Mit Pferd und Maus zu Gott finden Hofgottesdienst in Natrup-Hagen gefeiert

Während des Hofgottesdienstes brachte der Priester Dr. Rainer Hagencord (rechts stehend) den rund 200 Gläubigen die Bedeutung der Tiere in der Bibel näher. Foto: Michael PohlWährend des Hofgottesdienstes brachte der Priester Dr. Rainer Hagencord (rechts stehend) den rund 200 Gläubigen die Bedeutung der Tiere in der Bibel näher. Foto: Michael Pohl

Hagen. Am Samstag lud Susanne Meier-Plogmann interessierte Bürger der Kirschgemeinde zu einem Hofgottesdienst nach Natrup-Hagen ein. Unter dem Motto „Pferd und Maus“ versammelten sich runde 200 Gläubige im Stall des Hofes.

„Mich haben die Skandale der Vergangenheit aufgerüttelt“, antwortete Meier-Plogmann auf die Frage, warum sie eine Hofmesse veranstalten wollte. Sie hoffe dass nun eine "Eiterblase" geplatzt sei und die Kirche sich nach sexuellen Missbräuchen und Vertuschungen auf den Weg begeben könne, sich zu erneuern. Deshalb habe sie sich die Frage gestellt ,wie Kirche in heutiger Zeit neue Wege beschreiten könne.

Zurück zum Ort der Geburt Jesu

Eines ihrer Anliegen sei dabei, dass es nicht alleine der hauptamtliche Klerus sein muss, der den Menschen Antworten biete. „Die Laien sollten viel mehr Beachtung finden.“ Aus diesem Grund bot Meier-Plogmann ihren Stall als Ort für einen Gottesdienst an. Denn auf diese Weise würden die Gläubigen quasi zu ihren Wurzeln zurückkehren. Schließlich sei auch Jesus in einem Stall geboren worden.

Als Zelebranten gewann Meier-Plogmann den Leiter des Instituts für theologische Zoologie in Münster, Dr. Rainer Hagencord. „Die Kirche hat die Tiere völlig verdrängt.“ Gerade im Zeichen der sich anbahnenden Klimakatastrophe sei es wichtig, dass sich die Menschen wieder der Bedeutung der Tiere bewusst würden, so Hagencord weiter. Deshalb liege ihm die theologische Würdigung der Tiere besonders am Herzen.

Dr. Rainer Hagencord übte während seiner Predigt harsche Kritik am Schweigen der Kirche zum Klimawandel. Foto: Michael Pohl

Durch den gemeinsamen Hufschmied Mathias Richter seien Hagencord und Meier-Plogmann auf die Idee gekommen, eine Messe zu gestalten, in deren Mittelpunkt die Tiere stünden. Bei der Vorbereitung fiel ihnen auf, dass zahlreiche Stellen der Bibel Bezug auf Tiere nehmen. „Lässt man alle Stellen weg, die mit Tieren zu tun haben, bleibt von den der Bibel nicht viel übrig“, kritisierte Hagencord.

Kirche darf zum Klimawandel nicht schweigen

Harsche Kritik an den Kirchen übte Hagencord ebenfalls im Zusammanhang mit dem Klimawandel. Es könne nicht sein, dass Kirche im "Angesicht der Klimakatastrophe schweige." Denn, so der Geistliche, der Mensch sei nicht die Krone der Schöpfung, sondern der sonntägliche Friede mit den Tieren und der Natur.

So nahmen viele Elemente des Familiengottesdienstes im Stall von Meier-Plogmann Bezug auf biblische Stellen mit Tieren. Die Lesung etwa beschäftigte sich mit der Geschichte einer Eselin, die eher als ein Prophet einen Engel bemerkte, der sich den beiden während ihrer Reise in den Weg stellte.

Diese Stelle griff der 1987 zum Priester geweihte Hagencord auf, um den versammelten Gläubigen die Fähigkeiten der Tiere vor Augen zu führen. Auch er habe in seiner Arbeit mit Tieren besondere Erfahrungen gemacht. So schilderte der Geistliche den Besuch von durch einen Schlaganfall gehandicapter Menschen auf einer Weide mit Eseln. Dabei sei es den Tieren gelungen, durch den körperlichen Kontakt bei den Menschen für Entspannung zu sorgen.

Gott im Augenblick erfahren

„Das war bestimmt eine Gotteserfahrung“, ist Hagencord überzeugt. Nach seiner Ansicht könne man solche Erfahrungen nicht machen, indem man sie verzweifelt suche, sondern man könne „Gotteserfahrungen nur im Augenblick machen.“ Weil Tiere immer den Augenblick lebten, seien sie für die Menschen Vorbilder wie man Gott näher kommen könne.

Ein Marienlied aus dem 13. Jahrhundert brachten zwei Dudelsackspieler zu Gehör. Foto: Michael Pohl

Im Anschluss an die Stallmesse lud Meier-Plogmann die Gläubigen zu einem Buffet in die Garage des Hofes ein. Wer wollte, durfte sich eine echte Vogelfeder als Friedensgruß mit nach Hause nehmen.


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