„Ihr dürft auch mit den Fingern essen!“ Kids aus Hagen kochen unter Anleitung ghanaisch

Von Barbara Müller

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Hagen. Ungewohnte, Appetit anregende Düfte erfüllten Flure und Räume des Gustav-Görsmann-Hauses im Hagener Ortsteil Gellenbeck. Wer sich nur schnuppernd orientieren wollte, gelangte unweigerlich in die Küche im ersten Stock. „Wir wollen heute ghanaisch essen!“, empfing Jugendpflegerin Tanja Günther ihre Gäste. Ihr zur Seite standen zwei junge Damen mit reichlich Erfahrung in puncto afrikanischen Essen und 16 erwartungsvolle Jungen und Mädchen, begierig darauf, Speisen ihrer ghanaischen Altersgenossen kennenzulernen.

Anna Feldmann und Johanna Schmiegelt, 19 und 24 Jahre jung, haben jeweils ein Jahr in Afrika verbracht. „Sie waren sofort bereit, mit unseren Kids ein ghanaisches Dinner zu bereiten“, freute sich Günther. Diese Veranstaltung, so ihre Vorstellung, sollte die Reihe von „Essen in ... Russland, der Türkei und in Italien“, die die Kinder bereits in diesem Jahr genossen hatten, beenden und krönen.

Voller Elan stürzte sich eine Gruppe in die Vorbereitung der Nachspeise. „Die ist so richtig nach meinem Geschmack“, meinte Amelie Tobergte, schnappte sich ein Obstmesser und bereitete mit einigen anderen aus Granatäpfeln, Apfelsinen, Ananas, Papeya, Bananen und Mangos einen leckeren Nachtisch. Dabei blieb natürlich genügend Zeit für Anna und Johanna, von ihren Eindrücken und Erfahrungen aus einem den meisten Kindern unbekannten Land zu berichten.

Während Anna in Damongo im Norden des riesigen Landes in einem Jugendzentrum und später in einem Krankenhaus arbeitete, verbrachte Johanna zwölf Monate in Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, in einer öffentlichen Schule.

„Und wie habt ihr euch verständigt?“, lautete eine Frage aus dem Kreis der Acht- bis Zwölfjährigen. „Das war anfangs ein großes Problem“, lautete die ehrliche Antwort, „ Englisch beherrschen nur diejenigen, die schon länger eine Schule besucht hatten, sonst musste man sich mit Händen und Füßen verständlich machen, bis man irgendwann dem einheimischen Dialekt folgen konnte.“ Hilfreich bei der Eingewöhnung seien vor allem die Gastfamilien der beiden Frauen gewesen, die fließend Englisch sprachen.

Aber jetzt wartete die Bereitung des Hauptgerichts. Bei der Bohnensuppe war die gesamte Konzentration gefordert. Sie wird mit viel Knoblauch, Chili, Tomaten , Zwiebeln und jede Menge Bohnen zubereitet, ist in diesem afrikanischen Land sehr beliebt und gehört zu den Grundnahrungsmitteln der Ghanesen. Dazu gehört noch eine Portion „Red-Red“, wobei Kochbananen, in einer Fettsauce getränkt und in Stücke geschnitten, angebraten werden, bis sie eine rötlich braune Färbung annehmen. Vervollständigt wird alles mit Hähnchenfleisch und Reis. Beides zusammen, Bananen und Fleisch, sieht rötlich aus und hat dem Gericht seinen Namen gegeben.

Als schließlich alle am Tisch saßen, verblüfften Anna und Johanna mit der Aufforderung: “Ihr dürft auch mit den Fingern essen, das machen Kinder und Erwachsene bei jeder Mahlzeit.“ Doch geschieht das grundsätzlich nur mit den Fingern der rechten Hand, wie die kleinen Gellenbecker schnell lernten. Die „unreine“ linke Hand wird für alle anderen Tätigkeiten genutzt.

Nach dem Essen blieb noch Zeit, eine ganz spannende Frage zu beantworten: „Müssen die Ghanesen auch so viel lernen wie wir?“ Eine öffentliche Schule in Ghana, so erfuhren die Gellenbecker Kinder, ist Kindergarten und Schule in einem. „Es gibt nur zwei Klassen, die jeweils von zwei Lehrern unterrichtet werden“, erzählte Johanna, „in einer sind die Drei- bis Vierjährigen, in der anderen die Älteren. Schon von Anfang an werden die kleinen Ghanesen ans Schreiben, Rechnen und Lesen herangeführt.“ Eine öffentliche Schule, so Johannas Erfahrungen, sei bei Weitem nicht so gut ausgestattet wie eine private: „Es fehlt häufig an Unterrichtsmaterial. Auch Hefte und Bücher sind Mangelware.“ Und das Schlimmste: Die Prügelstrafe ist immer noch nicht vollständig abgeschafft.


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