für jede einzelne Schraube auf den Weg, um Geschäft und Kneipe einen Besuch abzustatten.“

Gelernt ist gelernt

Sein Metier hat er übrigens bereits zu Schulzeiten gelernt. „Mein Vater, von dem ich 1977 das Geschäft übernahm, rief mich immer dann in seine Werksatt, wenn ihm die Arbeit über den Kopf wuchs.“ Da blieb es nicht aus, dass die Zeit für Anleitung und Erklärung nicht ausreichte und Sohn Klemens sich auch an Arbeiten versuchen musste, die neben Geschick und Konzentration vor allem Fachwissen verlangten. „In so einer Situation habe ich so lange experimentiert, bis ich die Technik verstanden hatte, um die Fehlerquelle lokalisieren und beheben konnte.“

Diese Eigenschaft, so lange zu tüfteln, bis auch ein unbekannter Arbeitsvorgang durchschaut und beherrscht wurde, kam dem kaum Zwanzigjährigen zugute, als die ersten Fahrräder mit Gangschaltung auf den Markt kamen. „Mein Vater hatte mit der Reparatur dieser neuen Technik nichts am Hut.“ Kaputte Gangschaltungen gingen grundsätzlich zur Reparatur an den Hersteller zurück. „Das ließ mir aber keine Ruhe“, weiß Klemens Kleineider noch ganz genau, „ausgediente Gangschaltungen habe ich so lange immer wieder auseinander gebaut, bis ich wusste, wie sie funktionierten und welche Fehler auftreten konnten.“ In der Folgezeit ließ sein Vater ihn vornehmlich Schaltungen reparieren.

Immer genügend Taschengeld ...

Klemens Kleinheider denkt gern an diese Lehrjahre zurück. Nicht zuletzt deswegen, weil sein Vater die Hilfsleistungen großzügig honorierte. „Auf diese Weise hatte ich bereits zu Schulzeiten immer genügend Taschengeld.“ Dieser Umstand hat ihn einmal sogar aus einer brenzligen Situation gerettet. „Es muss in der siebten Klasse gewesen sein“, überlegt er, „wir konnten mal wieder vor Übermut keine Grenzen erkennen.“ Bis ein Stuhl zu Bruch ging und einen Fuß einbüßte.

„Bevor wir uns das unvermeidliche Donnerwetter beim Rektor anhören mussten, fragte ich ihn nach dem Preis für den neuen Stuhl. Er nannte ihn, ich holte die 60 Mark, die ich an diesem Tag eigentlich wegen eines Einkaufs dabei hatte, aus der Tasche und reichte ihm das Geld über den Schreibtisch. Der gute Mann war so verdattert, dass er wortlos das Geld entgegennahm.“ Erst einen Augenblick später hatte er sich so weit „erholt“, dass er den Übeltätern bedeutete, sie könnten gehen, da sie den angerichteten Schaden gutgemacht hätten.


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