„Schöne und traurige Stunden“ Ewald Lachmann trägt eigene Feuerwehrgeschichte ab

Von Frank Muscheid

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Hagen. Bis Montag soll weg sein, was Ewald Lachmann viele Jahrzehnte begleitet hat. Der Hauptfeuerwehrmann und Rentner ist am Mittwoch für den Abriss des Geräteanbaus am Feuerwehrhaus Niedermark noch einmal in den Bagger gestiegen.

Vor sieben Jahren hat der 65-jährige, der am 1. April 50-jähriges Arbeitsjubiläum feiert, die Leitung des Familienunternehmens an die vierte Generation, Sohn Thomas Lachmann, übertragen. In der Firma arbeitet auch Ewalds 56-jähriger Bruder, ebenfalls Feuerwehrmann. Ein Trio, das vor Ort „zu Not zu dritt ein Feuer löschen“ könne, sagt der Senior augenzwinkernd. Zwar sei das Baggerführen jetzt nur noch sein „Hobby“, diese Baustelle in der Görsmannstraße ließ er sich aber nicht entgehen. Schließlich saß er dort schon einmal im April 1972 an den Hebeln seines ersten Baggers. „Da haben wir das alte Feuerwehrhaus abgebrochen. Mein damaliger Feuerwehrkollege Konersmann hat mit dem Trecker den Schlauchturm aus Holz runter gezogen.“ Eine Staubwolke, „und das Ding war unten. Das untere Gebäude habe ich dann mit dem Bagger abgerissen.“ Das sei aus Klinkern gemauert gewesen: „Es war damals kein Beton drin, das ging schnell.“ Neben zwei Feuerwehrfahrzeugen beherbergte es zuvor auch einen Leichenwagen. ( Weiterlesen: Korn und Lesestoff aus dem Hagen der 70er Jahre )

Abriss mit Emotionen

Das 1919 gegründete Fuhrunternehmen übernahm Ewald Lachmann in dritter Generation von seinem heute 93-jährigen Vater. Was er jetzt mit seinem Sohn Thomas und drei weiteren Mitarbeitern, mit zwei Baggern samt Schaufel, Schneid- und Stemmgerät zerkleinert, hat nicht nur ein Dach, sondern auch viele Erinnerungen getragen. Er lernte nach dem Feuerwehr-Eintritt 1969 noch das ursprüngliche, erste Gerätehaus kennen, dann das zweite. „Jetzt darf ich nach mehr als 40 Jahren noch erleben, es abzureißen.“ Bis vor zwei Jahren war er aktiver Feuerwehrmann, jetzt ist er in der Altersabteilung. „Ich bin als Feuerwehrmann hier im Feuerwehrhaus groß geworden. Wir haben schöne Stunden drin gehabt und traurige Stunden, bei Verkehrsunfällen mit Toten etwa. Wenn man dann wiederkam, in dieses Haus ging, zusammenstand, kamen manchmal die Tränen.“ ( Weiterlesen: Niedermarker Feuerwehrhauses wird umgebaut )

Mit Feingefühl am Steuer

Das alte Haus 1972 sei leichter abzubrechen gewesen. „Diesmal achten wir darauf, den angrenzenden Wohntrakt nicht zu beschädigen“, sagt der Senior. Beim „Trennen“ sei Feingefühl wichtig und „das Umfeld im Schwenkbereich im Blick zu haben.“ Im Bagger „muss man wie ein Pilot denken“, ergänzt Sohn Thomas. Man müsse auf alle Richtungen achten, darauf, was im Erdreich sei oder etwa an Freileitungen über einem schwebe. „Rundumsicht ist beim Baggerfahren das Schwierige.“ Zuerst werde das Dach des Gebäudes eingedrückt und würden so die Stahlbetonträger freigelegt, diese mit der Abbruchschere mitsamt dem Bewehrungsstahl durchgeschnitten und zerkleinert. Nachdem der Bauschutt weggeräumt sei, „wird in den nächsten Tagen mit einem Abbruchhammer“, einem Presslufthammer am Bagger, „die Bodenplatte rausgeholt.“ Schließlich würden noch die Fundamente rausgestemmt. Zurück bleibt eine saubere Baustelle. ( Weiterlesen: Feuerwehr Niedermark zieht auf Zeit in Lagerhalle )

Mit Abbruch und Feuerwehrumzug zeigt sich Bürgermeister Peter Gausmann hoch zufrieden: „Wir wollen hoffen, dass die gesamte Bauphase hier unfallfrei abläuft und wir noch in diesem Jahr das neue Feuerwehrgerätehaus einweihen können.“

Auch, wenn Altes Neuem weicht: „Das machen wir mit Leidenschaft“, sagt Thomas. „Ich habe den ersten Bagger meines Vaters als Oldtimer zurückgekauft und restauriert.“ Der, der 1972 zum Einsatz kam, sei jetzt wieder „werksneu“.


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