Sternwanderung der Vereine Hagener Heimatverein feiert Jubiläum mit Nachbarn

Von Frank Muscheid


Hagen. „Heimat erleben, bewahren, gestalten“: Zum 50-jährigen Bestehen hat das der Heimatverein Hagen a.T.W. (HVH) am Samstag mit sechs benachbarten Heimatvereinen gepflegt. Statt der bisherigen Schnat- oder „Grenzgänge“ feierte er nach einer Sternwanderung mit dem Kultur- und Verkehrsverein Hasbergen, dem Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg und den Heimatvereinen Leeden, Lengerich, Glane, Lienen im Pfarrgarten am Alten Pfarrhaus Tradition und „Plattdeutsche Dönekes“.

Gemeinsam Landschaft und Kultur erlebt

„Das ist schon eine besondere Veranstaltung, sonst treffen wir uns meist auf Vorstandsebene“, sagt Schriftführer Martin Sandkämper, der mit Ludger Nobbe, Markus Hestermeyer, Ewald Dierker und vielen Helfern das Ereignis organisiert hat. Ein Sechserteam kümmert sich um die Versorgung, zwölf Hagener Wanderführer haben die Gäste auf kurzen Wanderwegen mit vielen Ausblicken auf Hagen hergeführt. So wie Hans Tobergte die Hasberger über wenig bekannte „Grasnarben“ am Hüggel: „Ich bin da aufgewachsen und kenne jeden Stein.“ „Wir sind am Beginn des Kirschlehrpfads rausgekommen – das Wetter wurde immer besser“, lobt der Vorsitzende des Kultur- und Verkehrsvereins Werner Wessel die Tour. „Das Schöne ist, dass die Vereine nicht nur zu uns wandern“, sagt Sandkämper, „sondern alle eine Präsentation mitbringen.“

 

Lustige Kurzgeschichten in alter Mundart

Das Programm eröffnete der Singekreis des HVH unter Leitung von Olga Dahlke mit schwungvollen Liedern: „Singen macht munter und Singen macht Mut“, hieß es da aus vielen wohl gestimmten Kehlen. Klaus Dreyer erzählte, wie der Vater eines unehelichen Kindes ermittelt wird. Ein Gesprächspartner gratuliert dem Vater zum gesunden Kind, meint aber, das koste auch viel Geld. „Ach“, sagt der andere, „dafür will ich doch nichts haben.“

Hasberger Geschichtsschreibung und Dreyers „Ossenbrügger plattdüütsket Wöerebouk“ wechselten in die Hände von HVH-Vorsitzendem Antonius Thorwesten, der außerdem einen „Freundschaftsschluck“ in der Kiepe von Friedel Stegemann aufspürte. Der „Kiepenkerl“ erzählte, wie ein Bauer die berufliche Zukunft seiner Zwillinge errät: Würden sie auf den Arm genommen, sei der eine stolz, der werde Bauer, der andere schlucke, „der wird Händler“. Helga Grzonka vom Heimatverein Glane alias „Gertrud Unnerwechens“ stellte fest, dass der HVH seit 50 Jahren „sau viäle Heimatfrünne en Tohuse gif“. Und lobte: „Hauptstadt kann blauts Hagen a.T.W sien! Wat sind denn Ku’damm, Avus und Spree giegen Hagenske Kirmes und Erikasee.“

 

Grenzerfahrungen und Tanz-Tradition

Als Kind habe er verhindert, das der Nachbar sich Land holt, indem der Grenzsteine versetzte, erzählt Bad Iburgs Grenzsteinkenner Joachim Vogelpohl. Dieser Nachbar habe sich auch über einen Landvermesser lustig gemacht, der sich bei den Bewohnern der „Bullenwiese“ ja ausweisen könne, dass er von Amts wegen darüber müsse. Vom Grenzschmuggel zwischen Hannover und Preußen, Leeden und Hagen erzählte der Heimatverein Leeden: Der „preußische Zollbeamte“ Wilhelm Schilling lässt sich von den „Sargträgern“ Edgar Korte, Maik Baumeister, Rudolf Rogowski und Friedhelm Winkelsträter überlisten, die so Preußen mit dem dort knappen Salz versorgen. Lebendige Tradition zeigte auch die Volkstanzgruppe des Heimatvereins Lengerich unter Leitung von Claudia Gosejohann mit Topporzer Kreuzpolka, Schweriner Konter Nr. 2, Annemarie-Polka oder Holsteiner Dreitour. Dienstags probt die Gruppe in der Grundschule Intrup. Und sucht wie alle Heimatfreunde Nachwuchs.