Pilzexkursion am Jägerberg Vorsicht vor giftigen Doppelgängern

Während einer Pilzexkursion am Silbersee bestimmte Siegmar Birken die gefundene Exemplare vor Ort..  Foto: Jörn MartensWährend einer Pilzexkursion am Silbersee bestimmte Siegmar Birken die gefundene Exemplare vor Ort.. Foto: Jörn Martens

Hagen a TW.. Bei einem Waldspaziergang am Hüggel gab Pilzexperte Siegmar Birken Erläuterungen zur heimischen Pilzwelt.

Nachdem im letzten Jahr wegen der Trockenheit nur sehr wenige Pilze zu finden waren, sieht es seit Mitte September gut aus für Pilzfreunde: Reichlich Regen und moderate Temperaturen lassen in diesen Tagen die Fruchtstände der Pilzmycele vielerorts regelrecht „schießen“, erläuterte der Ibbenbürener. So auch im Wald unweit der Gaststätte „Jägerberg“, wo Markus Hehmann von der AG Natur und Umwelt den Referenten und rund 30 Teilnehmer begrüßte.

Zu Beginn der Exkursion stellte Birken zunächst eine umfassende Sammlung von Pilzen vor, die er in den letzten Tagen in der Umgebung gefunden hatte: schmackhafte Speisepilze ebenso wie zwar hübsch anzusehende, aber giftige Exemplare: Braunkappen und Maronen, Boviste und Schirmlinge, Birkenröhrlinge, Fliegenpilze, grünblättrige Schwefelköpfe und viele andere. Ein besonders auffälliges Exemplar eines Kiefernporlings hatte Christoph Westerbusch aus seinem Garten mitgebracht. Der ist nicht zum Verzehr geeignet, genauwenig wie der Erdstern, eine dunkle, unauffällige Pilzschönheit, die bei Berührung ihre Sporen ausstaubt und deshalb im Volksmund „Schnupftabak des Teufels“ genannt wird, oder der Zunderporling, mit dem früher tatsächlich Funken geschlagen wurden, und der heute bei Floristen sehr beliebt ist.

Auf Warnzeichen achten

Wer Pilze zum Verzehr sammeln möchte, sollte in der Bestimmung sehr sicher sein, denn viele essbare Arten haben giftige Doppelgänger. Leicht verwechselt werden Perlpilz und Pantherpilz, giftige und ungiftige Arten des Parasolpilzes oder, ganz dramatisch, Champignons und giftige Knollenblätterpilze. Warnzeichen sind die weißen Lamellen des letzteren, wohingegen die des Champignons rosa bis grau sind. Grundsätzlich bilden Form und Beschaffenheit von Hut und Stiel, Lamellen oder Röhren an der Hutunterseite, Geruch und Farbe wichtige Bestimmungsmerkmale.

Die giftigen Knollenblätterpilze rechts werden leicht mit dem weißen Champignon verwechselt, hier links im Bild. Foto: Jörn Martens

Ein sehr beliebter Speisepilz ist der Steinpilz, den es laut Birken in diesem Herbst „massenhaft“ gibt. Zur Zubereitung empfahl er: „Nicht waschen, nur mit einem trockenen Tuch abwischen oder mit einem Messer bearbeiten, in dünne Scheiben schneiden und mit Zwiebeln oder Speck in Butter anbraten.“ Erstaunlicherweise würde der Steinpilz von Wildschweinen, die doch eigentlich Allesfresser sind, verschmäht.

Drehen oder schneiden?

Soll man Pilze rausdrehen oder abschneiden? Wer sicher ist, kann den Fruchtkörper abschneiden und damit das Mycel weitgehend unbeschädigt lassen; wer unsicher ist in der Bestimmung dreht den Pilz heraus und kann dann sehen, ob er einen knolligen Stiel (meist giftig) hat und wie die Lamellen aussehen. Oft gebe es Grenzfälle, wie zum Beispiel den netzstieligen Hexenröhrling, der gegart essbar ist, „wenn auch nicht sehr schmackhaft“, so Birken, der aber roh oder in Verbindung mit Alkohol giftig ist. Schneidet man ein Stück aus seinem Fruchtkörper heraus, verfärbt es sich spaktakulär gelb, grün und blau. Eine lila Färbung im Innern des Kartoffelbovists sollte eine Warnung sein: „Halt Stopp, nicht essen!“ Andere Boviste hingegen seien ungiftig, wenn sie innen weiß seien. Zur Bestimmung von Pilzen empfahl Birken unbedingt moderne Ratgeber, weil in der Vergangenheit oft andere Einschätzungen bezüglich der Giftigkeit gegolten hätten, sowie den Rat von Experten.

Auch den Klassiker unter den giftigen Pilzen hatte der Experte als Anschauungsmaterial mitgebracht: Der Fliegenpilz Foto: Jörn Martens

Den konnten die Teilnehmer im zweiten Teil der Exkursion bekommen. „Mir gefällt, dass ich hier im Wald direkt die Kenner fragen kann“, lobte Axel Laufenberg die Veranstaltung. „Ich sammle nur Sorten, die ich sicher kenne“, ist das Sicherheitskonzept von Stefanie Lücke aus Hasbergen. So macht es auch Hannelore Leffler, die schon seit ihrer Jugendzeit mit dem Sammeln von Pilzen vertraut ist. Sie füllte ihr Körbchen mit Maronen und Braunkappen. Ganz auf Nummer sicher ging auch Kurt Thies, er konzentrierte sich auf die Fotopirsch.

Eine letzte Exkursion in die Pilze veranstaltet Siegmar Birken am Samstag, 5. Oktober, um 14.30 Uhr; Start: Café Rabbel, Marktplatz Tecklenburg.


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