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Keine Überschallflüge Herkunft der Knalle in Hagen und Umgebung weiterhin unbekannt

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Seit dem 1. Januar häuften sich bei der Polizei Anrufe wegen lauter Knalle in Hagen und Umgebung. Symbolfoto: Colourbox.deSeit dem 1. Januar häuften sich bei der Polizei Anrufe wegen lauter Knalle in Hagen und Umgebung. Symbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. In Hagen am Teutoburger Wald knallte es regelmäßig. Die Polizei ist sensibilisiert, weiß aber nicht, woher das fast allabendlich auftauchende Geräusch stammt. Doch die Serie scheint nun zu Ende zu sein.

Fast jeden Abend gingen die Anrufe bei der Polizei ein, sagt Ralph Gras, Leiter Einsatz- und Streifendienst in Georgsmarienhütte. Zu dieser Zeit schreckt ein einzelner Knall die Bürger auf. "Die meisten Anrufe stammen aus dem Gebiet der Osnabrücker Straße zwischen Holzhausen und Hagen." 

Doch auch darüber hinaus sei der Knall gut zu hören gewesen, berichtet der Hagener Guido Meyer. "Seit zwei Wochen knallt es jeden Abend zwischen 20.45 und 21.15 Uhr so stark, dass die Erde etwas bebt. Dem ersten Knall folgen meist ein bis zwei weniger laute." Seine Frau hat für die Facebook-Gruppe "Was gibts neues in Hagen a.T.W" extra eine Karte erstellt, in der sie die Orte eingetragen hat, in denen der Knall vernommen wurde. 

Hier war der Knall zu hören. Karte: GoogleMaps/Meyer/Screenshot

"Es haben sich aber auch Leute aus Oesede und Alt-Hütte gemeldet, die durch das Geräusch aufgeschreckt wurden. Das erste Mal seit Neujahr nicht geknallt hat es am vergangenen Sonntag, so Meyer. Und auch am Montagabend gab es keine explosionsartigen Geräusche, die der Polizei gemeldet wurden, sagt Ralph Gras. Vielleicht ist die Serie nun vorbei.

Böller, Explosion oder Flugzeug?

"Der Knall hörte sich an wie ein extrem lauter Böller, ein sogenannter Polen-Böller", so Polizist Ralph Gras. Guido Meyer findet hingegen, dass der Knall anders klingt, "eher wie eine Explosion". Einig sind sich beide, dass er nicht klingt, wie wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht. In der Vergangenheit hatten dieses Geräusch immer mal wieder die Bürger in der Region aufgeschreckt. 

Ein Eurofighter der Bundeswehr. Foto: Sven Hoppe/dpa

Überschallflüge unwahrscheinlich

Ein Sprecher der Luftwaffe hält es jedoch für "ausgeschlossen", dass Flugzeuge der deutschen Luftwaffe diesen regelmäßig am Abend zu hörenden Knall ausgelöst haben. Zum einen, weil kaum nach 20 Uhr oder an Feiertagen geflogen wird. Darüber hinaus sei ein derartiger Knall in einem noch weiteren Umkreis gut hörbar.

Wie entsteht ein Überschallknall?

Wenn beispielsweise Eurofighter-Piloten den Schubhebel in Richtung mehr Schub bewegen, lassen sie umgerechnet bis zu 156.000 Pferdestärken von der Leine. Kurze Zeit später durchbricht der Jet auf dem Weg zur Höchstgeschwindigkeit die Schallmauer. Das ist in einem weitem Umkreis deutlich zu hören.
Das Wort „Knall“ trifft es aber zumindest physikalisch nicht ganz genau: An Spitze und Heck des Jets entstehen bei einem Überschallflug kegelförmige Stoßwellen, die wie Schleppen mitgezogen werden. Dort, wo die Druckwelle gerade den Boden berührt, knallt es. Bei großen oder weit entfernten Fliegern hört man beide Stoßwellen auch als Doppelknall. (wie)

Eine Anfrage unserer Redaktion beim Luftfahrtamt der Bundeswehr – das auch Manöver ausländischer Heere nachvollziehen kann – ergab ebenfalls, dass "im Umkreis von etwa 18,5 Kilometern um Hagen am Teutoburger Wald im Zeitraum zwischen 20.30 und 21.15 Mitteleuropäischer Zeit kein militärischer Flugbetrieb nachgewiesen werden" konnte. Weiterhin wurde kein ziviler Flugbetrieb festgestellt, der einen Überschallknall zur Folge gehabt hätte, so die Antwort des Amtes aus Köln. 

Auch die Georgsmarienhütte GmbH ist nicht der Verursacher, so Pressesprecher Marcus Wolf: "Ein Knall auf unserem Gelände, der in Hagen zu hören sein würde, müsste in Georgsmarienhütte selbst dermaßen laut sein, dass er deutlich in ganz Georgsmarienhütte zu hören sein würde. Zudem gibt es bei uns keinen technischen Prozess, der nur einmal am Tag zu dem genannten Zeitpunkt stattfindet."

Was oder wer in und um Hagen knallte, bleibt weiter unbekannt. "Wir haben unsere Streifenfahrer für das Thema sensibilisiert", so Ralph Gras. Und Guido Meyers Frau wird ebenfalls weiter die Straßen und Orte in ihre Karte eintragen, wenn der Knall wieder zu hören sein sollte.


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