Leiden der Lottomillionärin Literaturabend im Alten Pfarrhaus in Hagen

Von Danica Pieper

Im Alten Pfarrhaus in Hagen las Schauspielerin Dörte Steindorff-Schulte jetzt aus dem französischen Bestsellerroman „Alle meine Wünsche“. Foto: Danica PieperIm Alten Pfarrhaus in Hagen las Schauspielerin Dörte Steindorff-Schulte jetzt aus dem französischen Bestsellerroman „Alle meine Wünsche“. Foto: Danica Pieper

Hagen. Die Frage, was man mit einem Lottogewinn machen würde, hat sich wohl jeder schon einmal gestellt – jeder bis auf Jocelyne. Dennoch knackt die Hauptfigur aus dem Roman „Alle meine Wünsche“ den Jackpot. Im Alten Pfarrhaus in Hagen las Schauspielerin Dörte Steindorff-Schulte jetzt aus dem französischen Bestsellerroman von Grégoire Delacourt und begeisterte mit ihrer Interpretation die knapp 50 Zuhörerinnen.

„Heute gibt es ja viele Lesungen, aber damals war das noch nicht so Usus“, erinnerte sich Edeltraud Plogmann. Vor 18 Jahre rief die Hagener Gleichstellungsbeauftragte in Kooperation mit der Bücherei den Literaturabend im Alten Pfarrhaus ins Leben. Seitdem findet dort jedes Jahr im November eine Lesung statt, die sich in erster Linie an Frauen richtet.

Für die diesjährige Auflage hatte die Osnabrücker Schauspielerin Dörte Steindorff-Schulte „Alle meine Wünsche“ von Grégoire Delacourt ausgewählt. Der Roman erzählt die Geschichte von Jocelyne, die ein durchschnittliches Leben in einer französischen Kleinstadt führt: Sie ist 47 Jahre alt, leicht übergewichtig und führt einen mäßig erfolgreichen Kurzwarenladen, eine mäßig liebevolle Ehe und einen relativ beliebten Handarbeitsblog. Eines Tages überreden zwei Freundinnen Jocelyne, doch einmal Lotto zu spielen, woraufhin sie prompt 18 Millionen Euro gewinnt. Doch wirklich glücklich ist sie damit nicht, denn manche Wünsche lassen sich nicht mit Geld erfüllen.

Vergnüglicher als die Geschichte selbst war der Vortrag von Steindorff-Schulte, der es gelang, dem stellenweise arg banalen Text Leben einzuhauchen. Mit ihrer feinfühligen Interpretation machte die Schauspielerin die Ängste und Sehnsüchte Jocelynes für das Publikum spürbar und ließ so manche Plattitüde in Vergessenheit geraten. Musikalische Unterstützung erhielt Steindorff-Schulte dabei von Birte Schanz, die die Gefühlslage der Protagonistin gekonnt in ihrem Klarinettenspiel widerspiegelte. Die Zuhörerinnen lauschten den beiden Frauen gebannt, bevor sie begeistert Applaus spendeten.