Bohnenkamp-Stiftung fördert Sommercamp für Kinder mit Migrationshintergrund in Hagen


Hagen/Bad Iburg. „Das Sommercamp gehört zu den Projekten, die uns besonders am Herzen liegen“, betonte Uta Gewicke, Referentin der Bohnenkamp-Stiftung, beim Besuchertag im Landschulheim Mentrup-Hagen. Schon seit 2010 unterstützt die Stiftung das alljährliche Sprachcamp für Kinder mit Migrationshintergrund.

IDas ist außergewöhnlich lange, denn normalerweise leistet die Stiftung nur eine Anschubfinanzierung, bevor die öffentliche Hand oder anderer Förderer die Kosten übernehmen. „Dieses Projekt ist uns aber so wichtig, dass wir es auch in den nächsten Jahren noch unterstützen werden“, sicherte Gewicke zu.

Viel Lob für das einmalige Projekt, das Umweltbildung unmittelbar in der Natur mit Sprachförderung verbindet, gab es auch vom Ersten Kreisrat Stefan Muhle aus Melle. „Die Betreuer und Koordinatoren leisten hier hervorragende Arbeit mit nachhaltiger Wirkung.“

Die Projektleitung für das zweiwöchige Sommercamp liegt bei der Stadt Osnabrück, der Landkreis ist Projektpartner. Der Sprachförderungsunterricht am Vormittag wird von Lehramtsstudenten der Universität Osnabrück durchgeführt, die im Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK) mitarbeiten. Am Abend und in der Freizeit kümmern sich Schüler der Evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik in Osnabrück um die Grundschulkinder.

Zwischendurch am Nachmittag geht es hinaus in die Natur: Gemeinsam mit Erlebnispädagogen des Lernstandorts Noller Schlucht begeben sich die Kinder auf Entdeckungstour in Flora und Fauna rund um ihre Camps im Schullandheim Mentrup-Hagen und in der Jugendherberge Offenes Holz in Bad Iburg.

„Kinder haben heute nur noch sehr wenig Zugang zur Natur“, berichtete Josef Gebbe vom Lernstandort Noller Schlucht. Viele haben noch nie einen Tausendfüßler gesehen oder eine Spinne in der Hand gehabt. „Das trifft auf deutsche Kinder zu, aber in besonderem Maße auch auf Migrantenkinder.“

Die neuen Fachbegriffe, die die Kinder dabei spielerisch erlernen, werden dann am folgenden Vormittag im Sprachunterricht wiederholt, berichtete Kristina Urbanovic vom VPAK. „Oft lerne ich selbst dabei auch noch neue Wörter wie ‚Saftkugler’ dazu.“ Wichtiger als die fachsprachlichen Ausdrücke sei aber die Fähigkeit, Dinge und Sachverhalte richtig und variantenreich beschreiben zu können. Besonders Textverständnis, Grammatik und Schreiben stehen dabei im Fokus.

„Die Schule fördert Kinder mit Deutsch als Zweitsprache nicht ausreichend“, erklärte Urbanovic. Deshalb seien Angebote wie das Sommercamp so außerordentlich wichtig, damit die Kinder aus Migrantenfamilie nicht den Anschluss verlieren und hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

In diesem Jahr nahmen 36 Jungen und 16 Mädchen aus 14 verschiedenen Ländern am Sommercamp teil. „Zwölf von ihnen leben erst seit 2013 oder 2014 in Deutschland“, berichtete Gabriele Grosser, Projektleiterin der Stadt Osnabrück. Für diese Schüler seien eigene Anfängergruppen eingerichtet worden, bei denen es erst einmal ums Sprechen lernen geht.

Achtzig Prozent aller Teilnehmer würden wieder am Camp teilnehmen, lautete am Ende das Ergebnis der Abschlussbefragung. „Und das trotz des Vormittagsunterrichts mitten in den Sommerferien“, betonte Urbanovic.


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