"Der Grenzstein steht richtig" Schnatgang der Heimatvereine Hagen, Lengerich und Lienen

Von Christof Spannhoff

Die Vertreter der Heimatvereine und Kommunen Hagen, Lengerich und Lienen überprüften am Wochenende Standort und Zustand des Grenzsteins. Foto: Heimatverein HagenDie Vertreter der Heimatvereine und Kommunen Hagen, Lengerich und Lienen überprüften am Wochenende Standort und Zustand des Grenzsteins. Foto: Heimatverein Hagen

Hagen. Ob der Grenzstein am „Dreiländereck“ zwischen Hagen, Lengerich und Lienen immer noch an der richtigen Stelle steht, diese Frage interessierte am vergangenen Samstag zahlreiche Heimatfreunde. Der Organisator des Grenzsteintreffens Hans-Dieter Welp vom Heimatverein Lengerich begrüßte daher gut 40 Teilnehmer zur traditionellen Grenzbegehung bei bestem Sommerwetter.

Nachdem die Vorsitzenden der Heimatvereine und die Bürgermeister der Kommunen Standort und Zustand des Grenz- oder Schnatsteins überprüft und für einwandfrei befunden hatten, konnte die Richtigkeit der Grenze dann auch begossen werden: Kiepenkerl Günter Tierp schenkte für alle Beteiligten einen „Schnat-Schluck“ aus – natürlich stilecht aus dem Zinnlöffel. 

Geschichte der Grenze

Der Vorsitzende des Heimatvereins Lengerich,  Alois Thomes, dankte allen Teilnehmern und vor allem dem Organisator Hans-Dieter Welp. Historiker Christof Spannhoff  vom Heimatverein Lienen berichtete den „Schnatgängern“ aus der Geschichte der Grenze, die ehemals die Grafschaft Tecklenburg vom Fürstbistum Osnabrück sowie zwischen 1815 und 1866 die Königreiche Preußen und Hannover schied und nach dem Übergang Hannovers an Preußen  im Jahr 1866 die Provinzen Hannover und Westfalen beziehungsweise später die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen trennte und bis heute trennt. 

1827 wurde ihr genauer Verlauf festgelegt und mit Grenzsteinen versehen, 1843 dann eine genaue Karte angelegt. Im Großen und Ganzen gilt diese Festsetzung bis heute. Spannhoff hatte auch ein paar Grenzanekdoten parat. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Streitigkeiten.

Axt in den Tisch geschlagen

Schlagbäume und Grenzzeichen wurden aufgestellt und wieder eingerissen und die Einwohner von Lienen und Hagen jeweils vom gegnerischen Landesherrn drangsaliert. 1606 platze deshalb einem Hagener Bauern der Kragen: Als die Tecklenburger und Osnabrücker Räte damals wieder einmal zu Beratungen in Hagen versammelt waren, betrat Johann Rhotert aus Gellenbeck grußlos den Raum, beschimpfte die Anwesenden und hieb mit einer Axt in den Tisch. Deshalb wurde er zu fünf Talern Strafe verurteilt.

Schusswechsel zwischen Hagenern und Tecklenburgern

Dass es im Grenzbereich – nicht nur zur Hagener Kirmes – auch durchaus gefährlich für die Lienener und Lengericher sein konnte, zeigt ein etwas früherer Fall aus dem Jahr 1588: Die Jäger des Tecklenburger Grafen beabsichtigten, auf Hagener Gebiet zu jagen. Als sie sich mit ihren Hunden sammelten, wurden aber in Hagen die Glocken geläutet und die Einwohner des Ortes kamen zusammen. Man ließ die Jäger zunächst das Waidwerk verrichten, aber als sie schließlich von dannen ziehen wollten, wurde aus den Reihen der Hagener auf die Tecklenburger Jäger geschossen. Die Tecklenburger erwiderten daraufhin das Feuer. Ob jemand bei dem Schusswechsel zu Schaden kam oder ob es sich nur um ein „Säbelrasseln“ gehandelt hat, ist leider nicht überliefert.

Stärkung im "Holperstübchen"

Im Anschluss fanden sich die Schnatgänger zur Stärkung im Lienener „Holperstübchen“  ein. Hier berichtete Friedel Stegemann, Vorsitzender des Heimatvereins Lienen, noch ein paar launige Grenzgeschichten aus der Gegenwart und präsentierte den Anwesenden den entsprechenden Ausschnitt der Grenzkarte von 1843. Bei Kaffee und Kuchen klang damit ein erfolgreiches und harmonisches Grenzsteintreffen aus.


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