Und die Rehe schauten zu Heimatverein Hagen weiht neue Aussichtsplattform ein

Von Werner Barthel

Vorstandsmitglieder des Hagener Heimatvereins und einige Gäste freuen sich über das gelungene Werk, das mit Spendengeldern fertiggestellt werden konnte:  Ewald Dierker (von links), Holger Borgmann, Ludger Nobbe, Antonius Thorwesten, Martin Bäumer, Peter Gausmann und Bärbel Echemeyer. Foto: Werner BarthelVorstandsmitglieder des Hagener Heimatvereins und einige Gäste freuen sich über das gelungene Werk, das mit Spendengeldern fertiggestellt werden konnte: Ewald Dierker (von links), Holger Borgmann, Ludger Nobbe, Antonius Thorwesten, Martin Bäumer, Peter Gausmann und Bärbel Echemeyer. Foto: Werner Barthel

Hagen. Der stählerne Aussichtssteg am Lotter Weg, genauer: Am Mastbruche, bietet Spaziergängern wie Wanderern jetzt die Möglichkeit, Natur hautnah zu erleben, weil er mitten in das Biotop hineinführt. Zudem laden die Bänke zum Verweilen und Abschalten ein.

Schon am Wochenende bei der Eröffnung lockte der unverstellte Blick über das Biotop, das sich im Regenrückhaltebecken gebildet hat, gut 100 Schaulustige an. Alle waren sich einig, dass der Heimatverein Hagen hier ein kleines Juwel geschaffen hat. Seine Bedeutung wird noch verstärkt, da diese Stahlkonstruktion nur von einem befestigten Weg aus zu erreichen ist, der parallel zum Lotter Weg verläuft und nur über zwei Brücken zu passieren ist.

Sponsorensuche dauerte

Die Planungen für die Aussichtsplattform reichen bis ins Jahr 2017 zurück, wie Antonius Thorwesten, Vorsitzender des Vereins, bei der Begrüßung verriet. „Damals hat uns Ludger Nobbe auf diese einmalige Möglichkeit hingewiesen. In einer Vorstandssitzung beschlossen wir, das Projekt mittels einer Stahlkonstruktion umzusetzen.“ Allerdings nahm die Realisierung noch knapp anderthalb Jahre in Anspruch. Thorwesten: „Das wird jeder nachvollziehen können. Schließlich mussten wir die richtigen Leute zur Mithilfe und vor allem Sponsoren finden.“

Bestandsaufnahme der Tierwelt

Während Ludger Nobbe als „gelernter“ Ingenieur zunächst eine Skizze entwarf und anschließend an der Zeichnung feilte, bat man Hobbyorinthologen Holger Borgmann, sich um den Bestand der hier heimischen Tierwelt zu kümmern. „Also führte mich mehrmals die Woche rund sechs Monate lang mein Weg zum Biotop“, beschreibt dieser seine Vorgehensweise, „und jedes Mal ließ ich rund zwei Stunden lang das Schnattern, Gezirpe, Gequake und Gezwitscher auf mich wirken und griff endlich zu Papier und Bleistift, um festzuhalten, was da kreucht und fleucht.“

In einer Dokumentation, die er auch Ende dieser Woche vorstellen wird, stellte er anschließend zusammen, welche Tiere hier ganzjährig anzutreffen sind und was und wer ausschließlich zu wärmeren Jahreszeiten an dieser Stelle mit Nistplätzen und Futtersuche für den Nachwuchs Aufenthaltsrechte beansprucht, bevor die Reise wieder gen Süden geht. Borgmann: „So habe ich zum Beispiel zu meinem eigenen Erstaunen festgestellt, dass sich an die 40 Vogelarten hier ein Stelldichein geben.“

Holger Borgmann trug anschließend auch Texte und Bildmaterial für die Schautafeln zusammen, die jetzt kurz und knackig Auskunft über die hier lebende Tierwelt geben. Just in diesem Augenblick seines Berichts tauchten wie bestellt zwei Rehe auf, die wohl der ungewohnte „Lärm“ des Mikrofons aufgescheucht hatte.

Alle Kanäle angezapft

Während dieser Monate war der Vorstand ebenfalls nicht untätig. Galt es doch, Sponsoren zu finden, die ihr Scherflein zu diesem knapp 30.000 Euro teuren Projekt beisteuern würden. Sein Bemühen war schließlich von Erfolg gekrönt. Der Heimatverein verfügt über ein ansehnliches Netzwerk und erfreut sich überdies großen Ansehens weit über die Ortsgrenzen hinaus.

So mancher Schaulustiger, der sich über die kleine Tafeln mit den Namen der Spender beugte, staunte nicht schlecht: Von der Sparkasse, der politischen Gemeinde, dem Verein KUL über unter anderem Naturschutzstiftung bis zu den am Bau beteiligten Firmen Bensmann und Dierker reicht die Liste. 

Mehr als 100 Neugierige nutzten das schöne Wetter für einen Ausflug zur neuen Aussichtsplattform und bestaunten auf den Schautafeln die heimische Tierwelt und die Liste der Sponsoren. Foto: Thomas Plogmann


Ein Name springt dabei ins Auge: „Bingo“, die Umweltlotterie, hat einen nicht unerheblichen Beitrag für das Hagener Projekt locker gemacht. „Und hier kommt unser Kreistags- und Landtagsmitglied Martin Bäumer ins Spiel“, wandte sich Thorwesten an den Glandorfer und bat ihn von seinen Bemühungen zu berichten.

„Es erfordert einen immensen Papierkrieg, der zu bewältigen ist, möchte man für ein lohnenswertes Vorhaben Zuschüsse bewilligt bekommen“, erzählte dieser, „mehrere Millionen Euro werden von dieser Einrichtung Jahr für Jahr für Umweltanliegen ausgeschüttet. Da muss man natürlich auch sicherstellen, dass nur solche Initiatoren berücksichtigt werden, die hieb- und stichfeste Argumente für ihre Projekte vorlegen können, die genauesten und peniblen Nachprüfungen standhalten.“ Nun, die Hagener fanden dank Bäumers „Nachhilfe“ Aufnahme in den kleinen Kreis förderungswürdiger Projekte und durften sich über die Überweisung eines größeren Betrags freuen.

Deutschland rühme sich in den Augen von Hagens Bürgermeister Peter Gausmann zu Recht seiner vielen Naturschutzgebiete, Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks. „Gemeinsam bilden sie eine erstaunliche Schatzkammer, zu der jetzt auch dieser Aussichtssteg gehört“, beglückwünschte er den Heimatverein. „Maßnahmen wie diese sind eine Bereicherung für unsere Gemeinde. Sie helfen, Natur erlebbar zu machen.“ Bei einem kleinen Imbiss mit Bratwürstchen und Getränken wurde die kleine Feierstunde beendet.


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