Waltraud Schade hilft beim Besuchsdienst Hagenerin seit 30 Jahren ehrenamtlich engagiert

Von Horst Troiza

Seit 30 Jahren engagiert sich die Hagenerin Waltraud Schrade ehrenamtlich beim Besuchsdienst der evangelischen Melanchthon-Gemeinde. Foto: Horst TroizaSeit 30 Jahren engagiert sich die Hagenerin Waltraud Schrade ehrenamtlich beim Besuchsdienst der evangelischen Melanchthon-Gemeinde. Foto: Horst Troiza

Hagen. Seit nunmehr drei Jahrzehnten engagiert sich die Hagenerin Waltraud Schrade ehrenamtlich beim Besuchsdienst der evangelischen Melanchthon-Gemeinde. Einmal in der Woche ist sie zu Gast im Anna-Stift, wo sie mit den dort lebenden Senioren plaudert und sich auch deren Sorgen schildern lässt.

Die 76-Jährige kann man getrost ein Urgestein der ehrenamtlichen Arbeit in Hagen nennen. Vor 30 Jahren ist sie zum ersten Mal auf Wunsch der Ehefrau des damaligen Pastors Horst Gellesch zum Besuchsdienst im Anna-Stift erschienen. „Ich gehörte dem Frauenkreis an und war überrascht, dass diese Bitte an mich herangetragen wurde. Erst wusste ich ja nicht so recht, aber die anderen Frauen sagten, das würde ich schon schaffen“, erinnert sie sich noch heute.

Die ersten Male waren ihr noch schwer gefallen, dann aber begann ihr die Aufgabe Spaß zu machen. „Es ist doch ein wunderschönes Gefühl, wenn man die Freude in den Augen der Menschen sieht. Schließlich haben nicht alle Verwandte, die sich um sie kümmern können und somit trete ich an deren Stelle“. Oft ist sie Bezugsperson, Gesprächspartnerin und Freundin in einer Person.

Besonders deutlich hat sie das in den 1990er Jahren empfunden. Zu jener Zeit waren viele deutschstämmige Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Hagen gekommen, die ihre Großeltern mitgebracht hatten. Einige Jahre später waren diese aus Altersgründen ins Anna-Stift gezogen, fühlten sich manchmal noch etwas fremd in der neuen Heimat. „Oft haben sie mir von ihrem Leben in Russland erzählt, ein wenig sehnsüchtig, aber auch von den Entbehrungen, unter denen sie dort gelitten haben. So habe ich sie und ihre Situation zu verstehen gelernt, wodurch sich sehr enge Kontakte ergeben haben“.

Aus Schlesien nach Hagen

Waltraud Schrade hatte dies als achtjähriges Kind selbst erfahren müssen, als sie 1946 mit den Eltern und fünf Geschwistern aus Schlesien nach Hagen gekommen war. Es war nicht leicht als evangelisches Kind unter den damals noch nahezu ausschließlich im Dorf lebenden Katholiken gewesen, doch sie hatte schnell Freundinnen finden können. Später im Berufsleben als Haushälterin schwanden die religiösen Schranken. Von 1962 an, nach der Heirat mit ihrem Ehemann Wolfgang, engagierte sie sich in der kleinen evangelischen Kirchengemeinde, war zum Beispiel für die Vorbereitungen des Gottesdienstes zuständig. Später dann stieg sie beim Besuchsdienst ein.

„Ich habe während dieser Jahre so viele warmherzige und engagierte Menschen kennengelernt, seien es die Ordensschwestern im Anna-Stift oder die anderen Angehörigen des Besuchsdienstes“. Diese Zeit und die Erfahrungen möchte Waltraud Schrade nicht missen und hofft, das Ehrenamt noch lange ausüben zu können.