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Fliegende Hunde, fliegende Bälle Hundesporttrend Flyball wird in Hagen trainiert


Hagen . Wie die Raketen flitzen große und kleine Hunde jeden Dienstag und Sonntag über die Wiese des „Jump for fun Hundesportverein Hagen a.TW. e.V.“. Behände springen sie dabei über mehrere, hintereinander aufgestellte Hürden. Und die Besitzer? Die rufen, pfeifen, laufen mit und feuern an. Was für ein rasanter Anblick und was genau ist da nur los?

Flyball nennt sich der Mannschaftssport für Hunde und Hundehalter, der in Hagen auf einem bewaldeten Areal nahe des Hüggels regelmäßig praktiziert wird. Flyball ist eine Art Staffellauf und wurde in den Siebzigerjahren in Kalifornien von Hundebesitzer Herbert Wegner erfunden. Der Amerikaner suchte nach einer Beschäftigungsmöglichkeit, die seinen arbeitsfreudigen und ballverrückten Partner mit der kalten Schnauze auslastet. Er baute die erste Flyballbox, die der Hund mit den Pfoten betätigen konnte. Dabei wurde das Wegschießen eines Balles ausgelöst den der Hund schnappen musste. Schon Bald wurde dieser Hundespaß mit Hürden ergänzt, die der Vierbeiner überwinden sollte, bevor er die Flyballbox betätigen konnte.

„Los, Hanna, lauf!“

Weiter geht’s, die Hunde scheinen es kaum abwarten zu können und bellen aufgeregt durcheinander. Alle treffen sich in den Startlöchern, vor dem Hürdenparcours. Die Französische Bulldogge Hanna soll den Anfang machen, bevor Border Terrier Gipsy, Mini Australian Shepherd Sasu, die Appenzeller-Mix-Hündinnen Xena und Jolie, Kleinspitz Fin und Labrador Timmy folgen. „Los Hanna, lauf“, ruft Herrchen Claus Müller. Seit sechs Monaten ist er beim Flyball dabei. „Für Hanna ist das das Richtige, denn sie liebt Ballspielen; unsere zweite Bulldogge macht lieber Agility“, sagt er noch und läuft dann los um Hanna wieder zurück in den Parcours zu lenken.

Nacheinander rennen die Hunde durch den 16 Meter-Hürdenparcours zur Ballmaschine. Dort treten sie mit der Pfote auf ein Brett und versuchen den hochgeschleuderten Ball zu fangen. Mit dem Objekt der Begierde im Maul geht es schnell zurück über die Hürden zu den Menschen. Nun ist der nächste Hund aus dem Team an der Reihe. Fehlerfrei und zügig müssen die Bälle durchgebracht werden, denn bei den Turnieren läuft auf dem Nachbarparcours das gegnerische Team, das es zu übertrumpfen gilt. Die Höhe der Hürden richtet sich nach dem kleinsten Hund der jeweiligen Mannschaft. Eine Flyball-Mannschaft besteht aus vier teilnehmenden und zwei Ersatzhunden, einem Ballmaschinen-Lader, dem Trainer und einem Balljungen.

Als Turniersport offiziell anerkannt

Ab Mitte der Achtzigerjahre wurde in Amerika Flyball offiziell als Turniersportart anerkannt. Die Regeln wurden verfeinert und nach und nach fand der tierische Staffellauf auch Freunde in Europa, zuerst in England, dann folgten Belgien und die Niederlande. Seit 2005 gibt es auch in Deutschland ein einheitliches Flyball-Regelwerk und viele Anhänger dieses Hundesports.

Das bunte, weil aus unterschiedlichsten Hunden zusammengesetzte Hagener Flyball-Team trägt den dafür passenden Namen „Mixed Pickles“. Seit 2006 trainieren sie den, bei uns noch recht unbekannten Hundesport Flyball und nehmen seit 2007 auch an Turnieren teil. „Wir sind zweimal Deutscher Meister geworden und haben 2011 den dritten Platz bei der Europameisterschaft gewonnen“, berichten die Trainerinnen Birgit Meyer und Tanja Ellerbeck in der Trainings-Verschnaufpause. Während die sportlichen Vierbeiner Wasser schlabbern fügen sie für die Neulinge unter den Flyball-Interessierten hinzu: „Man gewinnt in einer bestimmten Division. Bei den Turnieren werden Mannschaften anhand einer Referenzzeit, die Zeit die die Hunde eines Teams brauchen um den Parcours zu laufen, in Divisionen eingeteilt“.

Körperliche und geistige Auslastung

„Das Tolle am Flyball ist, dass die Hunde körperlich und geistig ausgelastet werden und dabei mit anderen Vierbeinern zusammen arbeiten. Zudem wird die Bindung zwischen Mensch und Hund gestärkt. Spaß macht auch das Teamgefühl der Menschen-Riege“, beschreibt Elke Morgret, die seit zwei Jahren mit ihrem Labrador Timmy bei den „Mixed Pickles“ trainiert.

Flyball eigne sich, laut Trainerinnen, für alle Hunde, egal welcher Rasse. Mindestens 15 Monate alt sollten Junghunde allerdings sein, damit sie sich beim Springen durch Überlastung der noch weichen Knochen keine Gelenkschäden zuziehen.

Hundebesitzer, welche diesen Sport kennenlernen möchten, können sich sonntags das Training beim Hundesportverein Hagen ansehen. Die Mixed Pickles trainieren in der Liedstraße 8 in Hagen eine Stunde ab 11:30 Uhr und suchen derzeit noch Verstärkung für ihre Mannschaft. Weitere Informationen zu Trainingszeiten und Kontakt gibt es auf www.jump-for-fun-hagen.de.


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