Marktrecht für 100 Jahre Launiger Bischof Bode Ehrengast beim Hagener Ferkelmarkt

Von Barbara Müller

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Hagen. Dicht an dicht standen Menschenmassen bereits vor neun Uhr beim ehemaligen Hotel Kriege, wo bereits vor 400 Jahren zum Ferkelmarkt „aufgetrommelt“ wurde.

Mit ihnen warteten Fahnenträger, die Trommler aus den sechs ehemaligen Bauernschaften, Jagdhornbläser und Ratsmitglieder darauf, dass Bürgermeister Peter Gausmann das Startzeichen zum traditionellen Gang durch den Ort gab. Aber zunächst wurden dem Brauch gemäß alle Gäste begrüßt. Neben den Bürgermeistern aus den Nachbarorten, Bundestags- und Landtagsabgeordneten war in diesem Jahr Bischof Franz Josef Bode Jubiläums-Ehrengast. Er wurde von den Pastoren der Gemeinde begleitet.

Selbst Alteingesessene und eingefleischte Ferkelmarktbesucher kamen an diesem Morgen nicht aus dem Staunen heraus: Nicht nur die Mengen von Besuchern, die bis in den Gibbenhoff hinein und die Dorfstraße hinauf dicht an dicht standen, hatten sie so noch nicht erlebt. Gleichzeitig wurde eine erwartungsvolle Vorfreude ausgemacht, die ansteckend wirkte.

Schon die erste Station, bei der wie seit Jahrhunderten üblich der erste Kirmesschnaps gereicht wurde, machte deutlich, dass die Verantwortlichen nichts dem Zufall überlassen hatten: Ein Ausschuss des Gemeinderates hatte gemeinsam mit Marktmeister Ralf Zumstrull vor Monaten einige Programmpunkte für jeden Halt festgelegt. Dabei stand immer eine knapp gehaltene Berichterstattung historischer Ereignisse im Vordergrund.

So war es zum Beispiel Aufgabe des Fahnenträgers an diesem Morgen, von dem ersten überlieferten Kirmes-Aufstand zu erzählen. Josef Niehenke, der seit 16 Jahren als Vertreter der Bauerschaft Altenhagen gleichzeitig Fahnenträger ist, berichtete von einigen wehrhaften Hagenern, die 1730 dem damaligen Vogt das Vorrecht abrangen, die Fahne in der Kirche aufzubewahren – und nicht mehr an jenem unwürdigen Ort, wo der Vogt jährlich die Steuern eintrieb.

Alle Beiträge wurden mit einer Prise Humor dargeboten, so dass ein ums andere Mal Gelächter und Beifallstürme den Redner unterbrachen. Etwa, als Claus Molitor bei der zweiten Station, der Gaststätte „Beckmanns“, Jan Willems aus dessen Kirmes-CD zitierte: „Als die Römer frech geworden, war hier schon schwer was los!“ Oder als Bürgermeister Peter Gausmann vom letztjährigen Luftballonwettbewerb berichtete: „Ein Luftballon landete gar in den USA – aber der war per Flugzeug transportiert worden.“

Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Gang durch den Ort an jenem Platz, an dem Jahr für Jahr in den vergangenen 400 Jahren der Ferkelmarkt für eröffnet und die Fahne festgezurrt wurde. Für die hier vorgesehenen Programmpunkte hatte man die Plattform hoch oben auf dem Kettenkarussell gewählt. Zunächst hatten die „Hagener Jungs“ ihren großen Auftritt. Sie brachten ihre Version des Hagener Heimatliedes zu Gehör, die aber inzwischen längst so bekannt ist, dass viele Hagener sie mitsangen. Bei ihrem Auftritt hatte die Gruppe übrigens eine prominente Verstärkung in ihren Reihen: 1. Kreisrat Stefan Muhle wurde bei seinem einmaligen Auftritt als Sänger vom Bürgermeister so angekündigt: „Liebe Ferkelmarktbesucher, wenn es bei der Darbietung zu einigen Misstönen kommen sollte, denken Sie daran, dass diese allein die Kreisverwaltung zu verantworten hat.“ Spätestens beim Hagener Heimatlied, das von Hunderten mitgesungen wurde, war die Stimmung nicht mehr zu überbieten.

Gespannt lauschte die Menge auch den Worten des Osnabrücker Bischofs Franz Josef Bode, der erst in der Nacht zuvor aus Rom zurückgekehrt war. Schon seine einleitende Feststellung führte zu Beifallsstürmen: „Hier ist ja fast so viel los wie bei der Telgter Wallfahrt!“ Augenzwinkernd beschrieb er eine Privataudienz bei Papst Franziskus, bei der er eine Einladung der Hagener zum Besuch des Ferkelmarktes vorgetragen habe. „Doch seine augenblicklichen Verpflichtungen bei der Synode der Bischöfe haben zu seinem großen Bedauern eine Teilnahme verhindert.“

Außerdem verwies der Bischof darauf, dass es an der Zeit sei, das Marktrecht von offizieller Seite zu verlängern. Bode: „Vor 400 Jahren war es ein evangelischer Bischof, der den Hagenern die begehrte Genehmigung erteilte. 2014 sollen nun die Marktrechte von einem katholischen Bischof eingeräumt werden.“ Gleich 100 Jahre lang sollen die Hagener und ihre Gäste fortan diesen besonderen Tag feiern dürfen. Seine abschließende Bemerkung sorgte dafür, dass ihn zumindest alle Hagener in ihr Herz schlossen: „Von der Stadt Köln wird gesagt, dass sie eine der treuesten Töchter Roms sei. Auf die untere Ebene übertragen heißt das, dass Hagen eine der treuesten Töchter des Bistums ist.“ Erklärend fügte er hinzu, dass er dabei an die vielen Ordensleute und Geistlichen denke, die aus Hagen gekommen sind. Bürgermeister Peter Gausmann überreichte dem Osnabrücker Gast zum Abschied eins der bunten kleinen Ferkel, das die Kinder aus dem Christophorus-Kindergarten gebastelt hatten. Franz Josef Bode, ganz angetan von diesem Geschenk: „Da wird sich mein Nachfolger aber wundern, was ich so alles auf meinem Schreibtisch aufbewahrt habe.“

Natürlich durften an diesem Vormittag auch nicht die Ferkel fehlen, die dem Fest einst den Namen gaben. Zehn Exemplare wurden frei versteigert. Bei der symbolischen Übergabe eines Schweinchens erinnerte Peter Gausmann an die Bedeutung des Marktes vor 400 Jahren: „Wir denken heute auch daran, wie wichtig dieser Tag für unsere Vorfahren war. Landwirte, Kaufleute und Händler, schwer von Kriegswirren gebeutelt, erhielten durch das Marktrecht die Gelegenheit zu einem zusätzlichen Verdienst.“

Schon während des Ganges hatten Besucher die ausgesprochen gute Laune beim Hagener Bürgermeister ausgemacht. Darauf angesprochen fasste Peter Gausmann seine Eindrücke von der Jubiläumsveranstaltung so zusammen: „Ich glaube, dass Hagener und ihre Gäste noch nie eine so stimmungsvolle Kirmes, die eigentlich bereits mit der Ausstellungseröffnung in der Ehemaligen Kirche am Donnerstag begann, erlebt haben.“


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