Das halbe Dorf auf den Beinen Hagener Martinsmarkt hilft Kindern in Westafrika

Freudig verkauften die Kinder ihre selbstgebastelten Dinge. Foto: Petra PieperFreudig verkauften die Kinder ihre selbstgebastelten Dinge. Foto: Petra Pieper

Hagen. Auf die Minute, Punkt 15 Uhr - so will es die Tradition - öffnete in der Grundschule St. Martin Schulleiter Martin Hobelmann die Doppelflügeltür zur Sporthalle und ließ die wartenden Besucher zum Martinsmarkt ein. Die konnten mit Dekoartikeln und Kartoffelpuffern Gutes tun.

Wie alljährlich gab es wieder einen regelrechten Run auf selbst gebastelte Geschenke, Plätzchen und Brotaufstriche. „Es ist schon erstaunlich, was die Kollegen jedes Jahr wieder an neuen attraktiven Ideen entwickeln und umsetzten“, lobte Hobelmann das Engagement der Lehrkräfte.

Sie hatten die Kinder zu bewährten und neuartigen Bastelarbeiten angeleitet. Da gab es das „Haus von Nikolaus“ neben weißgoldenen Rauscheengeln, Kerzen und Lichter aller Art, Tischkarten, Einkaufstaschen mit Kirsch-Deko und vieles Schöne mehr. Neuester Trend: Upcycling: So entstanden zum Beispiel aus gebrauchten Milchtüten kleine Geldbörsen und der schicken Vase sah man ihre Herkunft als Shampooflasche nicht mehr an.

Nach nur einer Stunde waren die Verkaufstische zum überwiegenden Teil abgeräumt und die Besucher - gefühlt war das halbe Dorf auf den Beinen - konnten sich in Ruhe der Kaffeetafel des Fördervereins zuwenden und Gespräch mit Bekannten und Freunden pflegen. Am Ausgang lockte dann vor dem Heimweg noch der Kartoffelpufferstand der ehemaligen pädagogischen Mitarbeiter, die am Vortrag über einen Zentner Kartoffeln geschält hatten. Alle Zutaten - Kartoffeln, Eier und Öl, ebenso wie Kaffee und Kuchen, waren Spenden, zumeist der Eltern oder ortsansässiger Geschäfte, so dass mit einem ordentlichen Erlös zu rechnen sein dürfte. „Wir hoffen, dass wir die in den letzten Jahren angepeilte 5000-Euro-Marke knacken“, wagte der Rektor eine erste Prognose.

Kaplan Coffi freut sich, dass mit dem Erlös des Martinsmarkts ein Kinder-Bildungsprojekt in Benin gefördert werden soll. Foto: Petra Pieper

Der Martinsmarkt wird an der Schule schon seit mindestens zwanzig Jahren in der Woche des Namenspatrons gefeiert und der Erlös jeweils einem sozialen Projekt, abwechselnd in der Umgebung oder in einem fernen Land gespendet. In diesem Jahr soll ein Kindergarten- und Schulneubau in der Heimat von Kaplan Coffi Regis Akakpo gefördert werden.

Bis zu 80 Kinder werden in Adjahonme im westafrikanischen Benin in diesem Bildungszentrum Französisch lernen - die Voraussetzung für die Teilnahme am regulären Schulunterricht. „Die Kinder sprechen zu Hause nur die regionalen Dialekte und würden ohne diese Vorbereitung in der Schule nichts verstehen“, erläutert Kaplan Coffi die Notwendigkeit. Ohne schulische Bildung aber haben die Kinder keine Chance, sich aus der verbreiteten Armut zu befreien.


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