Christian Winnig bleibt Heimat treu USA-Auswanderer kommt jedes Jahr zur Hagener Kirmes

Von Stephanie Kriege

An allen Kirmestagen dabei: Christian Winnig besucht die Großveranstaltung in seiner Heimatgemeinde Jahr für Jahr. Foto: privatAn allen Kirmestagen dabei: Christian Winnig besucht die Großveranstaltung in seiner Heimatgemeinde Jahr für Jahr. Foto: privat

Hagen/Cape Coral. Eigentlich hat er seiner Heimatgemeinde Hagen vor fast zehn Jahren den Rücken gekehrt, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seinen Traum vom Leben in den USA zu verwirklichen. Doch es gibt einen festen Termin im Kalender des Auswanderers Christian Winnig, für den er jedes Jahr den Flug über den Atlantik auf sich nimmt – die Hagener Kirmes.

Die Hagener und ihre Kirmes – das ist eine ganz eigene Liebesgeschichte. In kaum einer anderen Gemeinde im näheren Umkreis freuen sich die Einwohner so sehr auf diese speziellen Tage im Jahr, in dem der Ort in bunten Lichtern erstrahlt und die Menschen einfach ausgelassen feiern. Auch für Christian Winnig ist die Hagener Kirmes eine Herzensangelegenheit, auch wenn er sich dieser Veranstaltung erst peu à peu annäherte. „Ich zog 1973 mit meinen Eltern nach Hagen, da war ich neun Jahre alt“, erzählt Winnig, der vergangene Woche seinen 50. Geburtstag feierte. „Da war noch nicht viel mit Kirmes für mich, mal mit den Eltern eine Bratwurst essen oder Autoskooter fahren. Das richtige Interesse kam erst, als ich 15 oder 16 war.“ Damals sei er mit seinen Freunden schon am Freitagabend vor der offiziellen Kirmeseröffnung am Samstag durch das Dorf gelaufen. „Kirmeswagen zählen“ nennen das die Hagener, viele machen es noch heute. „Wir konnten es halt gar nicht abwarten“, sagt Winnig, der in diesem Jahr ausnahmsweise zweimal in die Heimat fliegt. Schon im Juli war der frühere stellvertretende Ortsbrandmeister einige Tage aus Florida angereist, um sich das neue Feuerwehrhaus und zwei neue Einsatzfahrzeuge an der Astrid-Lindgren-Straße anzuschauen.

Dass er auch nach seinem Umzug nach Cape Coral regelmäßig zur Kirmes kommen würde, war anfangs eigentlich nicht geplant, erinnert sich Winnig. „Wir sind im Juli 2005 ausgewandert, und ich wollte nicht gleich schon wieder zur Kirmes im selben Jahr zurückkommen. Ich war während der drei Tage hier in Florida ungenießbar, weil ich immer dran denken musste, wo ich wohl jetzt zu dieser Uhrzeit wäre, wenn ich doch geflogen wäre.“ Damals habe er den Entschluss gefasst, so lange zur Hagener Kirmes zu kommen, wie es ihm vor seinem beruflichen und privaten Hintergrund möglich ist. „Es ist natürlich möglich, dass sich diese Einstellung ändert, wenn ich älter werde“, sagt der Wahl-Amerikaner und grinst. „Aber ich hoffe nicht.“

Wenn er zu Hause in Florida die Koffer packt, um zum Feiern nach Deutschland zu fliegen, erzählt Winnig seinen amerikanischen Freunden nicht, dass er zur Hagener Kirmes aufbricht. „Ich nenne die Kirmes „Octoberfest“, denn das kennt man hier.“ Denn auch in Cape Coral gibt es jedes Jahr an den letzten beiden Wochenenden im Oktober ein „Octoberfest“, zu dem im Schnitt 55000 Besucher erwartet werden. „Es zählt zu den größten Oktoberfesten in Florida.“ Natürlich denke der Amerikaner eher an die Wiesn in München und hat Dirndl und Lederhosen vor Augen. Wenn Winnig seinen Freunden zu erklären versucht, wie die Kirmes in Hagen abläuft, speziell beim Ferkelmarkt, dann können das viele seiner Freunde dort nicht nachvollziehen. „Vor allem weil diese Tradition nun schon seit 400 Jahren besteht und unser Dorf Hagen schon über 900 Jahre alt ist – das kennen die hier logischerweise nicht.“

Doch was ist es, das den Auswanderer reizt, jedes Jahr den weiten Weg auf sich zu nehmen? „Ich finde die Vielfalt der Fahrgeschäfte immer erstaunlich“, sagt Winnig. „Ralf Zumstrull macht da einen tollen Job, indem er immer mal wieder was Neues bringt, aber auch die alten Traditionsgeschäfte immer wieder nach Hagen zieht. Besonders zu nennen ist Feldmanns Raupenbahn.“ Winnig glaubt nicht, dass sich der Charakter der Kirmes in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verändert hat. „Es ist halt was Besonderes, eine Dorfkirmes mitten im Ort zu haben. Das gibt der Hagener Kirmes den besonderen Charme.“

Natürlich kommt in Winnigs Fall noch das Wiedersehen mit alten Bekannten hinzu, das den Kirmesbesuch für ihn so attraktiv macht. „Ich habe noch sehr viele alte Freunde und Bekannte in Hagen, die ich alle dort wieder treffe. Auch nach fast zehn Jahren hat man sich immer eine Menge zu erzählen“, sagt Winnig und ergänzt: „Natürlich freue ich mich auch, meine Mutter zu sehen. Allerdings bekommt sie mich während der Kirmes kaum zu Gesicht.“ Denn natürlich feiert Winnig nicht nur an einem Abend, sondern ist an allen Kirmestagen im Getümmel. „Schließlich fliege ich 7000 Kilometer, und da will ich nicht eine Minute verpassen.“