400 Jahre Ferkeleien Hagener Kirmes beginnt am Freitag

Von Barbara Müller


Hagen. In diesem Jahr werden aus gutem Grund mehr Besucher als sonst zur Hagener Kirmes erwartet. Unter ihnen werden besonders viele ehemalige Hagener sein, die es in die ganze Welt verschlagen hat. Ihnen vor allem wird die Teilnahme ein Herzensanliegen sein, feiert der Ferkelmarkt doch sein 400. Bestehen. Da trifft es sich gut, dass der 3. Oktober auf einen Freitag fällt, sodass einen Tag länger als sonst gefeiert werden kann, nämlich vom 3. bis zum 6. Oktober.

Höhepunkt des fröhlichen Treibens ist seit jeher der Ferkelmarkt an Kirmesmontag. Seine Geburtsstunde ist bekannt: Vor 400 Jahren, am 24. Juli 1615 erlaubte der Bischof von Osnabrück als Landesherr der Gemeinde Hagen, jährlich einmal einen „Fiärkelmarckt“ abzuhalten. Dieser spezielle Markttag, so der Hintergedanke, sollte Bauern und Kaufleuten die Möglichkeit eines zusätzlichen Verdienstes einräumen. Hatten diese doch unter Raubzügen und Plünderungen im spanisch-niederländischen Krieg zu leiden.

Im Bewilligungsschreiben, das Rainer Rottmann vom Hagener Heimatverein gefunden hat, heißt es, dass bei dieser Gelegenheit jedem Bauern oder Kaufmann gestattet sei, „mit allerhandt wahrenn, pferden, kühen, schweinen und anderem viehe“ einen Tag lang Handel zu treiben. In Hagen fand der Ferkelmarkt Jahrhunderte lang auf dem abgesteckten Gelände an der Einmündung des Mühlenwegs in die Hüttenstraße statt.

Bereits nach dem 30-Jährigen Krieg hatte der Hagener Viehmarkt dieselbe Bedeutung wie die älteren Märkte, sodass er gegen Ende des 17. Jahrhunderts „anscheinend ein lohnendes Pflaster für Osnabrücker Kaufhändler“ war. Dieser Vieh- und „Kram“-markt, so Rottmanns Recherchen, hat sich erst viel später auf einen reinen Viehmarkt reduziert. Von 1990 an blieb dann nur noch der Handel mit einigen wenigen Ferkeln übrig. Auch wenn dieser Tag seine wirtschaftliche Bedeutung verloren hat, wird die Tradition weiter in Ehren gehalten.

Fahne als Symbol

Dokumentiert wurde das Marktprivileg durch Marktfahne, Auftrommeln und das sogenannte „Zollbrett“, auf dem früher die Einnahmen hinterlegt wurden, die Gäste aus dem „Ausland“ beim Grenzübertritt entrichten mussten. Die Fahne aus dem 18. Jahrhundert bestand aus einem roten Tuch. Auf der einen Seite war das Landeswappen abgebildet, auf der anderen der Kirchenpatron St. Martin. 19 Taler und 26 Mariengroschen hat sie gekostet.

Bis auf den heutigen Tag beginnen Bürgermeister, Gemeinderat und Vertreter der Kirchen und Verbände ihren Marsch zum Ferkelmarkt am ehemaligen Hotel Kriege. Die fünf Abgeordneten der Hagener Ortsteile rufen durch Trommelschläge zum Aufbruch. Für Ruhe und Ordnung sorgten die Fußknechte des Amtes Iburg früher gemeinsam mit dem Vogt. Brauch ist auch, sich an bestimmten Gaststätten an der Dorfstraße bis zur Hüttenstraße einen „Kirmesschnaps“ reichen zu lassen. Bei den gut vierzig Gasthäusern, die es einst gab, sahen die auserwählten Wirtsleute die Verschnaufpause vor ihrem Haus als Auszeichnung an. Am Festplatz angekommen, wurde die Fahne für jedermann sichtbar aufgestellt. Solange sie an ihrem Platz blieb, galt das Marktrecht.

Buntes Völkchen

Es war wahrlich ein buntes Völkchen, das sich früher ein Stelldichein gab: Kaufleute mit ihrem „Kram“, „Pöttkenbäcker“ mit ihren Tonwaren, Gaukler, Bettler und Händler mit ihrem Vieh gehörten dazu. Aber auch Feldprediger nutzten die Gelegenheit zu mitreißenden Ansprachen und eindringlichen Ermahnungen. Selbst von Heiratswilligen wissen Chroniken zu berichten. Die jungen Leute wollten hier erste vielversprechende Kontakte für eine gute Wahl knüpfen.

Bei dem bevorstehenden Jubiläum in diesem Jahr sind auch einige Highlights geplant: Einen Tag vor Kirmesbeginn, am Donnerstag, 2.Oktober, findet eine Ausstellung zum Thema „Historische Kirmes“ in der ehemaligen Kirche statt. Bürgermeister Peter Gausmann wird sie um 18.30 Uhr eröffnen. Für die Zusammenstellung der Fotos und Berichte zeichnet größtenteils der Heimatverein verantwortlich, der ebenfalls bei der Herausgabe einer Sonderausgabe mit dem Titel „400 Jahre Ferkelmarkt in Hagen“ federführend ist. Diese Broschüre wird an alle Haushalte in Hagen, Georgsmarienhütte und Bad Iburg verteilt.

Übrigens: Im Gegensatz zum Ferkelmarkt kann das Alter der Kirmes nicht genau bestimmt werden. Nur so viel steht fest: Die Kirmes ist viel älter. Man vermutet, dass sie auf die Zeit des ersten Hagener Kirchbaus im frühen Mittelalter zurückgeht.