Alles kann, nix muss Dorfentwicklung Hagen: Jetzt sind die Bürger gefragt

Reger Gedankenaustausch unter den Besuchern im Anschluss an die Bürgerversammlung.
Foto: Petra PieperReger Gedankenaustausch unter den Besuchern im Anschluss an die Bürgerversammlung. Foto: Petra Pieper
Petra Pieper

Hagen. Ratsmitglieder, Vereinsvorsitzende und zahlreiche am Dorfentwicklungsprozess interessierte Bürger waren zur Auftakt-Bürgerversammlung ins Bürgerhaus Natrup-Hagen gekommen. Die Dorfregion Hagen am Teutoburger Wald wurde Ende 2018 in das Förderprogramm des Landes aufgenommen.

Ziele und Chancen des mehrjährigen Prozesses sowie der zeitliche Ablauf standen im Fokus des ersten Infotreffens im Bürgerhaus. Bürgermeister Peter Gausmann lud alle weiteren Interessierten, vor allem auch junge Leute, ausdrücklich dazu ein, mit eigenen Ideen teilzunehmen und „Bedürfnisse, Erwartungen und Visionen“ für die langfristige Zukunft der Dorfregion Hagen zu entwickeln. Dabei sollten bestehende (Teil-) Leitbilder wie „Familie“ und „Ortskernentwicklung“ aufgenommen und den sich wandelnden Bedingungen angepasst werden. „Alles kann, nix muss“, sagte Gausmann, die Verwaltung freue sich schon sehr auf die Ideen aus der Bevölkerung und eine lebhafte Beteiligung.

Durch die erfolgreiche Aufnahme in das niedersächsische Dorfentwicklungsprogramm kommen 75 Prozent der Planungskosten - 60.000 Euro - und später die Mittel für genehmigte Projekte aus drei „Fördertöpfen“ des Landes, des Bundes und der EU, erklärte Uwe-Heinz Bendig vom Amt für regionale Landesentwicklung, der den Besuchern den Dorfentwicklungsprozess „aus Behördensicht“ vorstellte.

Dörflichen Charakter erhalten

Im Planungsprozess seien die Bürger gefragt, Antworten zu finden auf den Strukturwandel im ländlichen Raum und den demographischen Wandel, sagte Bendig. „Die Bürger bestimmen die Themen.“ So könnten zum Beispiel neue Nutzungen für leerstehende landwirtschaftliche Gebäude gesucht und der Verlust ortsbildprägender Häuser verhindert werden. Ziel sei eine grundsätzliche Verbesserung von Infrastrukturen des dörflichen Umfelds: Die Erhaltung von Basisdienstleistungen und Nahversorgung könne ebenso Thema sein wie die Verbesserung der Bedingungen für ein lebendiges öffentliches Leben oder von Verkehrswegen. Auch Umweltschutz und Schutz vor den Folgen des Klimawandels wie häufigere Hochwasser sollten mitbedacht werden.

Die Mitarbeiter des Amts für regionale Landesentwicklung (ArL) aus Osnabrück bieten dazu ihre Hilfestellung ebenso an wie die Planungsbüros pro-t-in aus Lingen und Richard Gertken aus Werlte, die bereits andere Gemeinden im Landkreis erfolgreich beim Dorfentwicklungsprozess begleitet haben und gelungene Beispiele vorstellten.

Weitere Termine

Nächster wichtiger Termin ist der „Impuls-Workshop“ am Samstag, 11. Mai, von 9 bis 15 Uhr im Bürgerhaus. „Jeder kann mitmachen, alle Hagener sind willkommen“, betonte Tim Strakeljahn von pro-t-in. Es sollen dann die Grundlagen für die Planungen geschaffen werden. „Dabei dürfen die Bürger gern auch etwas ‚spinnen‘“, ermutigte Strakeljahn zum Entwerfen von „Luftschlössern“, daraus entstünden häufig sehr reale Projekte. 

Im zweiten Schritt werden dann zwei Arbeitskreise ihre Tätigkeit aufnehmen. Der für die Niedermark beginnt am 3. Juni in der Grundschule Gellenbeck, der für die Obermark am 4. Juni im Rathaus, jeweils von 18 bis 20 Uhr. Auch hier gilt die Einladung für jedermann. Alle Arbeitsschritte sind öffentlich, Protokolle werden den Beteiligten schriftlich zugestellt und auf der Internetpräsenz der Gemeinde Hagen veröffentlicht. Im weiteren Verlauf sollen örtliche Botschafter gewählt, eine Lenkungsgruppe gebildet und bei Bedarf Experten hinzugezogen werden.

Zugang zu Fördergeldern

Die Brainstorming- und Planungsphase ist bis Anfang nächsten Jahres terminiert. Danach werden für konkrete Projekte Behörden beteiligt und die Pläne öffentlich ausgelegt, bevor die Gemeinde einen Ratsbeschluss fasst und das ArL die Pläne anerkennt. Solcherart genehmigte Maßnahmen werden, wenn sie öffentlicher Art sind oder aus gemeinnützigen Vereinen kommen, mit 73 Prozent gefördert, private Maßnahmen mit 30 Prozent und maximal 50 000 Euro. Diese Gelder seien „geschenkt“, betonte Bendig, keine rückzahlbaren Kredite. Bedingung sei jedoch die Genehmigung seitens des ArL vor Beginn der Baumaßnahmen.


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