Mit Akkusativ-Kamera auf Exkursion Sprachsommercamp für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte


Hagen. Zum siebten Mal fand im Landschulheim Mentrup-Hagen und in der Jugendherberge Bad Iburg das Sprachsommercamp „Sprache und Natur auf der Spur“ statt. Zwei Wochen lang gab es dort intensiven Deutschunterricht für insgesamt 56 Kinder mit Zuwanderungsgeschichte. Neben Leseübungen, Grammatik und Wortschatzaufbau standen dabei auch Exkursionen in die Natur auf dem Programm. Beim Fachsimpeln über Kräuter und Käfer sollten sie wie nebenbei ihre Sprachkenntnisse verbessern.

„In der Schule lernen die Kinder meistens nur aus Büchern“, erklärte Josef Gebbe vom Lernstandort Noller Schlucht, der das Projekt bereits von Beginn an mit Angeboten aus der Umwelt- und Erlebnispädagogik begleitet. Das Wissen über Umwelt und Natur bliebe so abstrakt. „Wir nehmen die Kinder mit in den Wald oder an den Bach und lassen sie nach bestimmten Tieren und Pflanzen forschen.“

Das wiederum gehe natürlich nicht stumm vor sich, so Kristina Urbanovic vom Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK). „Die Kinder diskutieren über ihre Funde, formulieren Beschreibungen und lernen neue Fachbegriffe.“ Am nächsten Tag geben die Teilnehmer ihre neuen Erkenntnisse im Sprachunterricht wieder. Die Lehrer, speziell ausgebildete Lehramtsstudenten der Universität Osnabrück, berichtigen grammatikalische Fehler und erklären Varianten, wie man das Gesehene noch anders beschreiben könnte.

Im Grammatik-Kurs von Studentin Alina experimentierten fünf Schüler mit der „Akkusativ-Kamera“. Beim Blick durch die zwei verklebten, bunt bemalten Papprollen sollten sie Sätze mit bestimmten und unbestimmten Pronomen formulieren. „Ich sehe den Grashalm“ oder „Ich sehe einen Marienkäfer“ riefen sie über die Wiese vor dem Unterrichtsraum.

Insgesamt waren die Deutschkenntnisse der Drittklässler schon verhältnismäßig gut. Sogar bei denjenigen, die erst seit ein oder zwei Jahren in Deutschland lebten. „An der Schwelle von der dritten zur vierten Klasse und speziell dann beim Übergang in die weiterführende Schule geraten die Kinder aus Migrantenfamilien aber oft ins Hintertreffen, da die Texte in allen Fächern dann zunehmend komplizierter werden“, so Urbanovic. Das Sprachcamp helfe ihnen dabei, nicht den Anschluss zu verlieren.

Speziell für neu zugewanderte Kinder gab es auch dieses Jahr wieder eine eigene Klasse Sie konzentrierten sich erst einmal ganz auf die gesprochene Sprache.

Das Sommersprachcamp wird seit 2008 von Stadt und Landkreis Osnabrück in Kooperation mit dem VPAK und dem Lernstandort Noller Schlucht angeboten. Die Friedel & Giesela Bohnenkamp-Stiftung finanziert das Camp seit 2010.


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