Vor vier Jahren Amtsantritt Halbzeit für Hagens Bürgermeister Peter Gausmann

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Eins der erfolgreichen Projekte der Gemeinde: Bürgermeister Peter Gausmann auf dem neu gestalteten Rathausvorplatz. Ende November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.Foto: Egmon SeilerEins der erfolgreichen Projekte der Gemeinde: Bürgermeister Peter Gausmann auf dem neu gestalteten Rathausvorplatz. Ende November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.Foto: Egmon Seiler

Hagen. Er gibt, wenn es sein muss, sieben Tage in der Woche Vollgas, doch der Tank ist fast noch so voll wie zu Beginn seiner Amtszeit vor vier Jahren am ersten November: Der Ur-Hagener Peter Gausmann ist mit Begeisterung Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und hat deshalb auch mit der „Halbzeit“-Sichtweise ein kleines Problem: „Dann wäre ja nach acht Jahren Schluss, und das habe ich eigentlich nicht vor.“

Die Alltagsmühen eines Rathaus-Chefs steckt der 55-Jährige, der 2011 als parteiloser Kandidat der CDU mit rund 75 Prozent der Stimmen gewählt wurde, trotz häufig vollen Terminkalenders problemlos weg. Zum einen, weil er nach zuvor zwei Jahrzehnten als Kämmerer genau gewusst hat, dass der Job mit sich bringt, immer im Stand-by-Modus zu sein, und darauf achtet, wie früher kleine Auszeiten wie den jährlichen Ski-Kurzurlaub einzulegen. Zum anderen hat er bei all den vielen offiziellen Terminen mit wichtigen Leuten der Region nicht den Blick für die kleinen Momente verloren: „Die Highlights sind für mich immer wieder die Termine in den Kindergärten und Krippen oder im St. Anna-Stift – wenn einen die Kleinen mit ihren spontanen Antworten und Ideen verblüffen und zum Lachen bringen, oder einem pflegebedürftige alte Menschen ein Lächeln schenken.“

„Eine Erfolgsbilanz“

Dabei ist in den zurückliegenden vier Jahren in der Gemeinde einiges passiert, das hervorzuheben wäre. Gleich zu Beginn hat Gausmann die Eröffnung des Fachmarktzentrums an der Hüttenstraße vorgenommen, das sowohl als Einkaufsstandort als auch hinsichtlich der Zentrumsentwicklung für einen wichtigen Schub sorgte. Die Gemeinde ist in das Ortskernsanierungsprogramm des Landes aufgenommen worden, Kreisel und Gartencenter haben das Bild der Niedermark positiv verändert und gerade gibt es zur Neugestaltung des Rathausumfeldes eine überaus positive Resonanz. „Natürlich gelingt nie alles, aber das ist schon eine Erfolgsbilanz“, zeigt sich Gausmann denn auch voll und ganz zufrieden.

Gausmann ist in kürzester Zeit der Sprung vom Verwaltungsfachmann und zum Polit-Profi gelungen, der mit klaren Vorstellungen und Konzepten die Themen angeht und auch bei der Flüchtlingsquote Zuversicht verbreitet: „Das stellt uns vor große Herausforderungen, aber gemeinsam schaffen wir das“, ist er vom Weg der Willkommenskultur überzeugt.

Der Schlüssel für die positive Entwicklung der vergangenen Jahre ist für den Verwaltungsfachmann das „kritische aber gute Miteinander“ im Rat und das Team im Rathaus: „Wenn das Zusammenspiel auf diesen Ebenen klappt, dann stimmen auch die Ergebnisse.“ In der Politik gebe es immer wieder Punkte, bei denen hart gestritten werde. Aber am Ende sei es wie im Sport: „Nach dem Schlusspfiff ist alles vergessen, und es wird gemeinsam nach vorn geschaut.“

Gespür für Entwicklungen

Was das Geschäft für die Rats-Opposition in dieser Wahlperiode so schwierig macht: Es gibt so gut wie keine Punkte, bei denen der Amtsinhaber aufgrund seiner langen Tätigkeit in der Verwaltung sowie der Routine, die er besitzt, nicht auf dem neuesten Stand ist – und er hat ein Gespür dafür, welche Entwicklungen sich anbahnen könnten.

Kürzlich ist Gausmann zum Beispiel im Finanzausschuss nach kritischen Äußerungen von SPD-Finanzfachmann Rainer Plogmann zu den Differenzen bei den Wasserpreisen in den Ortsteilen gleich in die Offensive gegangen: „Ich weiß doch aus Erfahrung, wo der Hase lang läuft. Aber solche Gebühren-Unterschiede gibt es auch in anderen Bereichen, und mal hat die Obermark und mal die Niedermark einen Vorteil“, hat Gausmann sofort den Versuch gekontert, hier möglicherweise einen Punkt aufzubauen, mit dem im kommenden Jahr im Kommunalwahlkampf gepunktet werden könnte.

Der Rathaus-Chef strahlt in den Sitzungen Souveränität aus, hat einen Standpunkt, ist immer auf Ballhöhe und muss bei Fragen nicht zu sonst häufig üblichen Floskeln greifen wie: „Da müssen wir erst den neuen Sachstand abfragen. Die Antwort gibt es mit dem Protokoll.“ Natürlich weiß der Mann an der Gemeindespitze, dass es keine gewöhnliche Situation ist, wenn Schwiegersohn Bastian Spreckelmeyer als CDU-Fraktionschef im Rat sitzt, und CDU-Ratsfrau Ilka Pötter seine Schwägerin ist: „Da bekommt man schon mal den einen oder anderen Kommentar mit.“

Immer auf Ballhöhe

Aber familiäres Zusammenspiel ist tabu. Gausmann behandelt alle gleich. Auch Unions-Vertreter bekommen klare Antworten und Ansagen, wenn es nötig ist. So hat er in der vergangenen Ratssitzung CDU-Ratsmitglied Thomas Plogmann den Ball sofort wieder zurückgespielt, als der unter Anfragen in den Raum stellte, Bürgermeister und Verwaltung wären in einer von ihm gestellten Spielplatzfrage bisher weitgehend untätig gewesen. „Der Vorwurf verwundert mich etwas, denn ich war gestern in der Sache noch zu einem Ortstermin und habe mögliche Lösungen diskutiert“, gab der dem Obermarker Vertreter zu verstehen, dass alles korrekt abgearbeitet werde.

Gausmann hat von seiner Popularität nichts eingebüßt. Die Lästerweiber Elisabeth und Hildegard alias Karin Freese und Ulrike Leiendecker haben kürzlich bei ihrem Schlachtefest-Auftritt sogar schon über eine mögliche Gausmann-Dynastie nachgedacht. In Anspielung an das vor einigen Wochen geborene zweite Enkelkind Henry philosophierte das schlagfertige Duo drüber, dass es dem Bürgermeister hoffentlich nicht so wie der englischen Königin ergehen werde. Dort müsse Elisabeth II. ja wohl solange bleiben, bis Prinz William übernehmen könne. Gleiches könne dem Amtsinhaber drohen, wenn einmal Enkel „Heini“ die Politikkarriere einschlagen solle.

Der 55-Jährige, bei dem auch passt, dass er mit seiner Kämmerer-Vergangenheit am Weltspartag Geburtstag hat, saß im Publikum und musste schmunzeln. Er hat die Dinge im Griff. Nur für eine Frage hat er bisher keine Lösung gefunden: Mehr Zeit für Familie und Enkel zu finden.


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