Damit immer etwas blüht Hagener und Hasberger Jäger legen Wiesen mit "Langzeitwirkung" an

Die von den Jägern angelegten Blühflächen sind mit Infotafeln gekennzeichnet. Über die sich immer wieder verändernde Blütenpracht freuen sich neben tausenden von Insekten auch (von links) die Hagener Waidmänner Josef Lintker, Carsten Berner und Werner Witte. Foto: Carolin HlawatschDie von den Jägern angelegten Blühflächen sind mit Infotafeln gekennzeichnet. Über die sich immer wieder verändernde Blütenpracht freuen sich neben tausenden von Insekten auch (von links) die Hagener Waidmänner Josef Lintker, Carsten Berner und Werner Witte. Foto: Carolin Hlawatsch

Hagen. Mal gelb, mal orange, dann lila, auf jeden Fall artenreich und farbenfroh von Mai bis Oktober blüht die Saat-Mischung, die Jäger in Hagen und Hasbergen auf insgesamt 20 Hektar Fläche an verschiedenen Stellen ausgebracht haben. „Ein Beitrag zum Insektenschutz und zudem Wohlfühl-Ort für zahlreiche andere Tierarten“, sagen sie.

Es summt und brummt wieder am Höneberg in Hagens Ortsteil Sudenfeld. „Die Fläche verwandelt sich in eine immer neue Blütenpracht. Gerade dominiert die Phacelia, im Spätsommer werden es die Sonnenblumen sein“, freut sich Josef Lintker, Leiter des Hegering Hüggel. 

Einjährige Mischung

Ende April hatte der Landwirt und Jäger, genauso wie zahlreiche seiner Jagd-Kollegen, die artenreiche, einjährige Blühmischung „Honigbrache EU“ ausgesät. Imker haben bei ihrer Entwicklung mitgewirkt. So sei eine Mischung mit besonders hohem Wert für nektarsammelnde Insekten entstanden, die auch zu Zeiten blühe, zu denen ansonsten im Osnabrücker Land Mangelversorgung insbesondere für Bienen herrsche, nämlich dann, wenn Raps, Obstbäume und Weiden im Frühjahr verblüht sind, und noch vor dem Senf im Herbst. 

Eine Wildbiene labt sich an einer Phacelia am Höneberg in Hagen a.T.W.. Die Pflanze wird im Volksmund auch „Bienenfreund“ genannt. Foto: Carolin Hlawatsch


Früher waren von bunten Blüten übersäte Wiesen ein alltäglicher Anblick. Heute dominiert intensiv bewirtschaftetes Grünland, riesige Monokulturen. Wildkräuter werden auf fast allen Feldern mit Herbiziden bekämpft, Wiesenpflanzen bilden aufgrund frühzeitiger und häufiger Mahd nur noch selten Samen aus. Hinzu kommt der Einsatz von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung. All’ das schwächt die Insekten, lässt sie nicht genug Nahrung finden und anfälliger für Krankheiten werden. Durch den starken Insektenschwund fehlen uns Menschen die Bestäuber unserer Obst- und Gemüsepflanzen, und  Tieren wie Vögeln, Amphibien oder kleinen Säugetieren die Nahrungsgrundlage.

Rückzugsort für Wildtiere 

Mit den neu angelegten Blüh-Arealen, unter anderem in Hasbergen nahe des Naturbads, in Sudenfeld an der Sudenfelder Straße oder in Ohrbeck an der Holzhauser Straße, möchten die Jäger einen Beitrag zum Kampf gegen das Insektensterben leisten. Und nicht nur den Insekten wird damit geholfen: „Es hängt ja alles zusammen: Sind die Insekten da, können sich andere Tiere, ja auch die jagdbaren Arten, wiederum von ihnen ernähren. Und die Wiesen mit hochgewachsenen Pflanzen bieten zudem vielen Wildtieren einen Rückzugsort“, erklärt Jäger Werner Witte.   

Insekt auf Ringelblume: Die Ringelblume ist eine von elf Pflanzen der Blühmischung „Agravis Honigbrache EU“, die von der Initiative von Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Landesjägerschaft Niedersachsen und Landesverband Hannoverscher Imker entwickelt und ausgebracht wurde. Foto: Carolin Hlawatsch


Raupen und Ameisen-Eier, die nun in diesen Blütenflächen zu finden sind, sind wahre „Eiweiß-Bomben“, die die Vögel insbesondere in der kräftezehrenden Zeit der Jungenaufzucht benötigen. Neben tierischer Nahrung bieten die Blühflächen und -Streifen auch jede Menge „Grünzeugs“ für Vegetarier wie den Feldhasen. „Der Feldhase braucht eine große Vielfalt an Pflanzen für einen funktionierenden Stoffwechsel. Die großflächig genutzten landwirtschaftlichen Flächen engen sein benötigtes Nahrungsspektrum sehr ein. Zu bestimmten Jahreszeiten bevorzugt der Feldhase Wildkräuter mit gesunder Wirkung, wie zum Beispiel Kamille. Daher kommt auch der Begriff „Hasenapotheke“, weiß Jäger Carsten Berner.

Neben dem Hegering Hüggel haben sich weitere Hegeringe im Osnabrücker Land an der Naturschutz-Maßnahme beteiligt und sie auch selbst mit der Jägerschaft Osnabrück-Land finanziert. So sind rund 160 Hektar an neuen Blühflächen entstanden. 

Die Malve gehört zu den Arten, die aktuell in den, vom Hegering Hüggel angelegten Insektenschutz-Arealen blüht. Foto: Carolin Hlawatsch



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