Online-Befragung der 18- bis 30-Jährigen Alltag und Lebensträume der jungen Hagener

291 junge Hagenerinnen und Hagener haben sich an der Online-Erhebung beteiligt, was einer Quote von 13,6 Prozent entspricht. Foto: David Ebener291 junge Hagenerinnen und Hagener haben sich an der Online-Erhebung beteiligt, was einer Quote von 13,6 Prozent entspricht. Foto: David Ebener

Hagen . Wie zufrieden sind die 2137 Hagener, die zur Altersgruppe zwischen Volljährigkeit und dem 30. Lebensjahr zählen, mit der Lebenssituation vor Ort? Dies ist im Zuge des Beteiligungs-Prozesses zur familiengerechten Kommune per Online-Befragung ermittelt worden. Zu den jetzt im Familienausschuss vorgestellten Ergebnissen zählt zum Beispiel, dass es auch in der Kirschgemeinde von "der Jugend" so nicht gesprochen werden kann.

Der Wertewandel zwischen den zur sogenannten "Generation Z" zählenden unter 25-Jährigen, die wieder, wie "Fridays for Future" zeigt, stärker politisiert sind, und der Generation Y der Jahrgänge bis 1995 ist nach den von Gemeinde-Mitarbeiterin Isabell Mindrup aufbereiteten Zahlen auch in Hagen fest zu machen. Für die mit dem Smartphone aufgewachsen jungen Menschen der ersteren Gruppe ist das Auto nicht mehr so wichtig, sondern ÖPNV und Fahrrad, und auch der Glasfaserausbau habe einen hohen Stellenwert. Die zur vorherigen "Generation Y" zählenden jungen Erwachsenen, die zwar einen technikaffinen Lebensstil haben, aber unter anderem durch unruhige Euro- und Finanzkrise-Zeiten geprägt wurden, sind dagegen unpolitischer und mehr an sozialer Sicherheit interessiert.

40 Fragen zu Schule, Arbeit und Freizeitangebot

Die Befragung: Nachdem beim letzten Mal die Senioren bei der "Familiengerechte Kommune"-Befragung im Mittelpunkt gestanden haben, ist diesmal der Schwerpunkt auf die 18- bis 30-Jährigen gelegt worden. 291 junge Hagenerinnen und Hagener haben sich an der Online-Erhebung beteiligt, was einer Quote von 13,6 Prozent entspricht. Durchschnittsalter der Teilnehmer, von denen 55 Prozent weiblich und 45 Prozent männlich sind: 24,1 Jahre. Knapp die Hälfte sind ledig, rund 40 Prozent leben in einer Beziehung und jeder Zehnte ist verheiratet. Anhand von 40 Fragen sind die Einschätzungen zu Schule und Arbeit, des Freizeitangebots und des Wohnumfeldes ermittelt worden.

Die Lebenssituation: Die Antworten lassen insgesamt erkennen, dass die Befragten einen eher "traditionellen Lebensentwurf" verfolgen. So leben die meisten im Haus der Eltern und mit vier oder mehr Personen unter einem Dach. Nach dem Auszug wird meist eine Mietwohnung genutzt, aber Ziel bleibt in der Regel ein eigenes Heim. Das äußerten rund drei Viertel der Befragten.

Rund die Hälfte der Teilnehmer geht einer festen Beschäftigung als Arbeitnehmer nach, wobei es aber nicht unbedingt ein Arbeitgeber vor Ort sein muss. Knapp jeder Vierte studiert, rund 15 Prozent sind Auszubildende und knapp jeder Zehnte geht noch nur Schule. Mehr als vier Fünftel der Teilnehmer wollen zwei bis drei Kinder und diese auch in der Kirschgemeinde groß ziehen. Dies deckt sich mit den Antworten, dass knapp 90 Prozent auch in Hagen alt werden wollen. Insgesamt erfolgt der Einstieg in die Familienphase später: Die Zahl der Frauen, die ihr erstes Kind mit über 30 kriegen, steigt.

Mehr als die Hälfte ehrenamtlich tätig

Das Engagement: Grundsätzlich gibt es eine hohe Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit: Rund 53 Prozent geben an, sich in einem Verein, im kirchlichen Bereich oder einer Organisation zu engagieren. Rund ein Zehntel von ihnen ist in mehreren Bereichen aktiv. Hier gibt es insgesamt sogar ein noch größeres Potenzial, denn knapp 60 Prozent erklären, grundsätzlich ein weiteres Ehrenamt übernehmen zu wollen. Nach Angaben von Isabell Mindrup hat hier in Hagen auch das Aktiv-Sein in einer kirchlichen Gruppe mit knapp 20 Prozent weiter einen hohen Stellenwert. Ein Wert, der danach doppelt so hoch liegt, wie in vergleichbaren Kommunen. Auch bei der Feuerwehr, bei der knapp sechs Prozent der Befragten Mitglied sind, werden noch Ausbau-Möglichkeiten gesehen – gerade auch, was den weiblichen Anteil betrifft. Als eine Chance, hier den  Personenkreis auszubauen, werden "Modelle zum Reinschnuppern" angeführt, damit sich Interessierte ein besseres Bild von der Tätigkeit bei den Blauröcken machen können.

Freizeitangebote: Hier wird insgesamt die Note zwei bis drei vergeben. Rund die Hälfte ist sehr (17,9 Prozent) oder eher zufrieden (32) und ein weiteres Drittel (34,4) zufrieden. Die Zahl der Unzufriedenen bewegt sich unter der Fünf-Prozent-Marke. Mehr Männer als Frauen sind Mitglied in einem Sportverein. Die Hallen und Freianlagen werden bis zum Alter von 25 Jahren von rund drei Viertel der Befragten genutzt. Danach sinkt die Quote bis zur 30-Jahre-Marke auf knapp 63 Prozent. Allgemein wird der Wunsch geäußert, dass Outdoor-Angebote mehr beworben werden sollten.

Bei den Hagenern im jungen Erwachsenenalter als Treffpunkt beliebt: das Martinusheim, das gerade für rund 1,1 Million Euro saniert wird und vermutlich im Laufe des Herbstes wieder öffnet. Von den unter 26-Jährigen haben 60 Prozent angegeben, ein Jugendzentrum zu nutzen. Foto: Archiv/Jörn Martens


Die Jugendzentren werden von den bis zu 25-Jährigen zu knapp 60 Prozent genutzt. Bei den älteren Jahrgängen ist es nur noch jeder Vierte. Bei Bildungsangeboten steigt das Interesse mit dem Alter: Bis 25 Jahre gibt rund jeder Zweite an, hier schon mal teilgenommen zu haben. Bei den dann folgenden Jahrgängen sind es knapp zwei Drittel. Insgesamt beträgt die Note beim Kulturangebot befriedigend – ein Drittel sind sehr beziehungsweise eher zufrieden, mehr als 40 Prozent zufrieden und ein Viertel eher unzufrieden oder sehr unzufrieden. Vorgeschlagen wird zum Beispiel, dass die Gemeinde Hinweise zu auswärtigen Veranstaltungen gibt.  

Jüngere Hagener gut vernetzt

Allgemeine Tendenzen: Insgesamt kommt die Auswertung zu dem Ergebnis, dass die jungen Hagener sehr gut vernetzt sind und vielfältige soziale Kontakte haben. Beim Freizeitverhalten werden allgemein die "zahlreichen Möglichkeiten des Wohnumfeldes" genutzt. Bei den  jüngeren männlichen Teilnehmern stehen Computer und PC-Spiele höher im Kurs, bei den weiblichen Befragten trifft dies eher auf Shoppen zu. Dass auch "Essen gehen" angeführt wird, spricht für das gute gastronomische Angebot vor Ort. Fernsehen und Kino verliert dagegen an Attraktivität, während Streaming-Dienste wie Netflix an Beliebtheit gewinnen. Vermisst wird allgemein eine Buchhandlung in der Gemeinde. Beim Bus-Angebot wünschen sich rund die Hälfte "häufigere Abfahrtzeiten" und ein weiteres Viertel hält eine Ausweitung (andere Ziele/Richtungen) für sinnvoll. 

Bewertung: Von den Ausschussmitgliedern gab es viel Lob für die Umfrage. Für die CDU-Fraktion erklärte Rainer Summe-Frankenberg: "Das ist eine richtig gute Befragung, die einen Einblick in die aktuelle Lebensrealität der 18- bis 30-Jährigen gibt." Für SPD-Vertreter Martin Obermeyer zeigen die Antworten, dass "wir grundsätzlich mit den Angeboten auf dem richtigen Weg sind". Es sei eine "gute Ortsbindung" der Befragten festzustellen. Aus Sicht von FDP-Ratsmitglied Lutz Haunhorst wird durch die Ergebnisse vor allem deutlich, dass die Altersgruppe auf der Suche nach "was eigenem" sei. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN