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Sprachkurs ohne Leistungsdruck Fast wie Ferienspaß: Sommercamp im Schullandheim

Die Werte auf den Dominosteinen in mehrstelligen Zahlen so anzuordnen, dass sich dabei große oder kleine Hausnummern ergeben, vermittelt neben Zahlverständnis auch Sprachgefühl. Ganz unbewusst und beim Spielen. Foto: Ullrich SchellhaasDie Werte auf den Dominosteinen in mehrstelligen Zahlen so anzuordnen, dass sich dabei große oder kleine Hausnummern ergeben, vermittelt neben Zahlverständnis auch Sprachgefühl. Ganz unbewusst und beim Spielen. Foto: Ullrich Schellhaas

Hagen. Im dritten Jahr und zum vierten Mal findet im Schullandheim in Mentrup-Hagen das Sprach-Sommercamp für Flüchtlingskinder statt. Neun Kinder lernen hier Deutsch. Und zwar ganz ohne Leistungsdruck.

„Wir hätten auch noch einen vierten Würfel und könnten also in die Tausender gehen. Sollen wir?“ Die Frage von Eckhard Czulka löst bei den neun Kindern im Saal des idyllisch gelegenen Schullandheims in Mentrup Jubel aus. „Auja... yeah... super“ brüllen sie. Und der Pädagoge und emeritierte Professor murmelt etwas von „Dass das so gut ankommt, das hätte ich nicht gedacht.“

Spielend lernen

Er und seine Frau Elisabeth spielen mit den 7- bis 13-Jährigen gerade „große und kleine Hausnummer“. Bei dem möglicherweise vom Kegeln bekannten Spiel geht es darum, die Würfe, beim Sprachcamp kommen die Ziffern von Dominosteinen oder Würfeln, so anzuordnen, dass dabei drei oder eben vierstellige Nummern herauskommen, die je nach Ansage besonders hoch oder besonders niedrig sein sollen. Hier vermittelt der Spaß neben Zahlenverständnis auch Sprachkenntnisse, denn von den Teilnehmern hat kein Kind Deutsch als Muttersprache gelernt.

Spaß am Basteln und Malen

„Das ist doch kein Lernen, sondern spielen“, sind sich die Mädchen und Jungen denn auch einig und erklären unisono, dass das hier alles extrem viel Spaß mache. Schließlich seien ja Ferien und Zuhause wäre es sowieso viel langweiliger, meinen die Lernenden. Auch das Basteln und die Bilder, die man am ersten Tag schon gemalt habe, hätten viel Freude bereitet. „Jetzt fehlt nur noch Eis und ein Schwimmbadbesuch“, sagten sie.

Förderunterricht

Bei dem einwöchigen Sprach-Sommercamp stehen neben anderthalb eher klassisch orientierten Schulstunden auch anderthalb Stunden Förderunterricht und nachmittags zwei Stunden Spiel und Spaß, beispielsweise Sport, Basteln oder Natur-Erlebnis-Spiele, auf dem Programm. Das gemeinsame Mittagessen gehört ebenfalls dazu. Die Finanzierung und Durchführung des Unterrichts übernimmt die Volkshochschule Osnabrücker Land, die übrigen Kosten trägt die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte.

In den Pausen können die Kinder das Sport- und Freizeitangebot des Landschulheims nutzen, wie etwa die Tischtennisplatte. Foto: Ullrich Schellhaas


Hoher Besuch

Und so hatte sich am zweiten Tag des fünftägigen Sommercamps auch hoher Besuch angekündigt. Heike Siebert von der Stiftung schaute ebenso bei den Kids herein, wie Hagens Bürgermeister Peter Gausmann, der am liebsten darauf bestanden hätte, dass nur Hagener Kinder an dem Programm teilnehmen. Genau genommen lag er damit aber falsch, den die Gemeindegrenze verläuft genau auf der Mitte der Straße, an der die Kinder wohnen. „Und somit wohnen die natürlich streng besehen auf der falschen Straßenseite“, gab der Bürgermeister zu. Nämlich in Georgsmarienhütte.

Außerdem dankte Peter Gausmann der Vertreterin der Stiftung für die finanzielle Unterstützung, die so einen wichtigen und gut angenommenen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leiste. Er und der Rest der Besucher zeigten sich aber auch davon angetan, wie niedrigschwellig und dennoch informativ der Unterricht für den Nachwuchs gestaltet ist.

Ehrenamtliche Facharbeit

Schließlich sind Elisabeth und Eckhard Czulka beide studierte Pädagogen. Sie brachte ihre Karriere bis zur Referentin im niedersächsischen Schulministerium, er war Professor für neue deutsche Literatur, unter anderem in Braunschweig und Kairo. Dass der ältere Herr daher auch einige Worte Arabisch spricht, faszinierte die Kinder dann auch besonders.

Das gemeinsame Mittagessen von Kindern, Eltern und Helfern gehört dazu. Foto: Ullrich Schellhaas


So war dann später auch der Small-Talk, der beim gemeinsamen Mittagessen – es gab Curry-Geschnetzeltes mit Nudeln und Gurkensalat – im Vordergrund stand. Dabei zeigte sich auch eine weitere Besonderheit in diesem Jahr: Die Eltern zweier Geschwister beteiligen sich ehrenamtlich an der Durchführung. Mama hilft bei der Betreuung und beim Basteln. Papa geht dem Hausmeister des Schullandheims zur Hand. Und zum Essen trifft man sich dann.

Vielfältige Hilfen

Diese Tätigkeiten erfolgen ebenso wie die Hilfe von Vorstandsmitgliedern des Trägervereins des Landschulheims, etwa von Christel Steinkamp und Willi Rottmann, oder die Arbeit der Czulkas ehrenamtlich. Auch Angebote wie zum Beispiel die des Hegerings Hüggel, der den Mädchen und Jungen die Lebens- und Naturräume Hain und Flur näherbringen wird, erfolgen unentgeltlich. Schließlich soll das Angebot trotz Fördergeldern preisgünstig bleiben. 


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