Bach im böhmischen Rahmen Musikantischer Schwung bei "Musica Viva"

Das Concerto Köln spielt in Begleitung eines Cembalo (statt der angekündigten Violine) Sinfonien von Jan Dismas Zelenka in der Ehemaligen Kirche in Hagen. Foto: David EbenerDas Concerto Köln spielt in Begleitung eines Cembalo (statt der angekündigten Violine) Sinfonien von Jan Dismas Zelenka in der Ehemaligen Kirche in Hagen. Foto: David Ebener

Hagen. Der Abend mit dem Orchester "Concerto Köln" zeigt wieder einmal, dass dieses auf Alte Musik spezialisierte Ensemble nicht im geringsten museal klingt. Selbst der Überhall in der Ehemaligen Kirche von Hagen tut dem Hörvergnügen bei sehr großem Publikum keinen Abbruch.

Das Programm trägt den Titel "Bohemian Rhapsody" weil zwei Komponisten aus Böhmen stammen. Jan Dismas Zelenkas Ouvertüre (Suite) F-Dur, ZWV 188 bietet barocke Klangarchitektur in vorwiegend kurzen Phrasen. Das gibt "Concerto Köln" besonders viele Freiheiten zu einer schneidigen Gestaltung. So tritt etwa ein Thema aus dem ersten Satz durch auffällige Beschleunigungen überdeutlich hervor. Das zweite Menuet klingt dagegen sehr weich, da nur die Theorbe den Bass unterstützt .Am besten passt die kurze Motivik zum lebhaften Schluss. Hier setzen die Kölner ganz bewusst noch "einen drauf".

Franz Ignatz Anton Tuma, der Komponist einer Sinfonia in B-Dur, gehört schon zur Generation der Söhne Johann Sebastian Bachs. Da erklingen bereits hier und da Seufzer Motive im Stile der Empfindsamkeit. "Concerto Köln" versteht es glänzend, den musikalischen Zugriff je nach Bedarf zu spannen und zu lockern. 

Der im Programm angekündigte Solist auf der Geige hatte eine überraschende Unpässlichkeit erlitten. Man weiß sich aber zu helfen. Kurzerhand wird Johann Sebastian Bachs Konzert d-Moll , BWV 1052 in der Urfassung für Cembalo und Streicher aufgeführt. Souverän stellt sich Cembalist Markus Märkl der Herausforderung, vom Continuo in den Sattel des Solisten zu springen. Beim Adagio halten sich die sonst so temperamentvollen Kölner deutlich zurück, um die rasch verklingenden Cembalo -Töne möglichst gesanglich erscheinen zu lassen. Besonders offen liegt der Tastenpart im letzen Satz, was Märkl reizvolle Möglichkeiten zur Gestaltung bietet. 

Johann Sebastian Bachs Ouvertüre (Suite) Nr. 1, C-Dur, BWV 1066 sorgt für einen voluminösen Abgang. Auch die Bläser, Oboen und Fagott, erhalten in mehreren Sätzen Raum zur Entfaltung. "Concerto Köln" musiziert homogen und gut ausbalanciert. Dennoch, spritzige Akzente dürfen an passender Stelle natürlich nicht fehlen. Dazu brauchen die Kölner keinen Dirigenten. Es genügt ein Kopfnicken vom Konzertmeister Markus Hoffmann. 


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