Dank für ein "wunderbares Wohnprojekt" Schlüsselübergabe an acht junge Hagener Frauen mit Handicap

Mit großem Aufwand saniert und behindertengerecht umgebaut, damit hier eine Frauenarzt-Praxis im Erdgeschoss sowie zwei Wohngemeinschaften für junge Menschen mit Handicap einziehen können: das Haus Jahnstraße 4 am Gibbenhoff. Foto: ElbersMit großem Aufwand saniert und behindertengerecht umgebaut, damit hier eine Frauenarzt-Praxis im Erdgeschoss sowie zwei Wohngemeinschaften für junge Menschen mit Handicap einziehen können: das Haus Jahnstraße 4 am Gibbenhoff. Foto: Elbers

Hagen. Premiere für ein "Leuchtturmprojekt" in der Kirschgemeinde: Im komplett sanierten historischem Gebäude Jahnstraße 4 sind in den beiden oberen Etagen Räume für zwei Wohngemeinschaften entstanden. Jungen Menschen mit Handicap wird hier künftig ein selbst bestimmtes Leben ermöglicht. Wie in Hagen Inklusion gelebt wird.

Schon die Zahl von mehr als 50 Teilnehmern, die am Donnerstagabend zur Eröffnung der von der Gemeinde im Zuge der Ortskernsanierung zu einem Stadthaus umgebauten Immobilie Jahnstraße 4 am Gibbenhoff erschienen waren, hat deutlich gemacht, dass hier etwas Besonderes passiert. Dies gilt gleich in doppelter Hinsicht. 

Gausmann: Ein ganz wichtiges Projekt geglückt

Zum einen ist ein lange leer stehendes, marodes Gebäude, das Ende der 1920er Jahre das erste dreigeschossige Haus in der Gemeinde war, mit großem Aufwand saniert worden. Zweitens wird in den hier entstandenen acht Appartements künftig ein attraktives Wohnprojekt für junge Menschen mit Behinderung angeboten. So hat es am Donnerstag auch sowohl bei den Vertretern von Politik und Verwaltung, als auch bei den neuen Mietern und ihren Eltern mehr als zufriedene Gesichter gegeben.

Bürgermeister Peter Gausmann hat in seiner kurzen Rede dann auch noch einmal an die Geschichte der Jahnstraße 4 erinnert. Das Haus habe einst zunächst dem Kaufmann und Wirt Johann Heinrich Konersmann gehört und sei über vier Generationen Standort der ältesten Schlachterei Hagens gewesen. "Das war ein Markenzeichen für leckere Würstchen und Feinkost", wie Gausmann herausstellte.   

1892 wurde das Gebäude dann nach dem großen Brand von Hagen zunächst mit einer Höhe von eineinhalb Geschossen neu aufgebaut. Ergebnis: Es war "wesentlich repräsentativer" als das alte Gebäude. Gausmann ging in seinem Rückblick auch darauf ein, dass der Schwiegersohn Konersmanns, Johann Heinrich Andreas Herkenhoff, der zwischenzeitlich Eigentümer geworden war, zu den Mitbegründern des ersten Hagener Elektrizitätswerk zählte und mit seiner "Bäckerei, Schlachterei und Gastwirtschaft, die als erste die Berechtigung hatte, auf der Kirmes Musik zu machen", den Ort nach vorne gebracht habe. Um 1928/29 ist das Gebäude dann aus Platzgründen auf drei Geschosse aufgestockt worden.

Gruppenfoto nach der Schlüsselübergabe an die junge Frauen der beiden Wohngemeinschaften mit jeweils vier Parteien, die sich bei allen, die zum Gelingen der Lösung beigetragen haben, bedankten. Foto: Elbers

"Zuletzt hat es an der Jahnstraße 4 einen längeren Leerstand gegeben, da ein erheblicher Modernisierungsbedarf ermittelt worden ist. Jetzt ist es durch den Ausbau im Zuge der Ortskernsanierung gelungen, eine neue Nutzung zu ermöglichen", leitete Hagens Bürgermeister dann zur jetzt gefundenen Lösung über. Im Erdgeschoss wird in Kürze ein Frauenarzt seine Praxis eröffnen. Darüber in der ersten Etage und im Dachgeschoss sind behindertengerechte Räume für zwei Wohngemeinschaften entstanden. 

Blick in eine der beiden Gemeinschaftsküchen in den oberen Geschossen der Jahnstraße 4. Die Finanzierung der Küchen-Einrichtung hat die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte übernommen. Foto: Elbers

"Wir freuen uns, dass  hier acht junge Bewohnerinnen mit Handicap einziehen und direkt im Ortszentrum gut leben und wohnen können", machte Gausmann deutlich, dass hier auf einstimmigen Beschluss des Rates ein besonderes Projekt realisiert worden ist. Er dankte Architekten und  Handwerksfirmen, die in dem alten Gebäude mit einigen Herausforderungen in Sachen Brandschutz oder Lüftungsanlage konfrontiert worden seien. Außerdem hob er das Engagement des Vereins zur Förderung Behinderter Menschen (VFB), der Heilpädagogischen Hilfe und von Sponsoren wie der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, die jeweils die Küche in den WG-Räumen finanziert hat, bei der Schlüsselübergabe besonders hervor: "Ich glaube, hier ist ein ganz wichtiges Projekt geglückt. Alles Gute im neuen, alten und wunderschönen Haus."

Elternvertreter: Netzwerk der Tatkräftigen und Willigen

Anschließend dankten zwei Elternvertreter der Gemeinde für das "wunderbare Wohnprojekte", das hier ermöglicht worden sei. Heime-Susanne Tewes stellt hier heraus, dass den jungen Menschen mit Beeinträchtigungen nicht nur zu einem mehr selbstbestimmten Leben verholfen werde, sondern "dies in so einem attraktiven Wohnprojekt im Herzen Hagens" geschehe. 

Ludger Glosemeyer freute sich: "Wir Eltern konnten miterleben, wie die Idee Formen annahm. Wir haben Luxuswohnungen bekommen und auch die klare Zusage, dass die Unterstützung der  Gemeinde mit diesem Projekt nicht enden wird." Es gebe in Hagen ein Netzwerk der Tatkräftigen und Willigen, lautete sein Dankeschön. Zum Schluss wandte er sich an "unsere Töchter", an die jungen und mutigen Frauen, die jetzt mit dem Einzug in die beiden Wohngemeinschaften ihren eigenen Weg gehen: "Danke, dass ihr normal seid." 


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