Weihnachtlicher Nachhall Martinus-Chor Hagen singt für Kasachstan



Hagen. Einen Alleinstellungsanspruch hat er nicht, der Martinus-Chor in Hagen, schließlich gibt es als Mitstreiter deren sogar vier an der Zahl im Ort. Und auch sein Weihnachtssingen in der St.-Martinus-Pfarrkirche ist kein singuläres Ereignis im Erholungsort. Und dennoch hatte der Auftritt des gemischten Chores am Sonntag unter der musikalischen Leitung von Josef Berger etwas Besonderes, was ihn von anderen Veranstaltungen unterschied.

Rund 1200 Besucher erlebten zum anstehenden Jahresausklang einen unvergesslichen Nachmittag von hohem Unterhaltungswert mit erstklassiger Sangeskunst und instrumentaler Begleitung, gepaart mit Frohsinn und Heiterkeit, aber auch mit nachdenklich stimmenden Einlagen von Friedensbotschaften. Ein vorweggenommenes Silvester-Feuerwerk brannten die Sänger des Chores mit einem nachweihnachtlichen Konzert ab.

Das Motto des diesjährigen Weihnachtssingens laute „Sehnsucht nach Frieden“, unterstrich Vorsitzende Marion Martin in ihrer Begrüßung. „Es soll nicht nur alle Besucher inspirieren, sondern auch weit hinaus bis nach Kasachstan getragen werden. Statt eines Eintrittsgeldes möchten wir durch freiwillige Geldspenden die Kirchengemeinde in Tscharsk unterstützen“, so Marion Martin.

Der Friedensgedanke zog sich dann auch tatsächlich als roter Faden durch das gesamte knapp dreißig Einlagen umfassende Programm. Schon das eingangs gemeinsam vom Chor und allen Anwesenden gesungene „Frieden zur Weihnacht“, das von Ingrid Wolters vorgetragene Gedicht „Friede auf Erden“ sowie die von Reinhard Lange erzählte Kurzgeschichte „Wie spielt man Frieden?“ und nicht zuletzt das vorgelesene Gedicht „Frieden“, verfasst von einer 13-jährigen Pfadfinderin aus Beersheba in Israel, spiegelten den Wunsch aller nach Frieden vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Ereignisse eindrucksvoll und nachdrücklich wider.

Zu den Highlights der Sangeskunst zählten ohne Frage die beschwingt umgesetzten Melodien aus „Away in a manger“ sowie „Joseph’s Lullaby“, englischsprachig dargebracht von der Jugendschola des Chores mit dezent instrumentaler Untermalung. In die Herzen der Zuhörer sang sich auch die Familie Berger mit „Breath in Heaven“ und „Willkommen in unserer Welt“ sowie das Männer-Trio mit „Immanuel“. Ein Hauch großer Opernwelt mit dem ausdruckstarken Tenorsolo Alfons Siekmanns wehte mit „Das wünsch ich mir – Frieden“ durch das Kirchenschiff.

Spektakulärer Höhepunkt war letztlich eine Liveschaltung in das mehr als 4000 Kilometer entfernte Kasachstan nach Tscharsk in die dortige St.-Michael-Gemeinde an der chinesischen Grenze. Hier war Pfarrer Anton Berger zugeschaltet, Bruder des hiesigen Chorleiters. Nach vorangegangen 30 Minusgraden sei es aktuell in Tscharsk mit minus 15 Grad relativ warm, war zu erfahren. Die Frage, ob denn die dort anstehende Bischofswahl schon entschieden sei, verneinte der Pastor humorvoll, „in dieser Sache befinde man sich noch im Advent“.

Das anschließend von Kaplan Ralf Krause sowie Valentina Berger einfühlsam vorgetragene „Russische Wiegenlied“ sowie das vom dortigen Kinderchor in russischer Sprache und vom Martinus-Chor gesungene „Heu und Stroh“ beendeten das außergewöhnliche Interludium. Mit stehenden Ovationen verlangte das Publikum zum Ende eines grandiosen Konzerts vehement nach einer Zugabe. Die wollte Moderator Kaplan Ralf Krause angesichts des lang anhaltenden Beifalls mit der humorigen Drohung, „wenn ihr weiterhin so viel Lärm macht, dann könnte es eine solche geben“, auch nicht verweigern. Als Hommage an den kürzlich verstorbenen Udo Jürgens intonierte der Chor sein Lied „Es werde Licht“.

Warum ein Weihnachtssingen erst Tage nach dem eigentlichen Fest, mag sich der verwunderte Besucher fragen. „Das hat bei uns bereits eine 20-jährige Tradition. Wir wollen nach dem ganzen Adventstrubel die besinnlichen Tage der Weihnacht noch einmal Revue passieren lassen. Unser Weihnachtssingen ist auch als Plattform gedacht, weniger bekannte Lieder, die im Familienkreis nicht gesungen werden, hier gemeinsam erklingen zu lassen“, klärt Schriftführer und Chormitglied Lange auf. Jahrelang sei das Weihnachtssingen in der Alten Kirche abgehalten worden , wegen der überwältigenden Resonanz sei man zum zweiten Male in die neu erbaute Martinuskirche ausgewichen. Die überwältigende Resonanz schlug sich auch im Spendenergebnis nieder: 7800 Euro kamen für Tscharsk zusammen.


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