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Hagener Maschinenfabrik räumt bis Sonntag endgültig den Standort in der Obermark Hippes Zukunft wird sauberer


Hagen. Beim Betreten des Bürotrakts in der neuen Hippe-Zentrale in Natrup-Hagen fällt der Blick als Erstes auf einen besonders grünen Weihnachtsbaum. Noch stehen die roten Kugeln und die Lichterkette verpackt daneben. Ein Sinnbild für das gesamte Projekt Umzug: Das Wichtigste, das Gerüst, steht. Bis zum Wochenende soll auch das letzte Detail den Weg an die Töpferstraße gefunden haben.

Hendrik Hippe steht im Eingangsbereich und telefoniert. Es geht um warmes Wasser und Heizung im alten Standort an der Hüttenstraße. Der Öltank ist fast leer, ihn aufzufüllen lohne nicht mehr, sagt der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Hippe. Die neuen Gebäude werden ausschließlich mit Gas beheizt. Nur eine Nebensache, aber sie zeigt, wie vielschichtig dieses Multi-Millionen-Euro-Projekt ist.

Am Sonntag ist alles vorbei. Dann sollen die letzte Verbindungsstange, das letzte Aluminiumblech und auch der letzte Mitarbeiter in Natrup-Hagen angekommen sein. Die tonnenschweren Maschinen sind bereits dort. Gerade wird die letzte und mit 40 Tonnen schwerste Maschine auf den 24 Meter langen Schwertransporter geladen. Dafür müssen zwei Hightech-Gabelstapler zusammenarbeiten. Sie können jeweils 25 Tonnen heben. „Früher wurde das mit einem Riesenkran gemacht“, erinnert sich Hippe. Jetzt hat Hippe die auf Betriebsumzüge spezialisierte Firma Hess aus Düsseldorf engagiert. Es läuft alles reibungslos.

Die Verwaltung zum Beispiel ist schon fast vollständig umgezogen. Ein Großraumbüro, dazu kleinere Einheiten, jeweils durch Glaswände voneinander getrennt – alles wirkt sehr hell. Nach Provisorium sieht es am ehesten noch im Büro des Chefs aus. Umzugskartons an der Seite, ein Aktenschrank fehlt völlig. Aber Hendrik Hippe verbringt in diesen Tagen sowieso viel Zeit außerhalb seiner vier Arbeitswände.

Zum Beispiel in der großen Werkshalle. Auch hier ist es sehr hell. Dafür sorgen breite Oberlichter-Bahnen aus Glas. „Hier ist es tagsüber auch ohne Licht viel heller als in der alten Halle mit Licht.“ Am Boden durchziehen gelbe Markierungen den 9000 Quadratmeter großen Gebäude-Komplex. Sie trennen die Maschinen von den Fahrwegen der Gabelstapler.

Angenehm warm ist es hier, während draußen der Wind die minus sieben Grad noch kälter werden lässt. „Dabei haben wir die Heizung noch gar nicht an“, sagt Hippe. Ein Umzug in eine sauberere Zukunft: „Wir haben eine Energieersparnis von 50 Prozent.“ Ein gar nicht hoch genug zu bewertender Wirtschaftsfaktor für eine Maschinenfabrik. Bisher musste ein 80000 Liter fassender Öltank im Winter mehrmals aufgefüllt werden. Da fällt die Entscheidung für so ein 5,5 Millionen Euro teures Projekt auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht leichter.

Gerade laden zwei der insgesamt 70 Mitarbeiter einen 40-Tonner direkt in der Halle mit dem Gabelstapler aus. Am alten Standort hätte ein Lkw nicht ins Gebäude gepasst. Hippe stellt klar: Größer sei die Hallenfläche nicht geworden. Allein die bessere logistische Anordnung macht das Arbeiten leichter. An der Hüttenstraße ist immer wieder an- und umgebaut worden, bis das Areal ein riesiger Flickenteppich wurde.

Hier an der Töpferstraße grenzen die beiden Schweißereien direkt an die große Maschinenhalle. Während die meisten Kollegen noch an ihren Maschinen schrauben oder mitten im Umzug stecken, wird in der hinteren Halle schon Stahl geschweißt. Dass es nicht nach Arbeit riecht, liegt sicher auch an der nach Hippes Auskunft wesentlich effizienteren Lüftungsanlage.

Durch die Aluminium-Schweißerei gelangt man zur Lackieranlage. Sie stellt eine der wenigen Neuanschaffungen des Unternehmens dar. Eine Million Euro wurden investiert in zwei neue Lackier- und eine Trocknungseinheit. Automatisiert läuft aber auch in Zukunft nicht viel. Hippe: „Dafür produzieren wir eine viel zu geringe Stückzahl.“

Derzeit stockt die Produktion selbstverständlich, obwohl tatsächlich an beiden Standorten parallel gewerkelt wird. In den Hallen im Ortskern ist es sogar vergleichsweise laut. Hier vollzieht die alte Lackiererei ihre allerletzten Arbeitsschritte, nebenan entsteht eine Dachkonstruktion für die Düsseldorfer Rheinbahn, und draußen fliegen Regalteile aus den Bürofenstern in bereitgestellte Container.

Der Kontrast zum modernen Neubau ist allgegenwärtig. Ruß von Jahrzehnten bedeckt Wände und die teils sehr niedrigen Decken. Am Boden gesellt sich Maschinenöl dazu. Alles ist dunkel und schmutzig – und vor allem bitterkalt. „Dabei haben wir hier die Heizung an“, betont Hippe.

Der Geschäftsführer geht voran durch ein Labyrinth von Hallen, alle verschieden groß, hoch und einige sogar höher gelegen als andere. Ein Beispiel dafür ist der Feingerätebau direkt über dem Aldi. Hier steht noch alles voll. Friedel Heitmeyer hat gerade erst angefangen, die ersten Kisten zu packen. „Heute kam das Kommando“, sagt der 61-Jährige. Er ist seit 45 Jahren im Betrieb, und damit dienstältester Mitarbeiter. „Ich weiß noch, wie ich hier Kartoffeln gesucht habe“, sagt er mit Blick aus seinem Panoramafenster ins Wohngebiet. Obwohl er diesen schönen Arbeitsplatz verliert, kommt Trauer bei Heitmeyer nicht auf. Er hatgelernt, flexibel zu seinnach mehreren Umzügen innerhalb des Gebäudekomplexes.

Anders geht es seinem Chef. Als zum Ende des Rundgangs ein Kühlschrank aus seinem Ex-Büro geflogen kommt, gesteht er, dass es schon ein wenig schmerze. Der Weihnachtsbaum in Natrup-Hagen wird diesen Schmerz möglicherweise etwas lindern. Inzwischen ist er jedenfalls geschmückt.


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