Null Bock selten Ursache Mehr Schulverweigerer in Hagen und Hasbergen

Meine Nachrichten

Um das Thema Hagen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Schwänzen Schüler die Schule, können Fachberater dabei helfen, die Ursachen zu analysieren und Lösungen zu finden. Foto: dpaSchwänzen Schüler die Schule, können Fachberater dabei helfen, die Ursachen zu analysieren und Lösungen zu finden. Foto: dpa

Hagen/Hasbergen. Insgesamt 20 offiziell registrierte Schulverweigerer zählten die Gemeinden Hagen (12) und Hasbergen (8) im Schuljahr 2013/2014. Das sind vier mehr als im Schuljahr 2012/2013. Die Entwicklung in den Gemeinden ist allerdings unterschiedlich: Während aus Hagen (+8) mehr Schulverweigerer gemeldet wurden, verzeichnete Hasbergen (-4) weniger. In Hasbergen lag das durchschnittliche Alter der gemeldeten Schüler bei 18 und in Hagen bei 19 Jahren.

Allerdings sind dies keine absoluten Zahlen. Registriert werden nur Fälle, die bei den Meldestellen des Landkreises angezeigt werden. Nicht gemeldete Schulschwänzer werden in der Statistik auch nicht erfasst. „Es gibt sicherlich eine Dunkelziffer. Bei dieser Systematik muss man mit einer Grauzone leben“, sagt Susanne Steininger von der Maßarbeit. Sie betont, dass die Anzeigen auch nichts über die Schwere der Schulverweigerung aussagen. So hat mancher Schulschwänzer nur wenige Tage unentschuldigt gefehlt, andere bleiben innerhalb kurzer Zeit gleich an 20 Tagen der Schule fern. Eine verbindliche Definition, ab wann ein Schüler als Schulverweigerer eingestuft wird, gibt es nicht. So empfiehlt die Maßarbeit Schulen, zunächst das Gespräch mit Eltern und Schüler zu suchen und erst ab dem fünften unentschuldigten Fehltag Anzeige zu erstatten, damit ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird.

„Das größte Problem mit Schulschwänzern haben die Berufsbildenden Schulen“, sagt Steininger. Diese seien häufig sehr groß und würden zudem auf die Selbstverantwortung der Schüler setzen. Regelschulen seien noch behüteter. In kleinen Schulen hätten die Lehrer meist mehr Kontakt zu ihren Schülern, die soziale Kontrolle sei größer, ergänzt ihre Kollegin Nadine Nuxoll von der Maßarbeit. So hat es in Glandorf im vergangenen Schuljahr offiziell keinen einzigen Schulverweigerer gegeben.

Wenn Schüler notorisch die Schule schwänzen, ist selten eine reine „Null-Bock“-Haltung der Grund. Die Ursachen sind vielschichtig und sie sind meist außerhalb der Schule zu finden. „Sie liegen häufig im Elternhaus und in der Persönlichkeit des Schülers“, sagt Nuxoll.

So kann Verwahrlosung in Familien ein Grund sein, etwa wenn die Eltern morgens nicht dafür sorgen, dass ihr Kind aufsteht und zur Schule geht. Oder wenn Eltern ihren Nachwuchs dazu verpflichten, während der Schulzeit auf die jüngeren Geschwisterkinder aufzupassen. Häufig habe Bildung in diesen Familien keinen Stellenwert, sagt Nuxoll. Auch mancher Betrieb würde Auszubildende zurückhalten, wenn viel zu tun sei. Als weitere Gründe nennt Nuxoll Trennungsangst, Angst vor Leistungsversagen, Mobbing oder die Schwierigkeit von Schülern, soziale Kontakte aufzubauen.

Schwänzen Kinder die Schule, sind vor allem die Eltern gefragt. So würden manche Eltern die Schulverweigerung ihrer Kinder decken, berichtet Steininger. Etwa weil sie ihrem Kind nicht zumuten wollen, einen Konflikt in der Schule durchzustehen. Andere Eltern seien schlichtweg hilflos, sagt Nuxoll. Sie hätten längst den Einfluss auf ihre Kinder verloren.

In solchen Fällen kann die Fachberatung Schulverweigerung helfen. Die Fachberater suchen gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern nach Lösungen.„Manchmal sind die Fronten zwischen Schule und Eltern verhärtet. Dann ist es gut, wenn der Fachberater als neutrale Instanz hinzugezogen wird“, sagt Steininger. Wichtig sei auch, mit dem Schüler Perspektiven zu entwickeln. Wenn erforderlich können Schulverweigerer auch an sogenannten außerschulischen Standorten beschult werden. Dort werden die Schüler in Grundlagenfächern unterrichtet, arbeiten gleichzeitig aber auch praktisch. „Ein Praktikum kann Schulschwänzern wichtige Erfolgserlebnisse vermitteln“, betont Steininger. Ziel ist, dass die Jugendlichen wieder Freude am Lernen bekommen.

Mit den Anzeigen bei den Meldestellen wird allerdings auch Druck auf die Schulschwänzer ausgeübt. Für einen Fehltag können zwischen zehn und 50 Euro berechnet werden. Ist der Schüler unter 14 Jahren alt, richtet sich das Bußgeld an seine Eltern. Ab 14 Jahren ist ein Schüler selber verantwortlich für die Zahlung des Bußgeldes, das er gegebenenfalls auch als Sozialstunden ableisten kann. Werden Bußgelder nicht gezahlt oder Sozialstunden nicht geleistet, kann ein Arrest als letztes Druckmittel eingesetzt werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN