Prinzen und Parmänen Experte bestimmt alte Apfelsorten in Hagen

Von Horst Troiza

Schön anzusehen, lecker, gesund und alt: Pomologe Hans-Joachim Bannier (rechts) ordnet die Äpfel der Eheleute Reimann der Sorte „Prinz Albrecht von Preußen“ zu. Foto: Horst TroizaSchön anzusehen, lecker, gesund und alt: Pomologe Hans-Joachim Bannier (rechts) ordnet die Äpfel der Eheleute Reimann der Sorte „Prinz Albrecht von Preußen“ zu. Foto: Horst Troiza

Hagen. Die Äpfel sind reif. Überall in den Gärten prangt es rot und gelb und grün an den Ästen. Doch zu welchen Sorten gehören eigentlich die schmackhaften und gesunden Früchte am Baum? Der Bielefelder Pomologe Hans-Joachim Bannier und sein Kollege Jens Pallas aus Münster waren auf Einladung der AG Natur und Umwelt zur Obstsortenbestimmung in Hagen.

Golden Delicious, Gala, Elstar und Jonagold kennt jeder aus dem Supermarkt. In den Haushalten sind nahezu nur noch auf Plantagen gezogene Äpfel zu finden. Massenware, ein Stück gleicht dem anderen. Sie müssen nicht schlechter sein als regionale, alte Sorten, doch von Vielfalt kann nicht mehr die Rede sein. Zwischen Flensburg und dem Bodensee, zwischen Aachen und Frankfurt/Oder – überall Einheitsware, Einheitsgeschmack. „In den 1930er Jahren wurde der Obstbau in Europa umgestellt. Die Vielfalt wurde der Vermarktbarkeit geopfert, die Obstbäume verschwanden, das Buschobst eroberte die Haushalte“, beschreibt Hans-Joachim Bannier die Entwicklung.

Aber es gibt sie noch, die alten Sorten. Nur stehen sie meist in Privatgärten oder auf kleinen Streuobstwiesen versteckt und häufig wissen nicht einmal die Besitzer, um welche Sorte es sich handelt. Im Herbst schlägt dann die Stunde der Pomologen, der Obstbaumkundler, die mit ihrem Wissen helfen, gerade jenes Obst zu erhalten, das noch vor hundert Jahren in aller Munde war und heute noch nicht der geschmacklichen Globalisierung geopfert wurde.

„Das ist ja etwas ganz, ganz Schönes“, ruft Bannier aus, als ihm das Ehepaar Reimann aus Lienen zwei leuchtend goldrote Äpfel hinhält. Sie gehören zur Sorte „Prinz Albrecht von Preußen“, eine süß-säuerliche aromatische Frucht. Es gibt sie bereits seit 140 Jahren und noch immer hängen in guten Jahren die Bäume voll damit. Auch die Goldparmäne, die ein Gartenbesitzer den beiden Fachleuten im Kirschinformationszentrum präsentiert, findet deren Beifall. Und noch mehr kommt auf den Tisch und lässt die beiden anerkennend nicken: „Grahams Jubiläum“, Herbstrenetten und „Edelborsdorfer“ – in Hagen und Umgebung wachsen sie noch.

„Leider gibt es in vielen Baumschulen heute nur noch jene Sorten zu kaufen, die es auch im Supermarkt gibt“, sagt Pallas. Häufig erweisen sie sich dann aber nicht als gartentauglich, sind anfällig für Pilze und andere Schädlinge. „Da sind die alten Sorten widerstandsfähiger und bieten das, was wir uns alle wünschen, nämlich Vielfalt“, erklärt sein Kollege.