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Firma zieht um Hagener Maschinenfabrik Hippe: Mit den Wohnhäusern kamen die Probleme

Von Hauke Petersen


Hagen. Zwar endet das letzte Kapitel offiziell erst am 31. Dezember. Eigentlich aber ist die Geschichte der Maschinenfabrik Friedrich Hippe in der Hagener Obermark seit dem Umzug an die Töpferstraße beendet. Zeit für einen Blick zurück.

1954 gründete der Oberingenieur Friedrich Hippe das Unternehmen als Ausgliederung des Siemens-Konzerns. Heute würde man das einen klassischen Spin-off nennen. Friedrich Hippe fungierte damals als Betriebsleiter, der Inventar, Aufträge und sogar eine Umsatzgarantie von Siemens bekam. Schon damals war die Richtung vorgegeben: Es wurde produziert unter der Überschrift „Alles rund um die Eisenbahn“. Einen nennenswerten Teil machte aber auch der Stahlbau aus. So errichtete Hippe über die Jahrzehnte unter anderem mehrere Reithallen und sogar die futuristische Stahlkonstruktion vor der Stadthalle.

50 Mitarbeiter –vornehmlich aus Hagen und Georgsmarienhütte – arbeiteten zum Start an der Hüttenstraße. „Wir haben schon relativ groß angefangen“, sagt Dr. Hendrik Hippe, der jetzige Geschäftsführer und Enkel des Firmengründers. Er selbst war damals noch nicht geboren, kennt aber vieles aus Erzählungen.

Den für Hagener Verhältnisse außergewöhnlichen Beginn verdeutlichen auch die ersten Bilder aus diesen Tagen. Statt eines Betriebsgebäudes sind darauf schon bis zu fünf aneinandergrenzende Hallenteile zu erkennen. Die Zahl der Arbeitnehmer hatte sich keine zehn Jahre nach der Gründung auf mehr als 100 verdoppelt.

Auf Fotos aus der Gründerzeit sieht man aber noch etwas anderes – oder vielmehr, man sieht es so gut wie gar nicht: Wohnhäuser. Die ersten Jahre produzierte Hippe noch in einem Umfeld, das man heute Außenbereich nennen würde. Das damalige Standesamt schräg gegenüber der Einfahrt zum Hippe-Gelände kam dem Betrieb am nächsten. Erst allmählich rückte die Wohnbebauung näher und damit auch die Probleme. Zwar war Hippe zuerst da, doch sorgten Erweiterungen nicht nur für weitere Arbeitsplätze, sondern auch für mehr Lärm und damit Ärger mit den Nachbarn.

„Damit hatte vor allem mein Vater zu kämpfen“, sagt Hendrik Hippe. Im Jahr 1973 hatte Diplom-Ingenieur Hans-Gerhard Hippe die Unternehmensspitze von seinem Vater Friedrich übernommen. Fast 200 Männer und Frauen arbeiteten damals für die Maschinenfabrik, die sich unter der neuen Führung sukzessive von Siemens löste und andere Kunden hinzugewann. Die Firma wuchs weiter, Hallen wurden neu gebaut, vergrößert. Ein dringender Schritt, um im Wettbewerb mitzuhalten, war laut Hendrik Hippe die Automatisierung der Arbeitsabläufe. Sie wirkte sich allerdings negativ auf die Zahl der Beschäftigten aus.

Mit der Installierung eines Qualitätsmanagements und ständiger Weiterbildung der Arbeitskräfte machte Hans-Gerhard Hippe aus einem Betrieb mit Tradition ein modernes Unternehmen. Das war freilich nicht gefeit vor negativen Entwicklungen. Mit der Privatisierung des Staatsbetriebs Deutsche Bundesbahn Anfang der 90er-Jahre fiel ein Stück Planungssicherheit weg. Die größte Krise aber kam 2004, als die Belegschaft halbiert wurde.

Diesen Schritt nahm schon Henrik Hippe vor, der seinen Vater 2003 als Geschäftsführer beerbt hatte. Er entschied sich auch dafür, den Stahlbau einzustellen, „weil wir damit kein Geld mehr verdient haben“. Die Konsolidierung gelang, inzwischen ist Hippe laut seinem Geschäftsführer wieder ein sehr gut positioniertes Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern. Beleg dafür ist nicht zuletzt die 5,5 Millionen Euro teure Investition in Natrup-Hagen.