Selbstbewusst und stimmig Hausmusik der Hagener Jugendmusikschule überzeugt


Hagen. Die zarten, sanften Töne fürchtet ein Musiker am meisten, sagt der Leiter der Hagener Jugendmusikschule Jörg Zumstrull. Sie müssen sitzen. Zu Recht fordert er daher am Sonntag in der Ehemaligen Kirche Hagen einen Extra-Applaus der gut 150 Zuhörer für eine mutige wie starke Leistung vom Folklore- und Gitarrenensemble „Saytenspygel“ und den Klavier- und Gesangsklassen beim „Hausmusiknachmittag“. Einige stehen erstmals als Solosängerin auf der Bühne.

Mit „Sertaneja“, einem brasilianischen Traditional, geben „Saytenspygel“ den Klang dieses Nachmittags vor – entspannt, mit gut aufeinander eingespielten Gitarren, Akkordeon, Querflöte oder Cello. Ausgerechnet eine „Opern-Metal“-Band, die eher für orchestralen Bombast bekannt ist, vereint die Stärken des Ensembles und der Musikauswahl – feine Duette und Sologesänge weben zarte, verträumte Melodien: Denn „Nightwish“ haben mit „The Islander“ einen lupenreinen Folksong für ihr Markenzeichen, eine starke Frauenstimme, geschrieben. Rylana Hillebrandt und Nadine Gausmann, zugleich ausdrucksstarke Violinistin, überzeugen im Gesangsduett zur Tribal-artigen Begleitung. Beim noch stärker vokalen „Lied der Mutter“ von Leiter Siegfried Hillebrandt legt sich der Nachwuchschor hörenswert ins Zeug.

In Hellbachs verspieltem „Ostinato“ verschmelzen Cilia Brand und Malin Kasselmann aus den Klavierklassen von Ruth Witte und Jörg Zumstrull variable Tempi und fein ineinander laufende Klavierstimmen. Gesang ist für Musiker und Lehrer Christoph Alexander Stallkamp auch Psychologie und Entdeckung der eigenen Stimme. Ihren Stimmen vertrauen glücklicherweise Hannah Altevogt an den Tasten und Sofie Naber am Mikro. Sie entfalten im intensiven Wechsel zwischen Gesangssolo und gemeinsamem Refrain das melancholische „Titanium“.

Mit Gespür für pointierte Melodien und runde Tempowechsel erzeugt Pauline Berstermann in „Don’t think, just enjoy“ von Micha Keding Spannung an den Tasten. Und Amelie Pohlmann beweist mit Joline Brand am Flügel mit „To Our Generation“, dass sie nicht nur bärenstark komponieren und mit einer Klasse-Duettpartnerin singen kann, sondern gleichzeitig mit dem Popsong kritische Umwelt-Botschaften transportiert.

Wunderschön fließend fühlt sich Maike Loheider in die Dynamik aus Lautstärke, Ton- und Tempobreite von „In un’altra vita“ ein. Für Johannes Bensmann ist die Begleitung von „Bridge of Light“ technisch wohl eher Routine – gemessen an der „Fantasie Impromtu op 66“ von Chopin, die er zum Abschluss rasant und virtuos atmen lässt. Doch er baut angenehm schwebend im „Bridge“-Song Stefanie Schlömann die Basis für eine der selbstbewusstesten Sologesangs-Leistungen des Programms.

„Ich bin stolz auf meine Klasse“, kann Stallkamp mit Fug und Recht auch zum sechsstimmigen „Just the way you are“ und „Just a Dream“ seiner Nachwuchs-Sängerinnen sagen, die die Herausforderung bravourös lösen. Hanna Gausmann und Lea Herkenhoff etwa seien erst seit August dabei. Man darf auf die nächsten Auftritte des Hagener Musiknachwuchses gespannt sein.


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